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Menschen

Wer braucht schon Geld?

Wozu Geld? Materielles macht nicht glücklich, meint der Kelheimer Daniel Kesic und richtet sein Leben konsequent danach aus.
Von Jochen Dannenberg

Weltenbummler Daniel Kesic ist überzeugt: Zum Glück braucht es nicht viel Geld.  Foto: Dannenberg
Weltenbummler Daniel Kesic ist überzeugt: Zum Glück braucht es nicht viel Geld. Foto: Dannenberg

Neustadt. „Monatlich 5000 Euro nebenbei verdienen“,„Bequeme Heimarbeit – bis zu 500 Euro täglich dazuverdienen!“ Wer im Internet oder Zeitungen nach Nebenjobs sucht, wird schnell das vermeintliche Traumangebot finden. Klar, dass man da neugierig wird. Was steckt dahinter? Bei „Viele Tipps, wie Sie einfach und legal an Geld kommen“ haben wir nachgefragt.

Daniel Kesic scheint die Lösung gefunden zu haben. Er macht immer wieder monatelang lang Urlaub und wenn man ihn fragt, was er denn arbeitet, kommt ein freundliches „dies und das“. Eine Fünf-Tage-Woche in ein und derselben Firma? Fehlanzeige!

DaKesi auf Reisen Foto: Kesic
DaKesi auf Reisen Foto: Kesic

Dafür erzählt Daniel Kesic alias DaKesi: „Wusstet du, dass das Leben auch leicht sein kann und man wahre Freude nicht in materiellen Gütern findet?“ Aha, denke ich, nichts im Kühlschrank, aber große Geschichten erzählen. Was jedoch nicht bei DaKesi, wie er sich nennt, zutrifft. Er trägt eine teuere Outdoor-Jacke und fährt einen Mercedes. Der ist zwar nicht mehr neu, aber Null Bock oder Minimalismus bzw. Konsumverweigerung sehen anders aus. Daniel Kesic hatte irgendwann einfach genug von der klassischen Fünf-Tage-Woche als Laborant. Als er deshalb den gut bezahlten Job aufgab, schimpfte sein Vater, meinte, er würde die Entscheidung bereuen. Doch DaKesi blieb bei seiner Entscheidung. Er hat es nicht bereut.

„Ich durfte viele Jahre meines Lebens als Weltenbummler in andere Kulturen und Lebensweisen eintauchen und habe erleben dürfen, wie befreiend es sein kann, sich vom Leben treiben zu lassen“, sagt er. „Ich habe erleben dürfen, was ich eigentlich schon immer tief im Inneren gewusst habe – nämlich, dass es nicht viel braucht, um glücklich zu sein und das Glück auch nur bedingt von äußeren Faktoren abhängig ist.“

Unterwegs

  • Reisen:

    Daniel Kesic alias Dakesi ist viel auf Reisen gewesen. Er war u.a. in Südamerika, Asien und Zentralamerika.

  • Erkenntnis:

    Auf den Reisen hat er gelernt, dass man zum Leben und zum Glück nicht viel Geld braucht.

  • Vortrag:

    Mehr verrät er am Samstag, 15. Juni, ab 20 Uhr im Kurhaus Bad Gögging (Eintritt 9 Euro).

Früher hieß es über jemanden, der so sprach, er sei ein „Beseelter“ oder gar ein „Erleuchteter“. Daniel Kesic schiebt das weit von sich. Vielleicht ist es auch nur die Begeisterung, mit der er von seinen Ideen spricht. Möglicherweise hat es auch mit einer anderen Leidenschaft des 38-Jährigen zu tun: Er hält Vorträge darüber, wie das Leben einfacher und genussvoller wird. Dabei rät er vor allem zu mehr Gelassenheit und zu einem sparsamen Lebensstil. Außerdem gibt er Tipps.

Es braucht wenig fürs Glück

So erklärt Kesic, wie er seine mehrmonatigen Reisen durch Asien und Zentralamerika finanziert hat. „Man braucht nicht mehr Geld als daheim“, sagt er. In Asien habe er ein halbes Jahr für 3500 Euro gelebt – inklusive Flug, aber natürlich nicht in Luxushotels, sondern nah an den Menschen. Ein paar Rücklagen habe er auch, sagt der 38-Jährige. Mit denen hat er z.B. seinen gebrauchten Mercedes finanziert. Im übrigen lebe er bescheiden. Kräuter für den Tee könne man sich in der Natur suchen und seine Wohnung in Kelheim sei klein. Deshalb kommt er mit weit unter tausend Euro im Monat zurecht. Seine Einkünfte speisen sich aus mehreren Quellen – einem Zwei-Tage-Job in einem Outdoor-Laden in Regensburg („damit das Notwendigste an Geld hereinkommt“), Stadtführungen in Kelheim und Vorträgen.„Ich möchte weitergeben, dass die Leute auf ihr Herz hören sollen“, sagt der 38-Jährige. Das bedeute, Arbeit müsse Spaß machen. Das Leben brauche Leichtigkeit. „Auf meinen Reisen habe ich erlebt, wie wenig es braucht, um glücklich zu sein.“ Muss man deshalb um die Welt reisen? „Nein, aber es kann den Horizont erweitern.“

„Essen, Trinken, ein Dach überm Kopf, Freundschaften, sinnvolle Arbeit. Und was den meisten Menschen bei uns fehlt – Zeit.“

Daniel Kesic, Lebenskünstler

„Bei uns ist so vieles gleichgeschaltet“, meint Daniel Kesic. Die Lebensentwürfe seien uniform – Arbeit, Familie, Haus. „Was brauchen wir wirklich? Essen, Trinken, ein Dach überm Kopf, Freundschaften, sinnvolle Arbeit. Und was den meisten Menschen bei uns fehlt – Zeit.“ Der 38-Jährige betont, dass das alles, auch die monatelangen Reisen, nicht daran scheitern müssten, dass man eine Familie hat. Er beteuert: „Ich habe Menschen erlebt, die jahrelang mit ihren Kindern unterwegs sind.“ Sie hätten ihre schulpflichtigen Kinder selbst unterrichtet.

DaKesi auf Reisen Foto: Kesic
DaKesi auf Reisen Foto: Kesic

Aber auch das braucht Geld. Gibt es dafür ein Minimum? „Ich kann keine Grenze nennen. Ich lebe mit wenig Geld und kenne Leute, die leben ohne Geld“, sagt DaKesi. Einige Tipps verrät er: „Es gibt Tauschringe, man kann sich Unterkunft gegen Mithilfe im Haushalt verdienen und miteinander teilen. Es gibt viele Leute, auch Weltenbummler, die haben ein bisschen Kapital auf die Seite gepackt.“ Manche würden auch mit Währungen jonglieren. Andere würden ihre Reisen dadurch finanzieren, dass sie vorübergehend in fremden Ländern in ihren erlernten berufen, z.B. als Handwerker, arbeiteten. Hilfreich sei es in jedem Fall, über die eigenen Ansprüche nachzudenken.

Geld schafft keine Gesundheit

Die Philosophie, die dahinter steckt, fasst der 38-Jährige in einem Satz zusammen: „Die Frage ist doch, wo das alles hingehen soll. Geld ist wichtig, es gibt Freiheit, es gibt Unabhängigkeit. Ich kann mir dafür Medikamente kaufen, aber keine Gesundheit.“ Es könnte vieles anders laufen auf der Welt, ist Daniel Kesic überzeugt. Man könne auf Plastiktüten beim Einkauf verzichten und auf lokale Produkte statt Fastfood setzen. Man solle nicht mehr zu allem Ja und Amen sagen. Dass das nicht einfach ist, weiß Daniel Kesic.

„Ich weiß auch manchmal nicht, was richtig ist. Vielleicht sollten wir lernen, auf unser Herz zu hören.“

Daniel Kesic, Lebenskünstler

„Ich weiß auch manchmal nicht, was richtig ist. Vielleicht sollten wir lernen, auf unser Herz zu hören. Wenn wir so viele Informationen haben, dass wir nicht wissen, was richtig ist, dann ist es wichtig, nach dem Gefühl zu gehen.“

„Das Leben ist doch relativ kurz“, meint der 38-Jährige schließlich, der sich nicht als Pessimist sieht. „Wir brauchen nicht noch mehr Autos, sondern welche, die mit ein, zwei Litern Benzin oder ganz ohne Benzin auskommen. In diese Richtung sollten wir schauen.“ Und 5G, das neue Datennetz? Daniel Kesic winkt ab. „Was wir brauchen, ist mehr Zeit.“

Hier haben wir noch fünf Spar-Tipps gesammelt:

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