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Mobilfunkgipfel

Wenig Erfreuliches für Antennengegner

In Obereggersberg diagnostiziert Prof. Dr. Klaus Buchner die „verrückteste Antennenauslegung“, die er bislang gesehen habe. Der Streit schwelt weiter.
Von Petra Kolbinger, MZ

Prof. Dr. Klaus Buchner (li.) und Ortssprecher Christian Bauer beim Mobilfunkgipfel Foto: Kolbinger

Riedenburg.Am Dienstagabend wurde das gut besetzte Gemeindehaus in Georgenbuch zum Schauplatz einer Informationsveranstaltung zum Thema „Mobilfunk Obereggersberg“ . Der Referent, Prof. Dr. Klaus Buchner, ehemaliger Bundesvorsitzender der ÖdP, Kernphysiker und später an der mathematischen Fakultät für Physiker an der Technischen Universität München tätig, beschäftigt sich seit gut zwölf Jahren wissenschaftlich mit dem Thema Mobilfunk. Er war auf Einladung des Eggersberger Ortssprechers, Christian Bauer, angereist, um sein Wissen zunächst bei einem Ortstermin und später beim Infoabend der stark verunsicherten Bevölkerung zur Verfügung zu stellen. Die ursprünglich für diesen Abend anberaumte Infoveranstaltung der Stadt Riedenburg in der Dreiburgenhalle, mit einem Referenten vom Bundesamt für Umwelt, war kurzfristig abgesetzt worden.

Einleitend blickte Bauer zurück auf den Ortstermin. Schlosseigentümerin Marion Wenzl-Sylvester habe mit ihren beiden Töchtern an der Begehung teilgenommen; daneben der Rechtsanwalt der Familie, Johannes Freiherr von Ulm-Erbach, Vertreter der Telekom und ihrer Tochterfirma, der Deutschen Funkturm GmbH, die Riedenburger Bürgermeister Michael Schneider und sein Vize Siegfried Lösch, Hauptamtsleiter Günther Wagner sowie Ortssprecher Christian Bauer und Mobilfunkexperte Buchner. Zunächst habe eine Begehung des Schlosses und des darin ansässigen Hotelbetriebes statt gefunden; später dann eine Tour durch den Ort Obereggersberg, die bis in einige Wohnzimmer geführt habe – so in das von Bauer, der am stärksten von Strahlenbelastung betroffen wäre.

„Dürftige“ Kompromissvorschläge

Buchner erläuterte die Problematik: „Die wollen waagerecht abstrahlen und das Dach des Schlosses, unter dem die Anlage sich befinden soll, liegt auf gleichem Niveau wie die Wohnhäuser des höhergelegenen Orts Obereggersberg.“ Die Kompromissvorschläge der Betreiber nannte Buchner „dürftig“. So habe man angeboten, auf UMTS zu verzichten und nur die Dienste GMS und LTE auf die drei Antennen mit einem Abstrahlungswinkel von je 120 Grad aufzuschalten. Abgesehen davon, dass UMTS ohnehin eine auslaufende Sache sei, ergäbe dies laut Buchner nur eine Einsparung von 50 Watt Sendeleistung an einem Masten und damit „keine substanzielle Verbesserung“. Selbst seine Anregung einer Nachtabsenkung, BCC genannt, habe keinen Anklang gefunden.

Die Bitte, auf den nach Süden ausgerichteten Masten, der den Ortsteil bestrahlt, zu verzichten, sei von der Telekom abgelehnt worden. Unverständlich für die Anwohner, denen unterstellt wurde, sie würden sich erfahrungsgemäß zu einem späteren Zeitpunkt doch für einen besseren Handyempfang einsetzen. Doch, so Buchner, für eine Versorgung von Obereggersberg ist die Sendeleistung der Anlage überdimensioniert. Die Telekom habe bestätigt, dass sie nur bis zu dem Geländeanstieg am Ortsrand senden würden, um nicht die benachbarte Funkzelle zu stören. „Bis dato hieß es doch, es gehe nur um eine bessere Versorgung des Hotels und des Schlossgeländes!“, wandten mehrere Redner ein, und da sei der in den Ort gerichtete Mast doch verzichtbar.

Buchner und Bauer berichteten übereinstimmend, die Telekom habe bei der Ortsbegehung unmissverständlich klargemacht, dass eine verbesserte Versorgung des Talraums angestrebt sei. Darauf deute auch das nach Ansicht Buchners eher fadenscheinige Argument hin, man könne die vorgeschlagene, kostengünstige Verbesserung auf dem Schlossareal mittels Repeatern und ergänzendem W-Lan nicht realisieren, weil man keine Kabelschächte habe. „Ich habe in den Zimmern alte Balken gesehen und ausreichend Fugen, um Kabel zu verlegen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das nicht machbar wäre“, lautete Buchners Einschätzung. Offenkundig sei dies auch bei der Installation der Brandmeldeanlage vor einigen Jahren kein Thema gewesen, ergänzte Bauer.

Per Baurecht stoppen?

Der vorgeschlagene Alternativ-Standort beim Hochbehälter unweit des benachbarten Thann sei von der Telekom eben so abgelehnt worden, wie der auf dem Kirchfelsen. Der Vorschlag, die Sendeanlage auf dem Hang gegenüber, am nördlichen Kanalufer, zu errichten, werde von der Telekom noch geprüft. Zu 99 Prozent sei der Standort aber ungeeignet, habe es schon im Vorfeld geheißen.

Geprüft wird auch vonseiten der Stadt, ob, respektive welche Möglichkeiten bestehen, die von den Ortsbewohnern abgelehnte Mobilfunkanlage noch zu stoppen, bestätigte Siegfried Lösch. So lasse man juristisch klären, ob im vorliegenden Falle ein Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan mit gleichzeitiger Veränderungssperre sachdienlich sein könnte. Auch das Widerspruchsrecht betroffener Bürger gegen den Bescheid der Bundesnetzagentur mit Datum vom 18. November, den die Deutsche Funkturm GmbH bei dem Ortstermin aus dem Hut gezaubert hat, stand zur Diskussion – neben diversen technischen Möglichkeiten einer Abschirmung beziehungsweise Reflexion der Strahlung.

„Ich befasse mich seit zwölf Jahren damit und das ist die verrückteste Antennenauslegung, die ich bisher gesehen habe“, stellte Buchner wörtlich fest. Es besteht auch Unverständnis gegenüber der Risikobereitschaft der Schlosseigentümer. Im Ausland seien bereits Schadenersatzprozesse erfolgreich für Strahlengeschädigte verlaufen. In Deutschland klammere man sich noch an die noch geltenden Grenzwerte, doch eine Vertragslaufzeit von 15 Jahren sei lang, die Haftung einer GmbH begrenzt und der nächste in der Reihe derer, die Schadenersatzansprüche regulieren müssten, seien die Grundstückseigner.

Ernüchterndes Fazit: es dürfte schwer bis unmöglich sein, die Anlage noch zu verhindern. Aufgeben aber, dieser Eindruck entstand am Dienstagabend jedenfalls, wollen die betroffenen Bürger deswegen noch lange nicht.

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