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Finale

Wirtsleute stellen die Stühle hoch

Der Dantscher in Teugn sperrt zu. Eine Zukunft als klassisches Dorfwirtshaus ist ungewiss – aber die Dantschers hoffen.
Von Gabi Hueber-Lutz

Rupert Dantscher und seine Frau haben die Stühle hochgestellt in der Traditionswirtschaft. Foto: Hueber-Lutz
Rupert Dantscher und seine Frau haben die Stühle hochgestellt in der Traditionswirtschaft. Foto: Hueber-Lutz

Teugn. Teugn. Still ist es im großen Gastraum beim Dantscher. Die Stühle sind auf die langen Tische gekippt, die Uhr ist stehengeblieben. Das Wirtshaus ist geschlossen. Wäre das ein Film, dann käme jetzt die Rückblende auf die Zeiten, als sich beim Dantscher in der Wirtsstube noch das dörfliche Leben abspielte: mit den Stammtischen, den Vereinen, den Festen. Vielleicht kommen diese Zeiten ja einmal wieder, aber da ist noch gar nichts geplant, erzählen Ingrid und Rupert Dantscher.

Rupert Dantscher und seine Frau haben die Stühle hochgestellt in der Traditionswirtschaft. Foto: Hueber-Lutz
Rupert Dantscher und seine Frau haben die Stühle hochgestellt in der Traditionswirtschaft. Foto: Hueber-Lutz

Interessenten gibt es, aber das will sehr gut überlegt sein. Schon einmal fand sich kein geeigneter Pächter. 1999 war das und das Ehepaar Dantscher übernahm die Wirtschaft provisorisch selber. Das Provisorium hatte 18 Jahre lang Bestand. „Es war eine schöne Zeit, aber einmal muss es sein“, hat das Ehepaar jetzt entschieden. Sie gehen in den Teil-Ruhestand.

Auch ohne die Wirtschaft ist nämlich noch genug Arbeit da: in Haus und Hof, und im Getränkemarkt, den Rupert Dantscher, der Berti, nach wie vor betreibt. Die Leute haben es verstanden, dass sie mit der Gastwirtschaft aufgehört haben, ist Ingrid Dantscher froh und denkt an die schönen Zeiten mit den Stammgästen. Lange vor dem Craft Beer Trend gab es hier die selbstgebrauten Spezialbiere. Auf die Schaumkrone legte der Berti immer großen Wert, denn das Auge trinkt mit. Die Fangemeinde wurde immer größer und sie war so bunt und vielfältig, wie ein bayerischer Wirt sie sich nur wünschen kann.

Ungewöhnlicher Nachweis

  • Genaue Daten zur Eröffnung gibt es nicht, aber so etwas wie eine erste urkundliche Erwähnung: Das Regensburger Tagblatt erwähnt am 10.10. 1875 einen „ehemaligen Teugner Wirt“:

  • Vorfall:

    „Kürzlich fuhr der Wirth von Teugn, bei Abbach, im schärfsten Trabe durch die Eichhornstraße, was den dort stationierten Thorwart sowie einen Polizeidiener veranlaßte, den Mann anzuhalten und ihm zuzurufen, dass er das Tempo seiner Pferde mäßige.“ Doch der Wirt schlug „den Polizeidiener zweimal mit der Peitsche über den Kopf und rannte den Thorwart über den Haufen.“

  • Folge:

    Das Stadtgericht verurteilte den rabiaten Gastronom zu drei Monaten Gefängnis und Strafzahlungen. (lhl)

Die Leute blieben auch, als Rupert Dantscher 2007 das Brauen aufhörte. An den Stammtischen tauschten sie sich über Dorfneuigkeiten aus, über das Wetter und über den Stand der Feldarbeiten. Auch die Golfer vom nahegelegenen Golfclub kamen regelmäßig auf eine kühle Halbe. Aus Verbundenheit mit dem Wirtshaus haben sie ihm sogar ein Turnier gewidmet, den Dantscher Cup. Beim Dantscher gründeten sich die Teugonia, der Bayern Fanclub, der Skiclub, die Bayernpartei und die Junge Union.

Ingrid Dantscher nickt: Politiker waren oft da. „Den Neumeyer, den weiß ich schon ewig hier“. Als Landrat ließ es sich besagter Martin Neumeyer nicht nehmen, ein Abschiedsgeschenk zubringen. Genauso der Bürgermeister: „Da bricht ein Stück Tradition weg“, bedauert Manfred Jackermeier.. Wenn die Gemeinde etwas tun könne, um einen Nachfolger zu finden, dann sei sie natürlich gerne behilflich.

Die Bayernpartei veranstaltete zum Abschied noch ein Spanferkelessen und übergab den Erlös der Lebenshilfe in Kelheim. „Diese typische, bayerische Wirtschaft wird uns fehlen. Wir hoffen auf einen würdigen Nachfolger“, sagte Vorsitzender Fritz Zirngibl.

Mit ihrem „Aschermittwoch“ war die Bayernpartei ein Stammgast beim Dantscher. Foto: Bayernpartei
Mit ihrem „Aschermittwoch“ war die Bayernpartei ein Stammgast beim Dantscher. Foto: Bayernpartei

Politik war die eine Sache; beim Dantscher wurde aber auch einfach gut gefeiert. „Wir hatten schöne Feste“, schwärmen die Wirtsleute heute noch. Der Andrang war zum Teil so groß, dass man in den Hof oder die angrenzenden Räume ausweichen musste. Während sie erzählt, fällt Ingrid Dantscher der junge Klarinettenspieler ein, der zwischen den Stücken immer eingeschlafen ist. Kein Wunder: Die Gesellschaft wollte nicht heim, er musste in den frühen Morgenstunden immer noch spielen. Lange her…

Nicht nur Dantschers hoffen nun, dass sich eine Möglichkeit findet, dass auch die nächste Generation die Traditionen und Werte einer kleinen Dorfgaststätte kennenlernen darf.

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