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Freitag, 21. September 2018 28° 4

Frevel

Wer leitet schädliche Substanzen ein?

In Bad Abbacher Kläranlage wird zum dritten Mal in kurzer Zeit der Klärprozess gestört. Die Umwelt leidet und es kostet Geld.
Von Gabi Hueber-Lutz

Klärwärter Andreas Fiedler beim Nachklärbecken, in dem man die Störung deutlich sieht. Fotos: Hueber-Lutz
Klärwärter Andreas Fiedler beim Nachklärbecken, in dem man die Störung deutlich sieht. Fotos: Hueber-Lutz

Bad Abbach.Klärwärter Andreas Fiedler steht am Nachklärbecken in der Bad Abbacher Kläranlage auf der Freizeitinsel. Normalerweise sieht man bis auf einen Meter oder gar 1,50 Meter Tiefe, sagt er. Im Moment sind es maximal 40 Zentimeter. Das Klärwerk kämpft mit einem Umweltfrevel, der den Prozess der Abwasserreinigung drastisch verschlechtert. Irgendwo im Einzugsgebiet wird oder wurde eine chemische Substanz eingeleitet, die dazu führt, dass der Stickstoffabbau nicht mehr ordnungsgemäß funktioniert. Diese Substanz tötet die sogenannten Nitrifikanten. Das sind Bakterien, die zum Abbau von Ammonium und Nitrit benötigt werden.

Bereits drei Vorfälle

Ende Mai wurde das erste Mal eine Hemmung der Abwasserreinigung beobachtet, Mitte Juni erneut und gerade am letzten Wochenende wieder, wie Bürgermeister Ludwig Wachs unserer Zeitung sagte. In Bad Abbach schrillen deswegen die Alarmglocken. Eine kleine Menge störender Substanzen würde die Anlage verkraften. Aber die gegenwärtigen Einleitungen führen zum Kollaps der Nitrifikanten. Sie können sich nicht mehr regenerieren.

„Normalerweise erholt sich die Bakteriengemeinschaft von selber wieder, aber wir haben Substanzen im Abwasser, die das verhindern“, erläutert Fiedler. In solchen Fällen ist eine sogenannte Animpfung mit Fremdschlamm einer anderen Kläranlage notwendig. Dieser Impfschlamm enthält die benötigten Bakterien in gesunder Form. Durch die Verunreinigung leidet nicht nur die Umwelt, das geht auch ins Geld.

Noch vor dem dritten derartigen Vorfall, hat die Verunreinigung bereits 10 000 Euro gekostet. Geld, das letztlich alle Angeschlossenen mit ihren Abwassergebühren mit bezahlen müssen. Nach der Einleitung am Wochenende wurde nun zum zweiten Mal Impfschlamm von der Kelheimer Kläranlage angeliefert.

Die Kläranlage war Pilotprojekt

  • Verfahren:

    Ohne Zusatz von Sauerstoff wird methanhaltiges Faulgas aus dem Klärschlamm gewonnen und dadurch Wärme und Strom erzeugt.

  • Vorteil

    : Knapp zwei Drittel ihres Strombedarfs kann die Bad Abbacher Anlage damit selber produzieren.

  • Ökobilanz:

    Durch dieses Verfahren werden rund 128 Tonnen Kohlendioxid im Jahr eingespart.

  • Wirtschaftlichkeit:

    Für Orte mit 8 000 bis 15 000 Einwohnern hatte sich dieses Verfahren bis zum Start des Pilotprojekts finanziell nicht rentiert.

  • Entwicklung:

    Im Rahmen des Pilotprojektes wurde die Fermenter- oder Biogastechnologie den Anforderungen an eine kommunale Kläranlage angepasst, so dass diese Technik preisgünstig realisiert werden konnte. Im Faulturm wird nun unter Luftabschluss Faulgas produziert. (lhl)

Das Landratsamt, das Wasserwirtschaftsamt und externe Fachleute sind bereits eingeschaltet. Nun wird systematisch verfolgt und eingegrenzt was hier eingeleitet wurde. Noch liegen keine konkreten Ergebnisse vor. Andreas Fiedler kann bislang nur Mutmaßungen anstellen: Desinfektionsmittel, das irgendwo in einem Schwimmbad übrig blieb, Pflanzenschutzmittel aus Gartenbau oder Landwirtschaft, oder Reinigungsmittel? Die genaue Ursache kennt man noch nicht. Sehr wohl aber die Auswirkung. Fiedler deutet auf das Nachklärbecken: „Da sieht man schnell, dass die Abwasserreinigung nicht mehr optimal läuft.“ Das gereinigte Abwasser ist trübe, auf der Oberfläche schwimmen kleine Schlammflocken. Normalerweise ist das nicht der Fall. Dem Betriebspersonal tut das in der Seele weh: „Wir sind dafür da, dass wir das Wasser so sauber wie möglich ableiten“, beschreibt der Klärwärter das Ziel ihrer Arbeit. Im Moment kann die Anlage ihre Ablaufwerte nicht mehr einhalten, weil sie ihre üblicherweise hohen Reinigungsziele nicht mehr erreicht. Jede Kläranlage zahlt eine gewisse Summe für die Einleitung von geklärtem Wasser in ein Oberflächengewässer. In Bad Abbach ist dies die Donau. Je sauberer eingeleitete Abwasser ist, desto weniger zahlt eine Kommune. Zum Beispiel erfüllt die Bad Abbacher Kläranlage normalerweise problemlos ihren Grenzwert von 40 Milligramm pro Liter für organische Substanzen. Im Moment liegt der Wert jedoch bei 50 bis 60 Milligramm pro Liter.

Hält dieser Zustand länger an, wird langfristig eine erhöhte Abwasserabgabe erhoben. Noch wichtiger sind jedoch die aktuell erhöhten Nitritkonzentrationen, für die aus Gründen des Gewässerschutzes äußerst niedrige Grenzwerte gelten. Fiedler legt aber Wert darauf zu betonen, dass sich auch die momentanen Werte noch innerhalb aller erlaubter Grenzen bewegen.

Bitte um Mithilfe

Bürgermeister Wachs hofft, dass der oder die Verursacher durch die Untersuchungen ausfindig gemacht werden können, wendet sich aber auch an die Bevölkerung: „Wir bitten um sachdienliche Hinweise, falls jemand etwas bemerkt hat.“ Die Bad Abbacher Kläranlage war ein Pilotprojekt des Freistaats Bayern. Vom Umweltcluster Bayern wurde sie als Leuchtturmprojekt ausgezeichnet. Sie arbeitet mit der umweltschonenden Technik der anaeroben Klärschlammbehandlung und der Faulgasverstromung. Das Land förderte den Bau mit 50 Prozent der Kosten. Große Kläranlagen arbeiteten zu diesem Zeitpunkt schon lange mit dieser umweltschonenden Technik, mit deren Hilfe aus Faulgas letztlich Strom und Wärme erzeugt wird.

Die Bad Abbacher Kläranlage war die erste in Bayern, bei der dieses Verfahren auch für Kommunen mit wenigen Einwohnern angewendet wurde. Aufgrund des Pilotprojektcharakters wurde der Betrieb der Anlage mehrere Jahre technisch-wissenschaftlich begleitet. Diese Begleitung ist zwar mittlerweile ausgelaufen, aber in der gegenwärtigen Situation ist die Gemeinde in enger Verbindung mit den Fachleuten und Wissenschaftlern.

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