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Bombodrom

„Wir machen das Ding zu“

Vertreter von Bundesregierung und Luftwaffe bestätigen: Das Bombodrom Siegenburg schließt „allerspätestens“ Ende 2013. Eine Nachnutzung zeichnet sich ab.
Von Martina Hutzler, MZ

Der Übungsbetrieb im Bombodrom Siegenburg wird bis Ende 2013 eingestellt. Luftbild: Dr. Satzl

KELHEIM.. „Kurz gesagt: Wir machen das Ding zu.“ Das „Ding“ ist der Bombenabwurfplatz Siegenburg. Und dass seine militärische Nutzung „allerspätestens Ende 2013“ zu Ende ist, bestätigte Christian Schmidt, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium, am Mittwoch offiziell in Kelheim. Beim „Runden Tisch“ im Landratsamt zum Bombodrom zeichnete sich auch klar ab, dass künftig vorrangig die Natur das Sagen haben soll auf dem rund 2,6 Quadratkilometer großen Gelände; der Weg dorthin dürfte indes arbeits- und verhandlungsintensiv werden. In erster Linie wird es darum gehen, ob und wie Altlasten zu beseitigen sind und zu welchen Konditionen der Bund, vertreten durch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), das Areal in kommunale Hand gibt. Eine Arbeitsgruppe soll derlei Fragen möglichst bis Jahresende klären.

Staatssekretär Schmidt erläuterte, dass die US-Air Force bis Ende 2013 ihre A10-Flugzeuge, für die sie Siegenburg-Range nutzt, abziehen will. Diese Entscheidung müsse noch den umfangreichen Behördenapparat der US-Regierung passieren – aber das unter starkem Sparzwang stehende Militär habe Siegenburg schlicht nicht mehr im Budget, zerstreute Bundes-Luftwaffeninspekteur Karl Müllner auf pragmatischem Weg die Sorge vor einem Rückzug vom Rückzug. Die Bundes-Luftwaffe als „Mitnutzer“ des Areals verzichtet laut Müllner bereits jetzt aufs Bombodrom: Mit ihrer Umstrukturierung und Verkleinerung sowie durch verstärkten Einsatz von Präzisionsmunition habe sich der Übungsbedarf von 4100 auf 2400 Übungsflüge reduziert. Dadurch sei auch gewährleistet, dass Siegenburgs Schließung keine Zusatzbelastung bedeute für Anwohner anderer in- und ausländischer Luft-Boden-Schießplätze. Christian Schmidt bekräftigte, dass für Siegenburg auch keine sonstige militärische Nutzung geplant sei.

„Sandheide dauerhaft sichern“

Was stattdessen folgen sollte, signalisierte Dr. Christian Barth, Amtschef im bayerischen Umweltministerium: „Wir haben in Siegenburg die Chance, den größten waldfreien Sandheide-Komplex Niederbayerns dauerhaft zu sichern“. Angesichts seltener Tiere und Pflanzen wie Heidelerche und Sibirischer Schwertlilie „wäre eine Ausweisung als Naturschutzgebiet nur konsequent“; später dann sei eine Übertragung des Eigentums zum Beispiel auf die Deutsche Bundesstiftung Umwelt ratsam, so Barth. Zuvor müsse man aber etwaige Altlasten beseitigen, damit zum Beispiel Pflegearbeiten gefahrlos möglich sind. „Mit Altlasten müssen wir rechnen“, warnte er. Wolfdietrich M. Rading, Vorsitzender der Bürgerinitiative gegen den Fluglärm, erinnerte, es gebe die Sorge, dass die US-Air Force am Gelände uranhaltige US-Munition eingesetzt haben könnte, sowie Hinweise, dass die Waffen-SS dort zu Kriegsende Notvergrabungen getätigt hat. Siegenburgs Bürgermeister Franz Kiermaier wusste von früherer Altöl- und Müll-Entsorgung auf dem Areal.

Dazu sagte BImA-Hauptstellenleiter Heinz Walker, dass bisherige Untersuchungen keinen Altlastenverdacht ergeben hätten. Sobald man das Gelände von den Amerikanern zurückbekommen habe – wohl drei bis sechs Monate nach Schließung – werde die BImA aber Archive auswerten und Zeitzeugen befragen zu etwaigen Altlasten. Danach gebe es bei Bedarf eine Sondierungsuntersuchung. BImA-Verkaufsleiterin Monika Maucher erklärte, Kommunen oder Gebietskörperschaften hätten bei aufgelösten Militär-Liegenschaften eine Art „Vorkaufsrecht“. Siegenburg gehöre aber nicht zu den Flächen, die kostenlos ins nationale Naturerbe übertragen werden. Der Verkaufswert würde schon fällig, und der sei selbst bei Naturschutzflächen nicht gleich Null.

Abschiedsfeier geplant

Um die Fragen zu Altlastensanierung, Eigentumsübertragung und Nachfolgenutzung zu klären, soll eine Arbeitsgruppe mit allen beteiligten Stellen eingerichtet werden. Diese Anregung des gastgebenden Landrat Dr. Hubert Faltermeier fand allseits Zustimmung; Marcus Mittmeyer von der bayerischen Staatskanzlei empfahl, den dafür an der Bezirksregierung eigens installierten Ansprechpartner hinzuzuziehen. Faltermeiers Freude über die „österliche Frohbotschaft“ teilten die Landtagsabgeordneten Martin Neumeyer, Johanna Werner-Muggendorfer und Dr. Andreas Fischer: Man wisse um die militärische Sicherheit, die BRD- und US-Armee gewährleisteten, aber die Belastung der Siegenburger Bevölkerung sei einfach zu hoch gewesen, so der Tenor, der auch bei den Bundestagsabgeordneten Dr. Wolfgang Götzer, Dr. Thomas Gambke und Inge Höger Zustimmung fand. Beifall auch bei den Bürgermeistern der Bombodrom-Anliegergemeinden und bei der BI fand der Vorschlag, die Militär-Ära Siegenburg zum Jahresende „stilvoll“ mit einer Feier vor Ort enden zu lassen. (hu)

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