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Jugendhilfe

Zu wenig Tagesmütter und hohe Kosten

Heimerziehung und Schulbegleiter kosten den Kreis Kelheim auch 2020 eine Stange Geld. Tageseltern verdienen dann etwas mehr.
Von Beate Weigert

Tagesmütter sind schwer gefragt, aber nicht leicht zu finden. Ab Januar 2020 sollen sie etwas mehr verdienen, das beschloss der Kreis-Jugendhilfeausschuss. Foto: Sebastian Kahnert/dpa
Tagesmütter sind schwer gefragt, aber nicht leicht zu finden. Ab Januar 2020 sollen sie etwas mehr verdienen, das beschloss der Kreis-Jugendhilfeausschuss. Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Kelheim.Tagesmütter und -väter sind schwer gefragt im Kreis Kelheim. Neue Engagierte nicht so leicht zu finden. Um langjährig Tätigen die Fortsetzung ihrer Arbeit ein wenig schmackhafter zu machen und Interessierte neu für diese Aufgabe zu gewinnen, hat der Kreis-Jugendhilfeausschuss zum 1. Januar 2020 eine Erhöhung der Tagespflegesätze beschlossen.

Ein Teil davon ist der Sachaufwand. Nach zehn Jahren wird dieser monatlich bei einer 40-Stunden-Betreuung pro Woche von 300 auf 320 Euro erhöht. Der Beitrag zur Anerkennung der Förderleistung bleibt - wie seit 2015 - bei 245 Euro. Zusätzlich wird ein differenzierter Qualifizierungszuschlag, der ans Tagespflegegeld geknüpft ist, gezahlt. Die Sätze, der bisher bestehenden Qualifizierungsstufen - je nach fachlicher Bildung der Tageseltern - wurden erhöht, eine dritte Qualifizierungsstufe wird neu eingeführt. Sie soll vor allem langjährig Tätige „belohnen“, sagte Bettina Reichertseder vom Kreis-Jugendamt.

Norbert Birnthaler leitet das Kelheimer Kreis-Jugendamt Foto: Weigert
Norbert Birnthaler leitet das Kelheimer Kreis-Jugendamt Foto: Weigert

Zum 1. Januar 2020 werden auch die Elternbeiträge erhöht. Die aktuellen gelten seit 2009. Je Buchungskategorie geht es dabei um 20 Euro mehr. Die Geschwister-Ermäßigung in Höhe von 50 Prozent ab dem zweiten Geschwisterkind bleibt erhalten.

Fast zehn Millionen Euro

Die Mitglieder des Kreis-Jugendhilfeausschusses warfen auch einen Blick auf den Haushaltsplanentwurf 2020. Der Nettoaufwand der Jugendhilfe liegt weiter auf hohem Niveau. Konkret sind 9,9 Millionen Euro (Ausgaben: 13,6 Millionen Euro; Einnahmen: 3,7 Millionen Euro) veranschlagt. Das sind 75000 Euro mehr als 2019. Grund für diese Erhöhung ist die ebenfalls in der Sitzung beschlossene Erhöhung der Tagespflege-Sätze (s. oben).

Diese Zuschüsse werden gewährt

  • Jugendstelle:

    Der Landkreis erhöht für das Jahr 2020 seinen Zuschuss für die Katholische Jugendstelle in Kelheim von bislang 2500 auf 3000 Euro.

  • Kreisjugendring:

    Der Kreisjugendring wird 2020 pauschal mit 120000 Euro vom Landkreis Kelheim unterstützt.

  • Freizeitbus:

    Der von allen Jugendorganisationen im Landkreis zu nutzende Freizeitbus des Kreisjugendrings ist in die Jahre gekommen. Er hat 245000 Kilometer auf dem Tacho. Ein neues Fahrzeug muss her. Zum Kauf eines neuen Neunsitzers gewährt der Landkreis einen Zuschuss von 5000 Euro. Der Rest soll aus Eigenkapital, Zuschüssen und Sponsorengeldern finanziert werden.

Bis August 2019 zeichneten sich keine Überschreitungen der Haushaltsansätze ab. Vorbehaltlich der Verabschiedung durch den Kreistag wurde der Haushaltsplanentwurf für 2020 einstimmig gebilligt. Zuvor stellte Kreis-Jugendamtsleiter Norbert Birnthaler die Entwicklungen der einzelnen Zuständigkeitsbereiche vor.

Die Aufgaben sind vielfältig. Vieles sind Pflichtaufgaben, so Landrat Martin Neumeyer. Sie reichen von Jugendsozialarbeit, der Förderung von Kindern in Tageseinrichtungen oder in der Tagespflege, Erziehungshilfen über Eingliederungshilfen für seelisch Behinderte - dazu zählen etwa Schulbegleiter und Integrationshelfer - bis hin zur Unterbringung und Erziehung in Heimen.

Die Unterstützung junger Menschen auf einem Weg in ein leichteres, besseres Leben kostet. Denn sie ist personal- und betreuungsintensiv. Doch die Verantwortlichen hoffen auch, dass frühe Investitionen fruchten und dadurch später womöglich noch höhere Kosten gar nicht erst entstehen.

2020 steht laut Birnthaler die nächste Stufe des Bundesteilhabe-Gesetzes an. Die Auswirkungen auf die Ausgaben seien jedoch aktuell schwer abzuschätzen.

Diese Bereiche kosten am meisten

Der kostenintensivsten Parts im Haushaltsplan 2020 sind Hilfen für seelisch Behinderte (4,4 Millionen Euro) und Heimunterbringung (3,2 Millionen Euro).

Laut Birnthaler registriere das Kreis-Jugendamt insbesondere in der Heimerziehung in den vergangenen zwei bis drei Jahren einen Zuwachs. Nur wenige Fälle machten sich mit großen Summen im Budget bemerkbar.

Viele Aufgaben des Kreis-Jugendamts, die sich im Kreishaushalt niederschlagen, sind Pflichtaufgaben, die der Staat vorgibt, betonte Landrat Martin Neumeyer. Foto: Arno Burgi/dpa
Viele Aufgaben des Kreis-Jugendamts, die sich im Kreishaushalt niederschlagen, sind Pflichtaufgaben, die der Staat vorgibt, betonte Landrat Martin Neumeyer. Foto: Arno Burgi/dpa

Zuletzt spielte auch die Betreuung und Unterbringung von unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlingen in den Bereich hinein. Aktuell fielen noch 38 junge Menschen in den Zuständigkeitsbereich. Tatsächlich anwesend seien laut Birnthaler 25, davon seien 18 minderjährig, acht volljährig. Im Jahr 2019 habe es bislang keine einzige Zuweisung eines unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlings gegeben, informierte der Jugendamtsleiter weiter.

Aber auch Zuschüsse für Institutionen aus dem Bereich entfallen auf das Kreis-Jugendamts-Budget. Dazu zählen etwa ein Zuschuss für die Schwangerenberatung Donum Vitae (43.000 Euro), für die Kelheimer Erziehungsberatungsstelle, bei der eine neue aufsuchende Beratung geplant ist (320.000 Euro) oder für die Jugendsozialarbeit bei der Carida Kelheim (32.000 Euro) oder die Jugendsozialarbeit an Schulen (140.000 Euro).

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