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Spektakel

Welt der Römer erwachte zu neuem Leben

„Salve Abusina“ katapultierte Tausende von Besuchern am Wochenende in Eining bei Neustadt an die 2000 Jahre zurück.
Von Wolfgang Abeltshauser und Heike S. Heindl

Impressionen der Römertage in Eining.
Impressionen der Römertage in Eining.

Neustadt.Die Zuschauer stehen dicht gedrängt um die rechteckige kleine Arena. Sie spenden Applaus und feuern an wie im Fußballstadion. Die Akteure sind aber keine Kicker. Zwei Kämpfer mit Helmen auf dem Kopf und Bandagen an Arm und Bein gehen mit Schwertern aufeinander los. Ein wenig später betritt auch noch ein Recke mit Netz und einem großen Dreizack die Szenerie. Geschichtskenner haben es sicherlich schon erkannt. Gladiatoren zeigen ihr Können.

Ihr Auftritt gehörte zu den Höhepunkten des Römerfestes Salve Abusina. Das auch heuer wieder viele Besucher auf das Gelände des ehemaligen Militärlagers in Eining lockte.

Noch mehr Eindrücke vom Römerfest gibt es hier:

Salve Abusina - Römertage in Eining


Da gab es viel zu sehen – aber auch interessante Informationen. So hörte das Publikum vom Moderator der Gladiatorenshow, dass diese Kämpfe einst von den Etruskern ersonnen worden sind. Die Römer übernahmen sie dann, weil sie eben ein Spektakel für das einfache Volk witterten.

Für Kinder gibt es ein eigenes Kinder-Programm. Foto: Heindl
Für Kinder gibt es ein eigenes Kinder-Programm. Foto: Heindl

Bereits vor der offiziellen Eröffnung der Veranstaltung tummelten sich viele Gäste auf dem Gelände – der Parkplatz war schon ziemlich voll. Über das Wochenende hinweg änderte sich das nicht mehr. Längst hat Salve Abusina weit über die Stadtgrenzen Neustadts hinaus Bedeutung gefunden. Längst hat sich auch bei Bürgermeister Thomas Reimer Überzeugung breitgemacht.

Erst war Bürgermeister skeptisch

Als Mitarbeiter der Tourismusabteilung vor einigen Jahren zu ihm mit der Idee eines Römerfestes kamen, sei er skeptisch gewesen. Das habe sich aber längst geändert. Denn es sei für jeden etwas dabei. Dafür sorgen nicht nur die Gladiatoren, die sich aus verschiedenen Darstellergruppen aus ganz Deutschland und dem Ausland rekrutieren. Selbstverständlich sind auch etliche römische Legionäre vor Ort. Einige von ihnen stehen gerade beim Appell. „Gegenseitige Uniformkontrolle“, befiehlt der Kommandeur mit fester Stimme. Da erschrickt der MZ-Reporter fast ein wenig. Erinnert ihn das doch an seine eigene Zeit als Wehrdienstleistender bei der Bundeswehr.

Jede Menge Attraktionen gab es bei „Salve Abusina“.

Die Legionäre geben einen Einblick in das Leben, wie es wohl vor knapp 2000 Jahren in Eining geherrscht hat. Sie marschieren, zeigen Kampfformationen. Sogar Attacken hoch zu Ross werden geritten. Einer der Darsteller ist im richtigen Leben Gerhard Protz. Er stammt selbst aus Neustadt und kennt Abusina seit Kindertagen. „Es macht mir unheimlich viel Spaß“, sagt er. Über einen Arbeitskollegen kam er zu diesem Hobby.

Wachsweiche Herausforderung

Neustadts Tourismuschefin Astrid Rundler blickt zufrieden auf die Szenerie. „Alles läuft gut.“ Da habe sich die ganze Vorbereitung wieder einmal rentiert. Sie freut sich vor allem, dass dieses Jahr besonders viele Familien das Kastellgelände bevölkern. Haben die Organisatoren nicht zuletzt die Kinder ins Visier genommen. Für sie ist ein eigenes Programm organisiert. Es gibt sogar Führungen für die kleinen Gäste.

„Es ist schön, dass immer mehr Familien kommen.“

Astrid Rundler, Tourismusmanagerin

Und es ist erstmals die Schola Romana mit dabei. Diese Gruppe hat sich zur Aufgabe gemacht, den Gästen zu zeigen, wie die Römer seinerzeit zur Schule gegangen sind. Und so drücken auch jetzt einige kleine Festbesucher die Schulbank. Und das mitten in den großen Ferien.

Schweißtreibende Vorführungen begeisterten die Zuschauer. Foto: Krieger
Schweißtreibende Vorführungen begeisterten die Zuschauer. Foto: Krieger

Aber es ist nicht uninteressant. Die Grundschüler im alten Rom lernten das Schreiben nicht etwa mit Füller und Heft. Die hatten eine Wachstafel auf der Schulbank liegen. Das haben die Schüler auf Zeit jetzt auch. Mit einem kleinen Griffel gilt es, Buchstaben ins weiche Material einzuritzen. Das ist gar nicht so einfach. Da muss man schon üben. Ja – bei Salve Abusina gab es so aller allerhand zu erleben und zu erfahren.

Das sagen Darsteller und Besucher:

Gerhard Protz aus Neustadt alias Geraldus Quirius der Legio III ist seit 2010 bei den Römern. Foto: Heindl
Gerhard Protz aus Neustadt alias Geraldus Quirius der Legio III ist seit 2010 bei den Römern. Foto: Heindl

Gerhard Protz aus Neustadt: „Ich bin seit 2010 bei der Legio III. Durch einen Arbeitskollegen kam ich damals dazu. Als gebürtiger Neustädter bin ich mit dem Römerkastell groß geworden.“

Eva Ruf aus Riedenburg kommt jedes Jahr nach Eining. Foto: Heindl
Eva Ruf aus Riedenburg kommt jedes Jahr nach Eining. Foto: Heindl

Eva Ruf: „Wir sind aus Riedenburg und kommen jedes Jahr nach Eining. Feste mit Römern sind ja eher selten und meine Tochter Amelie ist sehr interessiert an Geschichte. Alles ist hier sehr interessant.“

Margit Groß aus Straubing stellt Eumachia dar. Eine reiche Frau aus Pompeji. Foto: Heindl
Margit Groß aus Straubing stellt Eumachia dar. Eine reiche Frau aus Pompeji. Foto: Heindl

Margit Groß: „Ich bin aus Straubing und stelle eine reiche Frau aus Pompeji dar. Von Eumachia gibt es heute noch eine Statue in Pompeji. Reiche Frauen waren in der Antike sehr angesehen.“

Christian Wirtz, alias Commodus ist bei den Römertagen Einzeldarsteller. Foto: Heindl
Christian Wirtz, alias Commodus ist bei den Römertagen Einzeldarsteller. Foto: Heindl

Christian Wirtz: „Als Commodus bin ich hier Einzeldarsteller. Lager habe ich auch keines. Ich bin nur Tagesgast, besuche aber öfter solche Veranstaltungen. Von Kindheit an interessiert mich die Antike.“

Friedrich Steindle ist der Centurio der Legio III, Flavius Maximuns. Foto: Heindl
Friedrich Steindle ist der Centurio der Legio III, Flavius Maximuns. Foto: Heindl

Friedrich Steindle: „Ich bin der Centurio, Flavius Maximus. Vor gut 30 Jahren bin ich in Pfünz mit anderen Römern in Kontakt gekommen. Wir haben schon als Kinder nach dem Schatz der Römer gesucht.“

Hier finden Sie weitere Artikel über Neustadt.

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