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Protest

Widerstand gegen Bio-Hühnermast wächst

Im Biburger Ortsteil Dürnhart hat sich jetzt eine Bürgerinitiative gegründet. Das ist das Ziel: Der landwirtschaftliche Betrieb solle aussiedeln.
Von Wolfgang Abeltshauser, MZ

Viele Dürnharter wollen sich wehren. Im Hintergrund ist die große Halle des Mastbetreibers zu sehen. Foto: eab

Biburg. Viele Biburger Bürger wollen dagegen ankämpfen, dass die im Ortsteil Dürnhart angesiedelte Bio-Hühnermast erweitert wird. Vor wenigen Tagen hat sich deshalb eine Bürgerinitiative (BI) gegründet. Der Widerstand wächst. „In zwei Tagen hatten wir 106 Mitglieder“, freut sich Michaela Moser. Sie gehört zur achtköpfigen Sprechergruppe der BI. Wobei der Unterstützerkreis wohl noch größer ist. Edo Marinitsch schätzt ihn auf etwa 150. Denn es gebe Häuser, da habe eben nur das Familienoberhaupt als Mitglied unterschrieben. Außerdem seien Menschen außerhalb von Dürnhart bisher kaum gefragt worden mitzumachen. Es könnten also noch mehr werden.

Von der Wucht überrascht

Donnerstagabend hat sich nun erstmals eine vielköpfige Protestgruppe vor dem Anwesen des Betreibers Hermann Bäuml zusammengefunden. Er räumte gegenüber der MZ ein, dass ihn die Wucht des Protests schon überrascht habe. Die Initiatoren der BI haben sich laut Georg Roßbauer schon länger zusammengefunden. Als nach der jüngsten Gemeinderatssitzung am 8. Juli klar war, dass es rechtlich wohl kaum Möglichkeiten gebe, die Erweiterung zu verhindern, war der Entschluss, sich zusammenzuschließen, nach seinen Worten rasch gefallen.

Die Bürgerinitiative heißt offiziell „BI Wohnenswertes Leben im Dorf“. Denn um genau das gehe es: Dürnhart habe sich zu einer Wohnsiedlung entwickelt, landwirtschaftliche Betriebe gebe es kaum noch. Da passe laut Roßbauer und Ludwig Fleischmann eine große Hühnermast einfach nicht hinein. Letztendlich fürchten die Gegner nicht nur um ihre Lebensqualität. Die Anlage könnte der Grund sein, dass ihre Grundstücke an Wert verlieren.

Wobei die BI mit sich reden lassen würde: So formuliert Roßbauer das Minimalziel: „Wir wollen zumindest, dass die Anlage bei 2400 Tieren bleibt und nicht vergrößert wird.“ Diese Zahl hatte Bäuml im Gemeinderat genannt, als er vor vier Jahren den ersten Bauantrag für den Betrieb gestellt hatte. Jetzt sind 7200 Tiere beantragt. Ein von Gemeinde und Landkreis verlangtes Gutachten dazu liegt wie berichtet vor.

Demnach sei die Vergrößerung möglich, notwendige Grenzwerte würden eingehalten. Allerdings nur mit einer ausgetüftelten Belüftungsanlage. Da kommen bei der BI Zweifel auf, ob das alles von der Aufsichtsbehörde – dem Landratsamt – auch kontrolliert werde. Eigentlich wollen sie aber etwas ganz anderes erreichen: Die Mast solle außerhalb des Dorfes angesiedelt werden. Seinerzeit sei dem Betreiber ja auch ein Grundstück dafür seitens der Kommune angeboten worden. Bäuml habe jedoch abgelehnt.

Es gibt weitere Geruchsquellen

Die BI-Mitglieder fürchten vor allem Belästigung durch Gestank und Lärm. Die Situation sei, dass es manchmal nicht möglich sei, sich auf die Terrasse zu setzen, weil es stinke. Von der MZ dazu befragt, bezweifelt Bäuml, dass die Gerüche allein von seinem Hof kommen. So gebe es noch einen Landwirt, der Schweine hält. Außerdem verweist er auf die unweit gelegene Biogasanlage. Trotzdem stellt die BI die Frage, ob es sich Bäuml und sein Partner Bioland – der Verband für organisch biologischen Landbau – es sich leisten könnten, ein ganzes Dorf gegen sich zu haben.

Roßbauer, Moser und ihre Mitstreiter sind guter Dinge, etwas erreichen zu können. Sie verweisen auf die Bürgerinitiative gegen Fluglärm. Durch deren Aktionen sei letztendlich ja auch etwas erreicht worden.

Wobei sie aber nicht von vornherein auf Konfrontation aus sind. Ganz im Gegenteil: „Wir wollen mit Herrn Bäuml ein Gespräch führen“, kündigt Georg Roßbauer an. Von der MZ darauf angesprochen zeigt der sich auch bereit dazu. Er und Josef Wetzstein, der geschäftsführende Landesvorsitzende von Bioland, gehen sogar noch weiter. „Wir wären bereit, eine Infoveranstaltung für die Bürger von Dürnhart durchzuführen“, betont Wetzstein. Auch eine Besichtigungsfahrt zu einem vergleichbaren Betrieb wäre möglich.

Suche nach Mitstreitern

Mal schauen, was kommen wird. Die BI-Mitglieder planen auf alle Fälle ihrerseits weitere Aktionen. Konkretes gebe es zum jetzigen Stand aber noch nicht zu berichten. Fest steht, dass sie weitere Mitstreiter suchen wollen, sagt Ludwig Fleischmann. Im Internet will er Gruppen aus anderen Orten ausfindig machen, die mit ähnlichen Problemen kämpfen. Georg Roßbauer, einer der Sprecher der Dürnharter Bürgerinitiative (BI), zweifelte im Gespräch mit der MZ an, dass auf Hermann Bäumls Betrieb wirklich Biovorgaben erfüllt sind. Einmal ging es darum, dass Bäuml ja bestimmte Flächen an Ackerland brauche, um das von Bioland geforderte Futter zu erzeugen. Bäuml und der Vertreter von Bioland, Josef Wetzstein, erläuterten, wie das geschieht: So habe Bäuml in der Region Landwirte als Kooperationspartner. Die bauen Getreide nach den Vorgaben an und liefern sie in spezielle Betriebe, die das Futter herstellen. Von dort bezieht Bäuml es. Er wiederum liefert Hühnermist als Dünger an die besagten Landwirte.

Im von Bäuml vorgelegten Gutachten zur Erweiterung wird davon gesprochen, dass von 22 bis 6 Uhr keine Transporte von Hühnern stattfinden werden. Schon in der Ratssitzung vom 8. Juli wurden Stimmen laut, die feststellten, Bio-Hühner würden doch immer in der Nacht abgeholt, weil dies stressfreier sei. Wetzstein stellt klar: „Das ist keine Auflage von Bioland.“ Es sei eine Forderung der Tierschützer. Bäuml selbst ist nach eigenen Worten gar nicht daran interessiert, mitten in der Nacht zu arbeiten. In diesem Punkt könne er sich mit den Bürgern sicher einigen.

Bäuml wird vonseiten der BI vorgeworfen, vor vier Jahren im Gemeinderat nicht die Wahrheit gesagt zu haben. Dort hat er gesagt, er plane keine Erweiterung des auf 2400 Tieren ausgelegten Betriebs. Er betont gegenüber der MZ, dass dies auch so gewesen sei. Allerdings sei sein Plan gewesen, Teile seiner Mehrzweckhalle zu vermieten. Da dies nicht gelang, gebe es jetzt eine neue Situation.

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