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Region Kelheim
Dienstag, 17. Juli 2018 30° 3

Notlage

Weitere Hilfe für Schuldner

Finanziell klamme Haushalte im Kreis Kelheim erhalten bei zwei Organisationen kostenlose Beratung – zumindest bis Ende 2018.
Von Beate Weigert

Viele Schuldner lassen zu viel Zeit verstreichen. Erst wenn Stromsperren oder gar Wohnungspfändungen drohen, suchen sie Hilfe. Foto: Christin Klose/dpa
Viele Schuldner lassen zu viel Zeit verstreichen. Erst wenn Stromsperren oder gar Wohnungspfändungen drohen, suchen sie Hilfe. Foto: Christin Klose/dpa

Kelheim.Trotz „Vollbeschäftigung“ im Kreis Kelheim gibt es immer mehr Menschen, denen das Geld, das monatlich hereinkommt, zum Leben nicht reicht. Experten gehen davon aus, dass an die 8000 Bürger mit Schulden kämpfen. Das sind quasi so viel, wie die Einwohner von Langquaid, Kirchdorf und Teugn zusammen.

Um die Jahreswende 2017/18 waren die Betroffenen auf sich allein gestellt, bzw. mussten sich außerhalb der Landkreisgrenzen Hilfe suchen. Denn die bisherige, alleinige Anlaufstelle, die Beratungsstelle der Caritas im Landkreis, war selbst in die Miesen geraten.

Was wurde aus Caritas?

Kreis-Geschäftsführer Hubert König hatte im Herbst 2017 das „Draufzahl-Geschäft“ öffentlich gemacht. 2016 hatte das Defizit einen Rekordwert von 33 000 Euro erreicht. Die Organisation zog die Notbremse und legte nach dem Weggang des langjährigen Schuldnerberaters das Hilfsangebot auf Eis. Nach einer Finanzspritze des Landkreises wurde jedoch die Weiterarbeit beschlossen. Dann hörte man nichts mehr.

In der vergangenen Woche meldete sich nun das Diakonische Werk Ingolstadt per Pressemitteilung zu Wort. Seit Februar kümmere man sich auch um Schuldner aus dem Kreis Kelheim, so Beraterin Christel Rückschloss-Friedel. Nur wisse in der Region bislang kaum einer.

Bei der Caritas in Kelheim werden Schuldner seit 1. März wieder beraten. Foto: Angelika Warmuth/dpa
Bei der Caritas in Kelheim werden Schuldner seit 1. März wieder beraten. Foto: Angelika Warmuth/dpa

Die Schlussfolgerung, dass es das Caritas-Angebot nicht mehr gebe, ist jedoch falsch. Wie Caritas-Kreisgeschäftsführer Hubert König auf unsere Nachfrage sagt, ist neue Schuldnerberaterin seit 1. März im Einsatz. In Kürze werde Sozialpädagogin Viktoria Zerzawy nach der Phase der Einarbeitung öffentlich vorgestellt. Auch als geeignete Stelle für die Insolvenzberatung sei die Caritas-Beratung weiter von der Regierung anerkannt, so König.

Das Landratsamt teilt auf unsere Nachfrage mit, dass das Diakonische Werk seine Dienste angeboten hatte, nachdem Landkreisbürger dort wegen Schuldnerberatungen angefragt hatten. Laut der Pressestelle sei nun eine Kooperation für das Jahr 2018 vereinbart. Der anteilige Zuschuss des Landkreises betrage etwas mehr als 8700 Euro. Über die Zusammenarbeit anschließend weitergeführt werde, müsste im Laufe des Jahres von zuständigen Kreisgremium entschieden werden.

Hilfe in Kelheim und Ingolstadt

  • Caritas:

    Seit März 2018 bietet die Caritas-Schuldnerberatungsstelle in der Kelheimer Pfarrhofgasse 1 wieder ihre Dienste an. Sozialpädagogin Viktoria Zerzawy hat diese übernommen. Sie ist erreichbar per Telefon unter (0 94 41) 50 07-21 oder per Mail: v.zerzawy@caritas-kelheim.de.

  • Gedankenspiele:

    Im Herbst vergangenen Jahres war im Kelheimer Kreisausschuss auch diskutiert worden, ob gegebenenfalls die Kreisbehörde selbst oder ehrenamtliche Bankkaufleute im Ruhestand in der Schuldner- und Insolvenzberatung tätig werden könnten.

  • Diakonisches Werk:

    Seit Februar 2018 können sich überschuldete Haushalte aus der Region auch an die Schuldnerberatung des Diakonischen Werks in Ingolstadt wenden. Terminvereinbarung, Tel. (0841) 9 33 09-17.

  • Das Büro befindet sich in der Schrannenstraße 5 in Ingolstadt.

  • Zukunft:

    Die Idee ob auch andere Experten Schuldner beraten könnten, wurde im Landratsamt noch nicht weiter verfolgt. Durch die geplante Zusammenführung der Schuldner-/Insolvenzberatung aus einer Hand bei Städten und Kreisen ab 1.1.2019, überlege man aber in jede Richtung.

Die Kreis-Caritas ist nach eigenem Bekunden auf dem „Kenntnisstand“, dass sich das Diakonische Werk „in der Zeit der Vakanz beim Landkreis angeboten“ hatte. In dieser Zeit seien aber auch Landkreisbürger zur Caritas nach Regensburg gefahren. Die Tatsache, dass nun zwei Institutionen Schuldner beraten, kommentiert Geschäftsführer König leicht verschnupft: „Aus unserer Sicht besteht keine Notwendigkeit mehr dazu.“ Derzeit könnten relativ kurzfristig – nach zwei bis drei Wochen – Termine in der Beratung vergeben werden.

Bei beiden Institutionen sind die Beratungen kostenlos. Die Mitarbeiter zur Verschwiegenheit verpflichtet. Foto: Angelika Warmuth/dpa
Bei beiden Institutionen sind die Beratungen kostenlos. Die Mitarbeiter zur Verschwiegenheit verpflichtet. Foto: Angelika Warmuth/dpa

Die Betroffenen dürfte es freuen, dass es aktuell zwei Anlaufstellen für sie gibt. Vor allem Arbeitnehmer, die im Niedriglohn-Sektor arbeiteten, „Aufstocker“ oder jene, die sich von einem befristeten Vertrag zum nächsten hangelten, geraten schnell in finanzielle Schieflage, s0 Christel Rückschloss-Friedel. Da müsse nur das Auto oder die Waschmaschine kaputt gehen und schon gerate ein Einzelner oder eine Familie in finanzielle Schieflage. Auch Alleinerziehende sind gefährdet und immer öfter zählen auch Rentner zur Klientel des Diakonischen Werks.

Warten bis zur Räumungsklage

Zu viele stapelten Rechnung um Rechnung, anstatt früh tätig zu werden. Doch Schulden ziehen nicht ab, wie eine Gewitterfront. Insbesondere Frauen mit schmaler Rente schämten sich, Hilfe annehmen zu müssen. „Bei Frauen fließen viele Tränen. Doch es ist keine Schande, Hilfe anzunehmen.“

„Leider warten viele viel zu lange. Sie kommen erst, wenn eine Stromsperre droht oder gar die Räumungsklage.“

Schuldnerberaterin Christel Rückschloss-Friedel vom Diakonischen Werk Ingolstadt

Erst wenn es richtig dicke kommt: Eine Stromsperre oder gar die Räumungsklage droht, sind Schuldnerberater wie Christel Rückschloss-Friedel gefragt. Doch bereits wenn erste Pfändungen anstehen, sollte man sich Hilfe suchen, rät die Ingolstädter Expertin. Hilfreich sei auch ein Pfändungsschutzkonto, kurz P-Konto. Die wenigsten wüssten, dass sie dieses bei ihrer Bank beantragen können. Gesetzlich gelte, dass 1133,80 Euro monatlich nicht pfändbar sind. Mit einem P-Konto könne Weiteres wie Kindergeld, Unterhaltsverpflichtungen oder Sozialleistungen für eine Bedarfsgemeinschaft geschützt werden.

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