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Eine Stunde im Hundertwasserturm

Benjamin Neumaier hat den Turm erkundet und die Menschen, die er in einer Stunde getroffen hat, in aller Kürze porträtiert.
von Benjamin Neumaier

Der Hundertwasserturm in Abensberg ist eine der Attraktionen im Landkreis Kelheim Foto: Archiv-Weigert
Der Hundertwasserturm in Abensberg ist eine der Attraktionen im Landkreis Kelheim Foto: Archiv-Weigert

Abensberg.Der Hundertwasserturm in Abensberg, wie er im Volksmund heißt, zieht Jahr für Jahr Hundertausende Besucher in die Babonenstadt und den Landkreis Kelheim. Doch wer sind die Menschen, die da tagtäglich in Scharen den Turm hochkrabbeln? Unser Redakteur Benjamin Neumaier hat sich eine Stunde Zeit genommen, den Turm und die Brauerei Kuchlbauer erkundet und die Menschen, die er in dieser Zeit getroffen hat, in aller Kürze porträtiert.

11.23 Uhr: Wie alt sind unsere Kinder?

Wer auf den Hundertwasserturm in Abensberg steigen will, der muss zuallererst an ihr vorbei: Marion Bauer. Seit viereinhalb Jahren steht sie an der Kasse im Foyer der Brauerei Kuchlbauer, kassiert, druckt die Tickets aus – und hat dabei schon so allerhand erlebt. „Es gibt immer wieder Überraschungen. Da gibt es den Reiseleiter, der nicht weiß, wie viele Leute er eigentlich im Bus hat oder den Familienvater, der noch schnell bei seiner Gattin nachfragen muss, wie alt die Kinder nun denn eigentlich seien“, sagt sie.

Bis zu 1000 Gästen drückt sie pro Tag am Wochenende eine Karte in die Hand – und das immer mit einem überzeugenden und ehrlichen Lächeln auf dem Gesicht.

01 - 1-Stunde Hundertwasserturm Marion Bauer

11.27 Uhr: Schon das fünfte Mal hier

Anatoliy Yurovsky ist ein Hundertwasserturm-Dauergast. Bereits zum fünften Mal ist der Nürnberger in Abensberg zu Gast – und das innerhalb nicht einmal eines Jahres. „Voriges Jahr im August war ich das erste Mal hier – und begeistert. Diese Idee, die Kunst von Friedensreich Hundertwasser mit dem bayerischen Bier zu verbinden, gefällt mir sehr gut.“ Scheinbar so gut, dass er gar nicht genug davon bekommen kann - denn der fünfte Besuch soll wohl nicht der letzte gewesen sein: „Immer wenn wir bekannte zu Besuch haben, fahren wir hierher und zeigen Ihnen den Hundertwasserturm und die Brauerei“, sagt Yurovsky. „Mittlerweile kann ich die Führungen schon selbst leiten“.

02 - 1 Stunde Hundertwasserturm Anatoliy Yurovsky

11.32 Uhr: Es wurde jetzt mal Zeit

Michael Pettke ist mit einer Reisegruppe aus München zum Hundertwasserturm gereist. „Es wurde jetzt mal Zeit“, sagt er. „Wir sind so nah dran, haben immer nur darüber gesprochen. Nun sind wir endlich da – da und begeistert.“

Die Mitglieder seiner Gruppe sind alle Mitglieder des Vereins „Eigene Scholle e. V.“, der in Münchner Stadtteil Giesing seit den 1920er Jahren in Eigenregie Einfamilienhäuser baute. Die Truppe ist besonders von den architektonischen Besonderheiten des Turms angetan wer weiß, hätte es den Turm in den 1920er Jahren gegeben, vielleicht hätten sie auch ihre Häuser in Giesing ähnlich gebaut...

Für Pettke und Co. ging es danach noch weiter Richtung Weltenburg und Kelheim.

04 - 1-Stunde Hundertwasserturm Michael Pettke

11.36 Uhr: Der schönste Arbeitsplatz der Welt

Hans Peter Rickinger ist Betriebsleiter der Brauerei Kuchlbauer und damit einer der Hauptverantwortlichen, dass pro Jahr 500 000 Besucher (etwa 300 000 kommen alleine zum Weihnachtsmarkt) nach Abensberg pilgern. Man könnte meinen, das sei ein stressiger Job, doch Rickinger sieht das anders: „Ich habe den schönsten Arbeitsplatz der Welt. Es ist jeden tag wieder eine Freude, hier zu arbeiten, die Kusnt zu bewundern und viele Leute zu treffen.“

Meist hält sich Rickinger im KunstHaus auf, dreht aber auch immer wieder Mal eine Runde über das Gelände, sieht nach dem Rechten und hat dabei zahlreiche Aufgaben. So auch an diesem Samstag. „Das Drehkreuz am Turm macht Probleme“, sagt er. Da es sich nicht gleich wieder drehen wollte, hat er es kurzerhand ausgehängt. Und gleich die Gelegenheit beim Schopf gepackt: „Ich war schon lange nicht mehr ganz oben...“

03 - 1-Stunde Hundertwasserturm Hans Peter Ricking

11.44 Uhr: Panoramablick und Judo-Sorgen

Die Feuerwehrler aus Oberboihingen staunen nicht schlecht, als sie die Turmkuppel erreichen: „Unglaublich – ein gigantischer Blick“, sagt Uli Stumpp und geht von einem der zehn Bullaugen zum andern.

Seit 6 Uhr morgens sind die Feuerwehrler aus der Nähe von Esslingen in Baden-Württemberg unterwegs und wissen zu berichten, „dass es in Abensberg neben Kunst und Bier noch etwas anderes Bewundernswertes gibt – den Judo-Rekordmeister. „Esslingen ist in der Bundesliga Zweiter hinter Abensberg – aber ihr werdet wohl wieder das Rennen machen.“

Hier finden Sie ein 360-Grad-Video vom Reportereinsatz am Hundertwasserturm:

11.55 Uhr: Ciao Bella!

Als Seby Bella die Kuppel des Hundertwasserturms betritt, hat er nicht nur 176 Stufen hinter sich, sondern schon mehr als 1700 Kilometer Anreise – Bella kommt aus Catania auf Sizilien. Er ist aber nicht wegen des Hundertwasserturms in Bayern, sondern der Liebe wegen. Nach Abensberg hat in seine Freundin Sabine Schmid aus Aichach gebracht. „Ich mache mit Seby Kulturtouren in Bayern – und da darf der Hundertwasserturm nicht fehlen“, sagt die gebürtige Ingolstädterin.

Als die beiden hören, dass man in der Kuppel des Turmes standesamtlich heiraten kann, schaut Seby seiner Sabine tief in die Augen – aber nein, einen Antrag hat er ihr so spontan dann doch nicht gemacht.

06 - 1-Stunde Hundertwasserturm Sabine Schmid + Se

12.12 Uhr: Omar steht in der Küche

Omar Mbaye hat den Hundertwasserturm zum ersten Mal 2016 gesehen. „Als ich davorstand, habe ich einfach nur gestaunt“, sagt er. Dass er irgendwann Teil der Turm-Crew werden würde, habe er sich damals nicht vorstellen können, sagt der gebürtige Senegalese. Jetzt arbeitet er in der Küche im Biergarten am Fuße des Turms. „Ein super Job“, sagt er. 2013 war er mit seiner Familie nach Deutschland gekommen, lebte bis September in München, zog dann nach Hausen und arbeitet seit Oktober am Hundertwasserturm.

„Das ist schon was Besonderes, hier zu arbeiten. Es ist schön, wenn man die Touristen beobachten kann, wie sie – wie ich damals – vor dem Turm stehen und staunen.“

07 - 1-Stunde Hundertwasserturm Omar Mbaye

12.21 Uhr: Mane Franz ist Dauergast

Mane Franz ist der Mensch, der den Hundertwasserturm wohl mit am öftesten gesehen hat – wohlgemerkt von unten. Denn der Abensberger ist Teil des Kuchlbauerstammtischs, der seit etwa vier Jahren im Biergarten am Turm Stellung bezogen hat. „Es ist einfach schön hier“, sagt er und lässt, wie um es sich selbst noch mal zu beweisen, seinen Blick schweifen. „Ich komme fast jeden Tag, um mit meinen Kumpels Karten zu spielen. Schafkopf. Mit der Kurzn. Und um Touristen zu beobachten – man sieht ja hier jeden Tag andere Leute. Da wird es nicht langweilig.“

An diesem Samstag sitzt Mane Franz noch alleine am Tisch und harrt seiner Kameraden. „Ich bin meist ein bisserl früher dran – da dann hab ich noch eine Stund‘ meine Ruhe.“

08 - 1-Stunde Hundertwasserturm Mane Franz

Weitere Teile der Serie „Eine Stunde im Landkreis“ finden Sie in Kürze hier

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