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Belastung

Wenn ein Mutter-Tag nicht mehr reicht

Entspannte Mamis? Von wegen, warnen Beate Born und Anneliese Röhrl beim Frauenbund Kelheim: Mütter sind immer gestresster.
Von Martina Hutzler

Kinder, Haushalt, Job – Mütter, aber auch Väter sind damit immer häufiger überlastet. Eine Mutter-/Vater-Kind-Kur kann in solchen Fällen helfen. Foto: Deutsches Müttergenesungswerk
Kinder, Haushalt, Job – Mütter, aber auch Väter sind damit immer häufiger überlastet. Eine Mutter-/Vater-Kind-Kur kann in solchen Fällen helfen. Foto: Deutsches Müttergenesungswerk

Kelheim.Blumen und Gedicht zum Muttertag – das freut ja die Mamis. Ein Tag Aufmerksamkeit ändert indes nichts am Spagat, den viele leisten müssen: Kinder, Beruf, vielleicht auch noch pflegebedürftige Angehörige. Grund genug, dem Thema „Frauengesundheit“ mehr Aufmerksamkeit zu schenken, findet Kelheims Frauenbund-Bezirksvorsitzende Anneliese Röhrl. Sie hatte kürzlich Beate Born bei einem Infoabend zu Gast. Born, Frauenbund-Diözesanvorsitzende in Trier, arbeitet für den katholischen Fachverband im Müttergenesungswerk (MGW) mit. Sie weiß, dass gerade Mütter heute immer stärkeren Belastungen ausgesetzt sind.

Anneliese Röhrl hat die jüngste Kelheimer Frauenbund-Bezirkskonferenz dem Thema „Müttergesundheit“ gewidmet. Foto: Hutzler
Anneliese Röhrl hat die jüngste Kelheimer Frauenbund-Bezirkskonferenz dem Thema „Müttergesundheit“ gewidmet. Foto: Hutzler

Es gibt Frauenkrankheiten, klar. Aber gibt es denn „Frauengesundheit“?

Born: Auf jeden Fall! Frauen unterscheiden sich körperlich – Schwangerschaft, Geburt, Stillen, das hat ja ein Mann ja nun mal nicht. Dann hat sich gezeigt, dass Forschungen – die früher meist mit Männern durchgeführt wurden – nicht einfach auf Frauen übertragbar sind. Wir fordern daher unter anderem eine stärker geschlechterbezogene medizinische Forschung. Und schließlich sind Frauen oft benachteiligt bei der Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen.

Wieso das?

Born: Viele Angebote kosten heute Geld. Und Frauen sind leider immer noch oft finanziell benachteiligt.

Röhrl: Gerade Alleinerziehende haben oft finanzielle Schwierigkeiten.

Man sagt ja augenzwinkernd, dass zum Beispiel der Männerschnupfen viel schlimmer ist als der von Frauen....

Born: Frauen sind schon ein Stück weit leidensfähiger als Männer. Und nehmen oft viel auf ihre Schultern.

Röhrl: Mir ist wichtig, Frauen wieder ins Bewusstsein zu rufen, dass sie mehr auf sich schauen. Sie stehen oft stark unter Druck, mit Kindern, Beruf und teils noch Pflegetätigkeit.

Born: Seit Jahren nehmen bei MGW-Kuren die Mehrfach-Indikationen zu, bei den Frauen wurde also mehr als eine Erkrankung diagnostiziert. Und eine Studie besagt, dass rund 2,5 Millionen Mütter ,reif‘ für eine Kur wären.

Kinder, Haushalt, Job – Mütter, aber auch Väter sind damit immer häufiger überlastet. Eine Mutter-/Vater-Kind-Kur kann in solchen Fällen helfen. Foto: Deutsches Müttergenesungswerk
Kinder, Haushalt, Job – Mütter, aber auch Väter sind damit immer häufiger überlastet. Eine Mutter-/Vater-Kind-Kur kann in solchen Fällen helfen. Foto: Deutsches Müttergenesungswerk

Woran liegt das?

Born: Ein Grund ist sicher, dass immer mehr Mütter berufstätig sind. Und in der Arbeitswelt steigt die Belastung stetig – für Männer wie für Frauen.

Es gibt aber auch das Klischee von den locker-entspannten „Cappuccino-Mamis“, die das Mutter-Sein voll genießen ....

Born: Die gibt es vielleicht – aber ganz wenige. Bei den heutigen Kosten, Lebensstandards und Rentenaussichten bleibt den meisten keine Alternative zur Berufstätigkeit.

Wie groß ist für eine kranke oder auspowerte Frau – oder Mann – die Chance auf eine Mutter-/Vater-Kind-Kur?

Bis 2015 lag die Ablehnungsquote bei über 30 Prozent. Auf unseren Protest hin wurden den Krankenkassen Begutachtungs-Richtlinien auferlegt; danach sank die Ablehnungsquote auf etwa zehn Prozent. Und rund die Hälfte der abgelehnten Kuren werden doch noch bewilligt, wenn man sich beraten lässt und Widerspruch einlegt. Die Folge ist allerdings, dass man auf einen Platz in den knapp 80 Kliniken, die nach unseren MGW-Kriterien arbeiten, bis zu sechs Monate wartet.

Für Mütter, Väter, Pflegende

  • Müttergenesungswerk:

    Die gemeinnützige Elly Heuss-Knapp-Stiftung ist als „Müttergenesungswerk“ (MGW) bekannt. Fünf Trägergruppen betreiben es: Arbeiterwohlfahrt, Dt. Rotes Kreuz, Evangel. Fachverband Frauengesundheit, Kath. Arbeitsgemeinschaft Müttergenesung, „Der Paritätische“.

  • Angebot:

    Unter dem Dach und nach den Qualitätskriterien des MGW bieten 76 Einrichtungen verschiedener gemeinnütziger Träger Vorsorge- und Rehabilitationsmaßnahmen an. Sie basieren auf dem Konzept der „Therapeutischen Kette“: Beratung – Maßnahme – Nachsorge gehören zusammen.

  • Zielgruppe:

    Das MGW bietet für Mütter wie auch für Väter Kuren an, sowohl mit als auch ohne die Kinder. Neu sind Angebote für pflegende Angehörige. Einige Kliniken haben Schwerpunkte, z.B. für Trauerverarbeitung, für behinderte Kinder, für Mütter nach Krebstherapie, für Soldaten/Soldatinnen.

  • Ablauf:

    Krankenkassen zahlen Mutter- oder Vater-Kind-Kuren ( 10 Euro Eigenanteil pro Tag) auf Antrag, zu dem ein ärztliches Attest gehört. Bei Antrag und Einrichtungswahl helfen Beratungsstellen. In Kelheim ist dies die Caritas: 0 94 41 50 07 15.

  • www.muettergenesungswerk.de

Wie kommt eine Frau oder ein Mann überhaupt zu einer Mutter-/Vater-Kind-Kur?

Born: Ein Kennzeichen des MGW ist die „therapeutische Kette“: erst Beratung, dann die stationäre Vorsorge- oder Reha-Maßnahme und Nachsorge-Angebote.

Worum dreht sich die Beratung?

Born: Wir helfen beim Antrag und erklären, was eine Kur in einer unserer Einrichtungen bedeutet – und was nicht. Viele denken, ,das ist wie Urlaub‘ – stimmt nicht! In der Kur kann es ganz schön ans Eingemachte gehen, gerade wenn es nötig ist, dass man seinen Alltag umkrempelt.

Wo erhält man Beratung?

Born: Die Katholische Arbeitsgemeinschaft Müttergenesung, deren Vize-Vorsitzende ich bin, arbeitet mit 350 Beratungsstellen zusammen, oft innerhalb von Caritas-Einrichtungen. Uns bereitet Sorge, dass solche Beratungsstellen und deren Kontingente aus Spargründen immer weiter reduziert werden. Da fällt dann die MGW-Beratung oft mal hinten herunter.

Beate Born, Frauenbund-Diözesanvorsitzende in Trier, vertritt die Katholische Arbeitsgemeinschaft Müttergenesung im MGW. Foto: Hutzler
Beate Born, Frauenbund-Diözesanvorsitzende in Trier, vertritt die Katholische Arbeitsgemeinschaft Müttergenesung im MGW. Foto: Hutzler

Was unterscheidet die MGW-Häuser von anderen Anbietern?

Uns ist wichtig, dass jeweils eine Gruppe von Teilnehmern gemeinsam an- und abreist. Nur so kann sich eine Gruppendynamik entwickeln und die Frauen – oder Männer – gegenseitig unterstützen. Und die mentale Verfassung spielt eine große Rolle beim Erfolg einer Kur! Außerdem bekamen wir nach langem Kampf als Qualitätskriterium anerkannt, dass wir zwischen Mütter- und Väter-Kuren trennen. Bei solchen Kuren machen gemischte Gruppen keinen Sinn.

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