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Eine Stunde abtauchen in die Antike

Legionäre, Prätorianer, Gladiatoren – im Kastell Abusina war einiges geboten – wir zeigen das in einer Multimedia-Reportage.
von Benjamin Neumaier

Weit mehr als 100 Darsteller hauchen „Salve Abusina“ Leben ein – sie haben originalgetreue Rüstungen und Kleidung, kochen nach damaligen Rezepten und sprechen sogar meist Latein. Fotos: Neumaier
Weit mehr als 100 Darsteller hauchen „Salve Abusina“ Leben ein – sie haben originalgetreue Rüstungen und Kleidung, kochen nach damaligen Rezepten und sprechen sogar meist Latein. Fotos: Neumaier

Eining.Beim, nach Veranstalterangaben, größten Römerfest Bayerns – „Salve Abusina“ im Neustädter Ortsteil Eining – vermitteln weit über hundert Darsteller im Kohortenkastell Abusina tiefe und nahezu authentische Einblicke in die Antike. MZ-Redakteur Benjamin Neumaier zeigt innerhalb einer Stunde wie in der Antike musiziert wurde, wie ein (heutiger) Prätorianer tickt, wie die Römer Tiere jagten oder wie die „Superstars der Antike“ – die Gladiatoren – das Volk unterhielten.

14.04 Uhr: Ein Opfer für die Götter

Die Römer waren gläubige Menschen – und hatten viele Götter. Auch das Kastell in Eining – und die dortigen Legionäre – wurden geweiht, um die Götter gnädig zu stimmen. Die Gruppe Raetici Romani stellt diese Weihezeremonie nach und bittet um absolute Ruhe, denn nur ein falsches Wort konnte die Götter erzürnen – für die abergläubischen Römer gerade so nah am Feindesland ein schlechtes Omen. Und so bringen sie Jupiter, Minerva und Mars Öl, Brot und einen Apfel als Opfer dar, „und weil Soldaten gerne auch mal trinken, muss natürlich auch Bacchus, dem Gott des Weines, geopfert werden“, erklärt der Moderator. „Und dieses Opfer muss dann natürlich auch Wein sein...“

Die Weihezeremonie der Reatici Romani Video: Neumaier

14.09 Uhr: Es werde Licht

Das römische Imperium und seine bis in die heutige Zeit hinein bedeutenden Zeugnisse faszinieren Ramon Franco seit seiner Kindheit. Aufgewachsen in El Viso del Alcor (lat. Bastilippo) im Südwesten Andalusiens (Spanien), „waren und sind die dort heute noch reichlich vorhandenen Reste der römischen Epoche für mich eine stetige Quelle an Fragen, Inspiration und Faszination“. In Eining zeigte Franco, wie die Römer ihre Häuser erhellten mit Öllampen – „bei den Römern war das regelrechte Massenware“.

Franco stellt diese Öllampen her, aber nicht nur das: In seinem eigentlichen Beruf fertigt der studierte Archäologe Repliken für Museen oder Mosaike für Privatleute.

Ramon Franco stellt Öllampchen her. Video: Neumaier

14.16 Uhr: Dem Ruf des Kaisers gefolgt

Ruft oder fragt man in Eining nach Achim Schröder, wird man wohl niemanden finden. Denn der Bonner ist in diesen Tagen Titus Moranius Rana Anianus – und Mitglieder der Leibgarde des Kaisers, der Prätorianer. Seit nun 34 „Dienstjahren“ lebt er seinen Traum. „Ich wollte schon mit fünf Jahren Legionär werden – das habe ich dann mit 20 gemacht, mich hochgedient und bin nun dem Ruf des Kaisers gefolgt“, sagt er und verzieht keine Miene. „Seitdem bin ich Mitglied der Cohors I. Praetoria.“ In Eining bewache er einen Sprössling der kaiserlichen Familie – nun schon zum sechsten Mal. Dann muss er doch schmunzeln: „Ja, man muss schon ein bisschen verrückt sein, um das hier so durchzuziehen...“

Prätorianer beschützen die kaiserliche Familie. Video: Neumaier

14.24 Uhr: Ein bisschen Geschichte muss sein

Auch wenn für den MZ-Reporter keine Zeit für eine der angebotenen Führungen war, musste ein bisschen Information über Abusina sein. Auf dem rudimentär erhaltenen Wall des ehemaligen Kastells thront heute ein Modell der Grenzbefestigung – und hält einige Informationen bereit: Das Kastell Eining (lateinisch Abusina) war ein römisches Militärlager, dessen Besatzung für Sicherungs- und Überwachungsaufgaben am „nassen rätischen Limes“ zuständig war. Die Donau bildete dort in weiten Abschnitten die römische Reichsgrenze. Etwas nördlicher mündete zudem der Obergermanisch-Rätische Limes am westlichen Flussufer ein.

Abusina ist Bestandteil des zum Unesco-Weltkulturerbe erhobenen Rätischen Limes und eine der wenigen vollständig freigelegten und in ihren Grundmauern rekonstruierten Wehranlagen an diesem Grenzabschnitt.

Ein Modell des Kastells Abusina. Foto: Neumaier
Ein Modell des Kastells Abusina. Foto: Neumaier

14.31 Uhr: Michael – oder doch Publius?

Michael Baier alias Publius Aelius Martinus hat sich ganz dem verschrieben, wie die Römer ihre Taten für die Nachwelt festhielten. Der Augsburger „Hobby-Wissenschaftler“ ist Fan der römischen Schreibkultur, zeigt den Besuchern im Kastell Eining als „Scriptor“, wie die Römer kurze Notizen auf Wachstäfelchen anfertigten, wie sie Papyrus beschrieben oder auch auf Holztäfelchen Geschichten aufzeichneten. Dazu hat er sich den Populares Vindelicenses angeschlossen, einer Gruppe, die in Eining auch römische Wohnkultur, antike Heilkunde oder Lederverarbeitung darstellt.

Michael Baier – ein antiker „Scriptor“. Video: Neumaier

14.39 Uhr: Antiker Fallensteller

Stefan Nitzsche ist ein Venator, ein Jäger. Genauer gesagt ein Venator ex Mauretania Caesariensins – ein Jäger aus einer nordafrikanischen römischen Provinz. Eigentlich trägt er in dieser Rolle leichte Kleidung, „aber ich habe mir für das Wochenende Gott sei Dank meine römische Winterkleidung eingepackt“, sagte der studierte Archäologe – kurz bevor tatsächlich ein Schauer über Eining niederging.

Seine Vorführungen antiker Jagdtechniken mit Stellnetzen oder Schlingenfallen sowie verschiedener Jagdwaffen waren stets gut besucht. Und ob der teils glänzenden Augen der Besucher warnte Nitzsche vorsichtshalber: „In Deutschland ist übrigens keine dieser Techniken mehr erlaubt...“

Stefan Nitzsche baut antike Fallen nach. Video: Neumaier

14.45 Uhr: Unterhaltung für den Pöbel

Retiarius gegen Secutor, Murmillo gegen Thraex oder Hoplomachus gegen Gladiatrix – fallen diese Namen, dann geht es um Leben oder Tod. Jahrhunderte lang waren die Gladiatoren Teil des römischen Lebens – und noch vielmehr. Nach dem Grundsatz „panem et circenses“ („Brot und Spiele“), waren sie Teil der Strategie, den Pöbel mit Nahrung und Unterhaltung bei Laune zu halten. In Eining ging es zwar nicht um Leben und Tod, aber mitunter hart zur Sache. Die Gladiatoren der Familia Gladiatoria Pannonica schenkten sich nichts und die Zuschauer hielten mehr als einmal den Atem an. Am Ende ging alles gut. Naja, bis auf einmal, da forderte das Publikum den Tod eines Gladiators...

Die Familia Gladiatoria Pannonica zeigte, warum die Römer so gerne ins Kolosseum gingen. Video: Neumaier

15.04 Uhr: Musik zum Abschied

Die Kithara des Apollon, das Cornu von Pompeji und eine ägyptische Doppelflöte – Hagen Pätzold hat alle diese antiken Instrumente nachgebaut und beherrscht sie alle. Dazu begeisterte der studierte Musikpädagoge mit vielen weiteren Instrumenten und originale Musikstücken oder Fragmenten aus der Antike.

Auf dem Cornu – „dem einzigen antiken Blasinstrument, auf dem man eine Melodie spielen konnte“ – intonierte er den Hymnus an die Rachegöttin oder auch die „Göttin des gerechten Zorns“ Nemesis, komponiert von Mesomedes von Kreta im 2. Jahrhundert n. Chr. „Aber nicht, dass das jemand nun als falsches Signal auffasst“, sagte der Musiker und erntete viele Lacher. „Wir wollen doch alle friedlich bleiben...“

Hagen Pätzold spielte unter anderem auf der „Tuba von Orleans“. Video: Neumaier

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