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Eine Stunde beim Aufbau am Gillamoos

Es wuselt auf der Gillamooswiese: Fahrgeschäfte rollen an, Fieranten bauen auf, Festzelte werden dekoriert – wir waren dabei.
von Benjamin Neumaier

Am Mittwoch bauen traditionell die großen Fahrgeschäfte am Gillamoos auf. Dann ist die Festwiese übervoll und an allen Ecken und Enden wird gewerkelt. Fotos: Pieknik
Am Mittwoch bauen traditionell die großen Fahrgeschäfte am Gillamoos auf. Dann ist die Festwiese übervoll und an allen Ecken und Enden wird gewerkelt. Fotos: Pieknik

Abensberg.MZ-Redakteur Benjamin Neumaier hat sich zwischen all den Kränen, Buden Ständen und schwitzenden Arbeitern eine Stunde lang umgesehen und versucht anhand von acht Stationen die Vielfalt der Tätigkeiten auf der Gillamooswiese abzudecken.

10.39 Uhr: Heizung am Oidn Gillamoos

Die Biertischgarnituren am Oidn Gillamoos stapeln sich noch teils aufeinander, die Sonnenschirme sind noch nicht alle platziert und an allen Ecken und Enden wird gewerkelt. Peter Wankerl und Robert Jahny sind mittendrin. „Wir sind heuer schon relativ weit“, sagt Wankerl. „Wir machen das ja jetzt doch schon fünf Jahre, da spielt sich vieles ein.“ Dennoch gibt es immer Herausforderungen: Die Unterlagen für den Grill müssen gezimmert oder ein behelfsmäßiger Boden vor den Kühlcontainern verlegt werden. Gerade werden die Heizstrahler unter die Sonnenschirme montiert. „Am Gillamoos soll es ja nicht immer so schönes Wetter haben, wie heute beim Aufbau“, sagt Jahny.

Peter Wankerl und Robert Jahny sind die Festwirte am Oidn Gillamoos Video: Neumaier

11.02 Uhr: Eingespieltes Deko-Team

Vor dem Kuchlbauerzelt hantieren Lole Schaller, Martina Treitinger, Wolfgang Sollfrank und Andreas Knöfler mit Hopfenranken – seit mehr als zehn Jahren sind Schaller und Treitinger nun schon dabei. Sollfrank stieß vergangenes Jahr zum Team, Knöfler ist heuer Novize.

Das Deko-Team: Wolfgang Sollfrank, Lole Schaller, Andreas Knöfler und Martina Treitinger (v. l.) Foto: Pieknik
Das Deko-Team: Wolfgang Sollfrank, Lole Schaller, Andreas Knöfler und Martina Treitinger (v. l.) Foto: Pieknik

Doch es läuft alles glatt. „Das muss es auch“, sagt Schaller. „Wir haben ein straffes Programm. Am Mittwoch dekorieren wir den Kuchlbauer-Biergarten, am Donnerstag den Eingang vom Jungbräu, am Freitag den Festwagen der Brauerei und das Marterl vom Kuchlbauer“, sagt Schaller. „Davor haben wir die Kränze für den Eingang zum Festzelt gemacht. Es ist schon Tradition und macht uns Jahr für Jahr Spaß.“

Lole Schaller vom Kuchlbauer-Deko-TeamVideo: Neumaier

11.11 Uhr: 110 Tonnen Stahl bewegen

Der Mittwoch ist traditionell der Hauptaufbautag für die Fahrgeschäfte –die großteils vom Barthelmarkt übersiedeln. Der meiste Trubel herrschte an der Wilden Maus, die heuer zwischen Hofbräu- und Kuchlbauerzelt aufgebaut wird. Mittendrin Peter Münch jun., Juniorchef der Schaustellerfamilie Münch, der aus der Krankabine den Aufbau überwachte. Anweisungen musste er nicht groß geben, „denn der Aufbau hat bei uns Routine, da sitzt jeder Handgriff – wir machen das seit 24 Jahren“. 110 Tonnen Stahl bewegen der Kran und zehn Arbeiter, die kreuz und quer durch das Stück für Stück wachsende Gerüst kraxeln. Einen Tag braucht die Truppe, um die Wilde Maus aufzubauen – plus einen Tag Anreise.

Die Wilde Maus wird aufgebaut. Video: Neumaier

11.21 Uhr: „Meinem Opa waren Pferde zu langweilig“

Auch dort, wo sich am Samstag sie lokale Prominenz zum Benefiz-Kameltreiben trifft, wird gearbeitet. Edmund Carlo Endres steht auf der Theke seines „Camel Derby“ und bestückt es mit Preisen. „Das ist eigentlich schon der größte Teil am Aufbau, sonst haben wir im Vergleich mit anderen Schaustellern wenig zu tun“, sagt er. Der Landshuter ist quasi mit dem Camel Derby aufgewachsen, hat es mit 18 Jahren von seinem Opa übernommen. Zwei Camel Derbys hat die Schaustellerfamilie, das in Abensberg ist das älteste, das beid er Herstellerfirma gebaut wurde – vor 30 Jahren. „Und das erste, das es mit Kamelen gab“, sagt Endres. „Vorher waren es immer Pferde, aber das war meinem Opa zu langweilig.“ Langweilig wird es Edmund Endres selbst aber nie: „Es ist immer was los, man trifft viele nette Leute. Ich bin in den Beruf hineingeboren und könnte mir nichts Schöneres vorstellen.

Carlo Endres vom Camel Derby Video: Neumaier

11.26 Uhr: 9000 Preise einräumen

Seit 50 Jahren etwa steht der Losstand des TSV Abensberg schon auf der Gillamooswiese, gehört schon zum festen Inventar. „Anfangs war der TSV mit einem gemieteten Stand hier, dann wurde vor 40 Jahren der Losstand von TSV-Mitgliedern gezimmert“, sagt der 2. Vorsitzende des TSV, Michael Meinzer. Er bestückt gerade mit drei Damen als Gehilfen den Losstand – mit insgesamt knapp 9000 kleinen oder größeren Preisen. Wenn es nach ihm geht, dann könnten ruhig alle rausgehen: „Aber seit ein paar Jahren geht die Freude am Losen scheinbar etwas zurück. Leider.“

Der TSV-Losstand wird eingeräumt. Video: Neumaier

11.33 Uhr: Mit Herzblut und Handy

Konrad Ettengrubers häufigste Tätigkeit am Gillamoos? Telefonieren. „Das Handy klingelt ständig. Irgendwer braucht immer irgendwas und meistens soll es schnell gehen“, sagt er. Seit zwei Jahren ist Konrad Ettengruber offiziell einer der drei Marktmeister, aber schon seit 2009 voll mit dabei. „Ich kam damals zum Gillamoos, wie die Jungfrau zum Kind. Ein Kollege fiel kurzfristig aus, ich bin eingesprungen – und dann gleich fest dabeigeblieben.“ Ettengruber sei grundsätzlich ein „Volksfesttyp“ und beim Gillamoos „natürlich mit viel Herzblut dabei.“ Das brauche er auch, „denn stressig ist es schon“, sagt er. Gleich danach klingelt sein Handy. „Was Wichtiges“, sagt er und verabschiedet sich.

Marktmeister Konrad Ettengruber Video: Neumaier

11.41 Uhr: In ständiger Bereitschaft

Seit sieben Jahren versorgt Martin Oberndorfer den Gillamoos mit Strom – oder kümmert sich vielmehr darum, dass der Strom auch überall dort ankommt, wo er ankommen soll. Gerade inspiziert er eine von drei Trafostationen. „Größere Probleme gab es bisher noch nicht. Mal zwickt hier was, mal da, aber wir haben es eigentlich immer gut im Griff“, sagt der Offenstettener. Für Party bleibt für ihn am Gillamoos aber kaum noch Zeit: „Ich bin in ständiger Bereitschaft. Gedankenlos wegzugehen, das ist einfach nicht drin. Mit Strom ist nicht zu spaßen“, sagt er. „Dennoch macht mir die Arbeit hier viel Spaß, besonders, wenn ich dann sehe, das alles rund läuft.“

Elektriker Martin OberndorferVideo: Neumaier

11.47 Uhr: Den Gillamoos stilllegen

Franz Karl hat ein unscheinbares graues Kästchen unter dem Arm – das es allerdings in sich hat. „Es ist eine von 13 Stationen mit denen wir alle Lautsprecheranlagen und Boxen am Gillamoos im Griff haben“, sagt der Geschäftsführer der Event Experten aus Kelheim. „Wir können von einer zentralen Station aus den Gillamoos quasi stillegen, alle Musik ab- und unser Mikrofon draufschalten.“ Das mache aber nicht er, sondern liege in der Verantwortlichkeit der Stadt und Feuerwehr. „Es ist Teil des neuen Sicherheitskonzepts und soll nur bei absoluten Notfällen zum Einsatz kommen, deshalb hoffe ich auch, dass wir es gar nicht brauchen.“ Nach dem Gillamoos kommt die Technik dann auch auf dem Oktoberfest zum Einsatz.

Franz Karl von den Event-Experten Video: Neumaier

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