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Ehrenamt

Wenn Nachbarn Bedürftigen helfen

Seit fünf Jahren gibt es die Nachbarschaftshilfe in Rohr. Das Modell ist erfolgreich. Weitere Verbesserungen stehen bevor.
Von Edith Vetter

Familie Wenzel ist froh, dass es die rührige Nachbarschaftshilfe gibt. Fahrer Hans Riedl fungiert als Teamplayer.  Foto: Vetter
Familie Wenzel ist froh, dass es die rührige Nachbarschaftshilfe gibt. Fahrer Hans Riedl fungiert als Teamplayer. Foto: Vetter

Rohr.Elisabeth und Gernold Wenzel stehen startbereit vor ihrer Haustüre und warten auf ihren Chauffeur von der Nachbarschaftshilfe, der die beiden zu einem Arzttermin nach Abensberg fahren wird. Pünktlich wie immer holt Hans Riedl die Senioren vor der Haustüre ab, hilft ihnen beim Einsteigen, verstaut den Rollator und fährt los. Da Gernold Wenzel seit seinem Unfall nicht mehr Autofahren kann und seine Ehefrau keinen Führerschein hat, sind beide froh, dass es die Rohrer Nachbarschaftshilfe gibt. „Ohne die Ehrenamtlichen wären wir hilflos und könnten nicht mehr alleine in unserer Wohnung leben“, erklärt Elisabeth Wenzel. Das Ehepaar hat zwar Kinder, doch die wohnen nicht in Rohr und könnten während der Woche nicht kommen.

Das ist nur ein Beispiel von vielen, bei denen die „Soziale Feuerwehr“ Rohr in Aktion tritt, sagt Hans Riedl, einer der Gründungsväter der Nachbarschaftshilfe. Seit knapp fünf Jahren sind die rund 20 ehrenamtlichen Helfer im Einsatz. Es sind Rentner, Beamte, Krankenschwestern, Maschinenbauer, Lehrer oder Tierärzte, die ihre Hilfe anbieten, so Riedl.

Auf andere Menschen zählen

Das Einsatzfeld reiche von Behördengängen, Einkaufsfahrten, kurzzeitiger Betreuung von Kranken, Kindern oder Tieren bis zu Hausbesuchen, Spaziergängen oder kleineren Hilfen in Haus und Garten. Zufriedenheit, Wohlergehen und Glück haben viel damit zu tun, ob die Menschen sich in ihrem Umfeld wohlfühlen und sich mit ihrem Wohnort identifizieren. Denn Wohnen umfasst auch die Umgebung: die Nachbarschaft, Kontakte und Unterstützung. Wer im Alter möglichst lange im vertrauten Heim bleiben möchte, benötigt oft mehr als eine altersgerechte Wohnung.

Wichtig sei, dass man auf andere Menschen zählen könne. „Gut, dass es die Nachbarschaftshilfe gibt“, lobt Bürgermeister Andreas Rumpel das Engagement bei der kleinen Jubiläumsfeier zum Fünfjährigen im Haus Asam. Die Gemeinde unterstützt die Nachbarschaftshilfe durch ihre Trägerschaft, die Übernahme der Telefonkosten sowie der Kosten für die Öffentlichkeitsarbeit. Wie groß der Unterstützungsbedarf ist, wurde durch über 60 Einsätze von Januar bis November 2019 deutlich. „Wir haben sehr viel Kompetenz und Leidenschaft in unserem Team, das macht uns so flexibel“, sagt Riedl. Fahrdienste seien die meisten Einsätze, da es in Rohr wenig Fachärzte gebe. Hier könnte das Team noch Unterstützung gebrauchen. Ein Transport mit dem ÖPNV funktioniere in Rohr oft nicht.

Hilfe anbieten

  • Helfer: Die Nachbarschaftshilfe Rohr hat derzeit etwa 20 Mitglieder. Ansprechpartner sind Brigitte Schmid und Hans Riedl unter Tel. 01 51 - 17 45 04 32.

  • Einsätze:

    Einkäufe, Suche nach Hilfsmöglichkeiten, kurzfristige Betreuung von Kranken, kleine Hilfen in Haus und Garten, Spaziergänge, Notfallversorgung von Tieren, Fahrten zu Behörden und Ärzten (Kilometerpauschale 35 Cent pro Kilometer), Ausfüllen von Formularen (keine Lohnsteuererklärung), Gesprächsangebote, Vorlesen oder Besuche. Wichtig: Verschwiegenheit.

Kleinbus soll regelmäßig fahren

Die Nachbarschaftshilfe soll keine professionellen Dienste ersetzten – sie tritt kurzfristig im Notfall in Aktion. Als Teamplayer mit Rufbereitschaft haben Brigitte Schmid und Hans Riedl die Fäden in der Hand. Beide sind im Pensionsalter und auch tagsüber erreichbar. Als ehemalige Lehrerin und zweifache Mutter hatte Brigitte Schmid früher keine Zeit, sich ehrenamtlich zu engagieren, erzählt sie. Das wolle sie nun nachholen. Auch der pensionierte Gymnasiallehrer Anton Gschwendner habe sich vor einem Jahr der Organisation angeschlossen. Er mache bevorzugt Besuche oder Einkäufe für Hilfsbedürftige. Da er geistig und körperlich noch fit sei, mache es ihm viel Freude, Menschen zu helfen zu können.

Vom Team wurde vorgeschlagen, den gemeindeeigenen Kleinbus regelmäßig für Einkaufsfahrten anzubieten, um nicht jeden Bedürftigen einzeln fahren zu müssen. Dieser Vorschlag wurde allgemein begrüßt. Der Vorschlag, das alte Feuerwehrhaus als Treffpunkt zur Verfügung zu stellen, wurde als nicht umsetzbar abgelehnt.

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