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Radsport

Weltrekordler bei Race24 dabei

Mit Christoph Strasser kommt der weltbeste Radmarathon-Fahrer nach Kelheim – um den Sieg fahren dennoch andere.
von Benjamin Neumaier

Christoph Strasser hat sechs Mal das Race across America gewonnen – einmal auch das Race24 in Kelheim. Foto: Lupi Spuma/lupispuma.com/dpa-tmn
Christoph Strasser hat sechs Mal das Race across America gewonnen – einmal auch das Race24 in Kelheim. Foto: Lupi Spuma/lupispuma.com/dpa-tmn

Kelheim.Kelheim 1200 Radsportler starten heuer beim Race24 – und egal wie es ausgeht, einer ragt schon jetzt heraus. Der Österreicher Christoph Strasser gewann sechs Mal das Race across America, ist mehrfacher Weltrekordhalter im 24-Stunden-Einzelzeitfahren und aktuell der beste Ultra-Radmarathonfahrer der Welt. In Kelheim ist er nicht nur wegen seiner weltweiten Erfolge kein Unbekannter, bereits 2006 gewann er das 24-Stunden-Rennen. Nun kehrt er zurück – aber nicht um zu gewinnen.

Rund 1200 Radfahrer starten beim Race24 in Kelheim – dabei werden die Einzelstarter immer mehr. Foto: Stöcker-Archiv
Rund 1200 Radfahrer starten beim Race24 in Kelheim – dabei werden die Einzelstarter immer mehr. Foto: Stöcker-Archiv

„Als Einzelfahrer würde er alles in Grund und Boden fahren“, sagt Race24-Mitorganisator Rudi Eberl. Strasser startet aber im Owayo-Ambassador Team. „Und so wie ich seine Mitstreiter beurteilen kann, fährt das Team wohl nicht um den Sieg mit.“ Dennoch bringt Strasser Glanz in die Kreisstadt – und seine Rundenzeiten dürften nicht unbedingt eine Messlatte, aber sicherlich Ansporn für die Radsportler sein.

Etwa ein Drittel Einheimische

1200 Männer und Frauen aus nah und fern tummeln sich am 13. und 14. Juli wieder auf der knapp 17 Kilometer langen Strecke. „Die Teilnehmerzahlen sind stabil“, sagt Stefan Thaller, der beim RSC Kelheim für die Anmeldung zuständig ist. „Etwa ein Drittel Einheimische –aus einem Umkreis von 100 Kilometern um Kelheim – und zwei Drittel Auswärtige bilden das Fahrerfeld.“ 926 Starter aus Bayern bilden die größte Gruppe, 79 kommen aus Nordrhein-Westfalen, 25 aus Hessen. Die größte ausländische Gruppe bilden 13 Österreicher, gefolgt von sieben Schweizern – zudem starten heuer ein Niederländer und ein Lichtensteiner.

Der Anstieg zermürbt

  • Knackpunkt:

    Nonstopp kämpfen die ambitionierten Radsportler darum, den 16,4 Kilometer langen Rundkurs im Angesicht der Befreiungshalle innerhalb von 24 Stunden möglichst oft zu umrunden. Der eigentliche Knackpunkt ist, dass der 170 Höhenmeter-Anstieg über den „Col de Stausacker“ mit fortschreitender Renndauer bei gleichzeitigem Schlafentzug die Fahrer zunehmend zermürbt. Der Anstieg wirkt als natürliche Selektionsbarriere, die das Fahrerfeld immer wieder von neuem durcheinander wirbelt.

  • Team:

    Teamfahrer sehen sich beim 24-Stunden-Rennen mit dem stetig gleichen Ritual konfrontiert: Raceeinsatz – Rückfahrt zum Fahrerlager-Teamplatz – Umziehen – Essen/Trinken – kurze Erholungsphase/Schlafen – Umziehen – rechtzeitige Hinfahrt zur Wechselzone – Raceeinsatz – und dann beginnt alles schon wieder von vorne.

  • Einzelfahrer:

    Einzelfahrer bestimmen ihren Rennablauf individuell in Eigenregie. Neben gleichmäßigem Tempo gehört die Platzierung und Dauer der Auszeiten/Schlafpausen sowie die zeit- und bedarfsgerechte Energiezufuhr mit zu den wichtigsten Entscheidungen. Während Sieganwärter wohl kaum ein Auge zumachen und nahezu pausenlos ihre Runden drehen, dürften sich leistungsschwächere Einzelfahrer notgedrungen längere Auszeiten gönnen.

Ähnliche Zahlen waren es auch in den vergangenen vier bis fünf Jahren – zuvor waren zwar insgesamt weniger, dafür aber ein größerer Anteil Einheimischer am Start. „Die Quote von einem Drittel sollten wir halten“, sagt Thaller, weil er weiß: „Einheimische bringen die Fans mit – und die sorgen für Stimmung.“ Dennoch müsse man mit der Zeit gehen. Sollten die Anmeldezahlen rückläufig werden oder sich der RSC dazu entschließen, zu wachsen, sieht Eberl „die Chance dafür hauptsächlich bei auswärtigen Fahrern. Das Potenzial in der Region ist, denke ich, größtenteils ausgereizt.“ Ein Zuwachs ließe sich – Stand heute – wohl gut steuern. „Weil wir bisher nur regional in Werbung investieren. Da ist noch Luft nach oben.“

Ein Überflug über die Race24-Strecke:

Race24 - Überflug über die Rennstrecke

Dennoch müsse man aufpassen und den Zulauf zum Race24 nicht als gegeben hinnehmen, sagt Eberl: „Wohin sich der Radsport und damit auch das 24-Stunden-Rennen entwickelt, kann niemand vorhersagen.“ Was er damit meint? Zum Beispiel die Konkurrenz Internet. Ein Wettkampf um Bestzeiten tobt mittlerweile auch online – über Smartphone-Apps. App einschalten, Strecke radeln, Ergebnis posten.

Konkurrenz im Internet

„Das nimmt zu, klar, aber ich glaube nicht, dass es in nächster Zeit einen direkten Vergleichswettkampf wie das Race24 ersetzen wird“, sagt Eberl, der vielmehr ein anderes „Problem“ im Auge hat: E-Bikes. Die drücken immer mehr auch in die Rennrad-Szene – sollen aber nicht Teil des Race 24 werden. „Das wollen wir eigentlich nicht. Aber wer weiß, ob die Bequemlichkeit des Menschen irgendwann gewinnt. Bei anderen 24-Stunden-Formaten gibt es bereits E-Bike-Kategorien. Und die sind nicht schlecht gebucht.“

Die Masse beim Race24 denkt wohl anders: Ihr geht es darum, ihre Leistungsgrenzen auszutesten. Das belegen vor allem die Anmeldezahlen bei den Einzelfahrern. Die steigen seit Jahren kontinuierlich – besonders im Altersbereich 50plus. Deshalb hat der RSC heuer erstmals Senioren-Kategorien bei den Einzelstartern eingeführt.

Vorjahressieger nun ein „Senior“

In der Damenkonkurrenz ist das Feld mit drei Meldungen überschaubar, bei den männlichen Senioren sind es aber mehr als 90 – und damit beinahe so viele wie in der Herren-Konkurrenz unter 50. Eberl kennt die Gründe: „Im Team muss ich immer Vollgas geben – jede Runde. Im Alter lässt zwar nicht die Ausdauer, aber die Sprintkraft nach und als Einzelstarter kann ich mir ein Rennen besser einteilen. Schon in den vergangenen Jahren waren nicht unbedingt junge Fahrer bei den Einzelstartern ganz vorne.“ 2018 teilte sich beispielsweise Hubert Liepold mit Markus Rieber den Einzeltitel. Liepold gilt nun, zusammen mit Martin Bendszus, bei den Senioren als heißer Titelkandidat. „Bei den Seniorinnen steht das Podest schon fest – es gibt nur drei Starterinnen“, sagt Stefan Thaller, der in der regulären Damen-Einzelkonkurrenz entweder Vorjahressiegerin Andrea Friesinger oder die Drittplazierte 2018, Katja Zängl, vorne sieht.

Sport

Race24: Die Hotspots für Fahrer und Fans

Alexander Roloff, der Sportler in unserer Redaktion, erklärt die Finessen des knapp 17 Kilometer langen Rundkurses.

Bei den Senioren-Teams schätzt Thaller Radsport Gaimershaim und Massivhaus Ehrenreich stark ein, bei den Damen-Teams die Schneider Weisse Bergmädels. Vorjahressieger Keldorado Wassernixen hat nicht gemeldet. Auch bei den Herren-Teams fehlt mit Kreissparkasse Kelheim der Titelverteidiger. Um den Sieg fahren aber auch 2019 Lokalmatadoren mit: Mit Philipp Bertsch, Manuel Lohr, Michael Stieglbauer, Julian Sterner und Sebastian Neef bilden erfolgreiche Ausdauer- und Mountainbike-Sportler ein mehr als schlagkräftiges Team – IronTrizone. Aber auch dem Weber Ertl-Racing Team um Ex-Profi Jakob Roithmeier ist einiges zuzutrauen. Im Mixed-Wettbewerb streiten wohl Titelverteidiger xc-ski.de A|N Skimarathon Team, das Radsport Team Gaimersheim und MagnesiumPur um den Platz an der Sonne.

Keine Einschätzung kann Thaller bei den Einzel-Herren abgeben: „Da ist alles offen – ich erkenne keinen Favoriten.“ Würde Christoph Strasser im Einzel antreten, wäre das wohl anders.

Live beim Race24 dabei sein:

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