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Vandalismus

Zerstörungswut entsetzt Gläubige

Für viele Abensberger ist die Waldkapelle ein besonderer Ort. Die gravierendsten Spuren der Verwüstung vom Freitag haben Ehrenamtliche inzwischen beseitigt.

  • Nur das Marienbild und sein Pendant gegenüber haben die Verwüstung überlebt. Die bunt verglasten Fenster wurden zerschlagen. Fotos: re/Hauke/Kuffer
  • Eingeschlagene Fensterscheiben, angekokelte Figurenhalterungen
  • Pfarrer Georg Birner (li.) und Praktikant Eldivar Pereira Coelho vor der Kapelle
  • Die Grotte ist mit einer neuen Marienfigur und Blumen geschmückt.
  • Künstlerin Karin Kuffers Tonfiguren wurden ebenfalls beschädigt.

Abensberg.Traurig, erschüttert, wütend sind zahlreiche Abensberger mit Blick auf die zerstörte Waldkapelle. Genau zehn Jahre nach dem Wiederaufbau haben vermutlich Jugendliche am Freitagnachmittag versucht, das kleine Bauwerk aus Holz in Brand zu stecken, meldete die Polizei. Vorplatz, Grotte und das Innere der Kapelle waren verwüstet worden (wir berichteten). Bislang gibt es laut Polizei Kelheim keine neuen Hinweise oder Erkenntnisse auf die Täter.

Kuffers Tonfiguren beschädigt

Im Waldgebiet im Nordosten Abensbergs haben indessen einige Abensberger, denen die Kapelle am Herzen liegt, die gröbsten Spuren der Zerstörung beseitigt. Eine Abensbergerin, die sich seit vielen Jahren, um die Waldkapelle kümmert, hat in der Grotte unter der Kapelle die zerstörte Marienfigur durch eine Leihgabe ersetzt. Kerzen und Blumen sind wieder aufgestellt. Die großen Tonfiguren von Karin Kuffer aus dem Innern der Kapelle wurden teils massiv beschädigt. Sie sind zurück bei der Künstlerin. Die will nach Auskunft ihre Mannes Hans Kuffer schauen, was noch zu retten ist, vor allem an Marien- und Johannesfigur. Letztere hat es am schlimmsten erwischt. Nur noch Kopf und ein Teil des Rumpfes sind übrig.

„Wäre in Brasilien nicht passiert“

Grotte und Kapelle liegen am Panoramaweg rund um die Stadt, mittwochs trifft sich regelmäßig eine Gruppe Frauen zum Rosenkranzgebet, die Pfarrei hält Maiandachten, Jugend-Rot-Kreuz, Kolpingsfamilie und Reiter treffen sich seit vielen Jahren hier zu ihrer Waldweihnacht. Viele private Spaziergänger und Radler steuern die Kapelle an. Für JRK-Waldweihnachtsinitiator Theo Rapp ist die Zerstörung eine „große Sauerei. Wir waren früher auch keine Heiligen, aber so etwas hätten wir nicht getan“, ärgert sich der Senior. Stadtpfarrer Georg Birner machte sich am Montag mit Praktikant Eldivar Pereira Coelho und der MZ ein Bild vor Ort. „Es tut mir im Herzen weh, wenn ich sehe, was hier passiert ist.“ Bereits am Freitagabend hatte Birner die Nachricht vom Vandalismus erreicht. Zwar habe es auch in den vergangenen Jahren immer wieder die ein oder andere Zerstörungsaktion gegeben, „diese Verwüstung ist allerdings der Gipfel“, findet Pfarrer Birner. Pfarrei-Praktikant Eldivar Pereira Coelho aus Brasilien ist seit wenigen Tagen im der Abensberger Pfarrei im Einsatz. Er findet die Tat einfach nur „traurig“. Zwar gebe es in seiner Heimat viel mehr Kriminalität als in Deutschland. Religiöse Übergriffe dieser Art seien jedoch ein Tabu in seiner Heimat. Die Achtung vor Kapellen etc. nehme hierzulande stark ab, beklagt Pfarrer Birner. Dass es sich um eine religiös motivierte Tat handelt, glaubt Pfarrer Birner nicht. Auch wenn über dem Türsturz ein Pentagramm aufgekritzelt worden ist.

Vor genau zehn Jahren war die Waldkapelle mit Hilfe des Berufsbildungswerks neu errichtet worden, nachdem im April 2000 der Vorgängerbau ein Opfer der Flammen geworden war. Die Kapelle an sich gibt es seit 1931. Sie geht auf den Abensberger Ludwig Fritz zurück. Der stadtbekannte Fotograf hatte Ende der 1920er-Jahre die alte Doline im „Stadtposchen“ entdeckt. So nennen die Älteren das Waldstück heute immer noch. Freiwillige errichteten Grotte und Kapelle. Seit dem Wiederaufbau ist der ehemalige „Schwarzbau“ mit Erlaubnis des private Grundstückseigentümers in Besitz der Stadt, so Peter Schmid vom Baumt. Wie es mit der Kapelle genau weitergeht, müsse man sehen, so Bürgermeister Dr. Uwe Brandl zur MZ. Ob die Kapelle „vandalensicher“ gemacht werde oder wieder mit Holz ausgebessert werde. (re)

Wer für die Grotte eine 60 bis 80 Zentimeter große Lourdes-Madonna hat, meldet sich im Abensberger Pfarramt unter Tel. (09443)1342.

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