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Ferien

Wenn Nägel die Welt bedeuten

Nägel sind wie Geld. Um sie zu bekommen, braucht es Glück und Geschick. Auch darum geht‘s bei der Spielwoche in Neustadt.
Von Jochen Dannenberg

Für die Kinder war der Bau der Bretterbudenstadt auch in diesem Jahr erste Wahl bei der Spielwoche. Foto: Dannenberg
Für die Kinder war der Bau der Bretterbudenstadt auch in diesem Jahr erste Wahl bei der Spielwoche. Foto: Dannenberg

Neustadt.Schon von weitem hört man die Handwerker im Anton-Treffer-Stadion. Wie ein Trommelfeuer hallen die Hammerschläge am Montagmorgen durch die Umgebung des Stadions. Dazwischen laute Rufe von Kindern, die den Lärm der Hämmer zu übertönen suchen. Das Geräusch der Hämmer, unterlegt vom schleifenden, mahlenden Geräusch der Sägen und das Kindergeschrei gehören zusammen. Es ist der erste richtige Ferientag in diesem Sommer, im Stadion hat die Spielwoche begonnen.

Mehr als 200 Kinder sind an diesem Montagvormittag da, um miteinander zu spielen, zu bauen und zu basteln. Sie sind trotz des grau verhangenen Himmels und trotz des leichten Nieselregens und trotz des angekündigten Gewitters gekommen – frei nach dem Motto, mit dem die Deutsche Bahn einst geworben hatte: „Alle reden vom Wetter. Wir nicht.“

Alle halbe Stunde lockt das Glück

Nägel sind Baumaterial und Währung in der Bretterbudenstadt. Foto: Dannenberg
Nägel sind Baumaterial und Währung in der Bretterbudenstadt. Foto: Dannenberg

Es ist 9.30 Uhr. Die Spielwoche hat vor einer halben Stunde begonnen. Da standen die meisten Kinder schon am Eingang zum Fahrerlager des Anton-Treffer-Stadions. Doch noch immer kommen Kinder. Die Spielwoche findet seit bald 30 Jahren statt, das Prozedere ist in jedem Jahr dasselbe. Es gibt nur ganz geringe Abweichungen. In den Boxen des Fahrerlagers, wo beim Speedway die Motorräder gewartet werden, wird vor allem gebastelt. Auf der großen Wiese im Stadion versuchen sich Kinder an Ballspielen, aber die meisten Kinder sägen und hämmern als könnte es nichts Schöneres geben. So entsteht die Bretterbudenstadt, die ihre ganz eigenen Regeln hat.

Aktionen

  • Geschäftstüchtig:

    Amelie, Franziska, Luis und Tim sind geschäftstüchtig: Um für ihre Bretterbude die erforderlichen Nägel zu bekommen, haben sie einen kleinen Verkaufsstand errichtet. Dort verkaufen sie Spielzeug – gegen Nägel, der Währung in der Bretterbudenstadt.

  • Sandkasten:

    Wer denkt, dass Jungs, je älter sie werden, nicht mehr im Sandkasten spielen, irrt. Es kommt nämlich immer ganz darauf an ... Bei der Spielwoche im Anton-Treffer-Stadion waren im Sandkasten kleine Schätze versteckt.

  • Basteln:

    Die Bretterbudenstadt ist zweifellos auch in diesem Jahr die Attraktion der Neustädter Spielwoche. Daneben sind aber auch die Bastelaktionen im Fahrerlager des Stadions sehr beliebt. Das Flechten von Bändern und Kordeln kam vor allem bei Mädchen gut an.

  • Mahlzeit:

    In der Teilnehmergebühr der Spielwoche in Höhe von 3,50 Euro sind auch ein Mittagessen und Getränke enthalten. Am Montag gab es Reis mit Geschnetzeltem zum Mittagessen. Am Nachmittag gab es auch noch Nektarinen.

Und die gehen – vereinfacht beschrieben – so: Wer arbeiten will, muss würfeln, für eine Eins gibt es einen Nagel, für eine Zwei zwei Nägel usw. Die Nägel sind Baumaterial und Währung. Statt mit Geld wird nämlich mit Nägeln in der Bretterbudenstadt bezahlt. Weil man aber mit ein, zwei oder drei Nägeln keine Reichtümer besitzt, kann man zu jeder halben und vollen Stunde erneut würfeln und sein Vermögen erhöhen. Man kann aber auch das Vermögen erhöhen, in dem man irgendwelche Dinge verkauft. Franziska kennt sich aus und hat ein paar alte Spielzeuge, die sie nicht mehr braucht, mitgebracht und verkauft sie hier – gegen Nägel – in einem Laden, der eigentlich nur ein Schaufenster ist, aber am nächsten Tag, ganz sicher, ein Dach und Wände haben soll. Luis, Tim und Amelie helfen.

Auch Muskelschmalz gefragt

Wie im richtigen Leben gilt auch in der Bretterbudenstadt: Geld allein genügt nicht. Es braucht auch Muskelschmalz und Geschick. Katharina, neun Jahre alt, treibt die Nägel schwungvoll ins Holz. „Das habe ich alles vom Opa gelernt“, erklärt sie. „Der kennt sich mit Holz aus.“ Die Enkeltochter scheint das Talent vom Großvater geerbt zu haben. Und wenn es nicht so klappt wie bei Franziska, gibt es Helfer, die den Kindern die nötigen Tricks verraten. Mehr als 20 Helfer, zumeist Jugendliche, aber auch Tobi und Christina von der BRK-Bereitschaft, kümmern sich um die Kinder. Etliche Helfer sind einst, als sie noch Kinder waren, ins Stadion gekommen, um hier zu spielen und zu basteln. Leonie gehört dazu. „Ich bin schon als Kind hier gewesen“, sagt sie. „Und es hat Spaß gemacht.“ Kerstin ist das vierte Jahr hier, sie ist auch bei der DLRG aktiv. Ihr bereitet es Freude, die Kinder zu erleben. Die beiden sitzen an der Kasse und kontrollieren, dass jeder seinen Obolus zahlt. 3,50 Euro kostet der Tag pro Kind bei der Spielwoche, darin sind neben jeder Menge Spaß auch das Mittagessen und beliebig viele Getränke enthalten.

Weitere Fotos von der Spielwoche in Neustadt sehen Sie hier

Die Spielwoche in Neustadt hat begonnen

Derweil versucht Susi, Kindern das Stelzengehen zu erklären. Susi ist 18 Jahre alt, Stelzengehen ist für sie eine Premiere. „Ich habe es heute Morgen zum ersten Mal probiert“, sagt sie. Nach einigen Versuchen hatte sie es raus. Geduldig erklärt sie jetzt den Kindern die Tricks und gibt dabei immer wieder Hilfestellungen.

Nur ein paar Meter weiter gibt es einen großen Haufen Sand. Darin buddeln gar nicht mehr so kleine Jungs. „Es ist ein Turnier“, sagt Artur. „Wer die meisten Spielsteine findet, gewinnt.“

„Echte Jugendarbeit“

Die Motive der Helfer für ihren ehrenamtlichen Einsatz sind vielfältig. Irina, deren beide Söhne schon als Kinder bei der Spielwoche und jetzt als Jugendliche helfen, sagt: „Es macht einfach Spaß.“ Stadträtin Ursula Brandlmeier gehört zur Spielwoche wie die Bretterbudenstadt. Beide waren schon immer da. Ursula Brandlmeier bekennt: „Es ist jedes Jahr wieder schön.“ Und Stadträtin Birgit Wack, die die Spielwoche zum zweiten Mal leitet, meint: „Das ist echte Jugendarbeit.“ Nicht alle Eltern können sich die kompletten sechs Wochen langen Sommerferien um ihre Kinder kümmern, da ist die Spielwoche für viele Eltern eine willkommene Unterstützung.

Die Bretterbudenstadt bei der Spielwoche in Neustadt / Donau ist zweifellos auch in diesem Jahr die Attraktion der Neustädter Spielwoche. Daneben sind aber auch die Bastelaktionen im Fahrerlager des Stadions sehr beliebt. Das Flechten von Bändern und Kordeln kam vor allem bei Mädchen gut an.
Die Bretterbudenstadt bei der Spielwoche in Neustadt / Donau ist zweifellos auch in diesem Jahr die Attraktion der Neustädter Spielwoche. Daneben sind aber auch die Bastelaktionen im Fahrerlager des Stadions sehr beliebt. Das Flechten von Bändern und Kordeln kam vor allem bei Mädchen gut an.

So herrscht an diesem Montagvormittag überall im Fahrerlager des Anton-Treffer-Stadions und auf dem „heiligen Rasen“ des Stadions ein emsiges Treiben. Es wird nicht nur gehämmert und gesägt oder mit Bällen gespielt, etliche Kinder basteln auch. So sind es vor allem Mädchen, die Zöpfe und Kordeln flechten oder ein Brettspiel vor sich haben. So spielen Sophia und ihre Freundinnen das „Mainzelmännchen-Spiel“, andere Mädchen haben ein „Tierbaby Memory“ entdeckt und spielen es mit Leidenschaft. Für Nele ist das nichts Ungewöhnliches. „Ich spiele auch mit der Mama oft Memory“, gesteht sie.

Kinder haben Hunger

In der Teilnehmergebühr der Spielwoche in Neustadt / Donau in Höhe von 3,50 Euro sind auch ein Mittagessen und Getränke enthalten. Am Montag gab es Reis mit Geschnetzeltem zum Mittagessen. Am Nachmittag gab es auch noch Nektarinen. Foto: Dannenberg
In der Teilnehmergebühr der Spielwoche in Neustadt / Donau in Höhe von 3,50 Euro sind auch ein Mittagessen und Getränke enthalten. Am Montag gab es Reis mit Geschnetzeltem zum Mittagessen. Am Nachmittag gab es auch noch Nektarinen. Foto: Dannenberg

Allmählich wird es Mittag. Die Kinder haben Hunger. Es gibt Geschnetzeltes mit Reis, der Nachschlag ist inklusive.

Und dann gibt es auch noch ein Geburtstagsständchen: Lara ist an diesem Tag acht Jahre alt geworden. Ein Geschenk, verrät sie, durfte sie schon am Morgen auspacken, die anderen sind am Nachmittag dran, wenn sie wieder zuhause ist. Dann wird auch mit den Eltern und den kleinen Geschwistern gefeiert.

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