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Politik

Alle wissen’s – ein jeder am besten

Traditionell waren alle Parteien vertreten – zumindest in der Stadt. Und es ging hoch her, auch wenn in diesem Jahr mehr „Laufkundschaft“ kam.
Von Walter Dennstedt

  • Die Freien Wähler bauten eine Maut-Schranke auf. Foto: Neumaier
  • Die FDP Fotos: Dennstedt
  • Die Bayernpartei

Abensberg.„Habt‘s Ihr an Strohhalm im Weißbier drinnat?“ Selten hat man im Tonfall eines Politiker, nämlich von Dr. Toni Hofreiter, so viel Angst rausgehört. „Nein, des is fürs Alkoholfreie“, beruhigt ihn die Bedienung. Das nämlich hat sich im Weinstadl, dem traditionellen Versammlungsort der Grünen, Bundestagsabgeordneter Dr. Thomas Gambke bestellt. Hofreiter Toni ist beruhigt.

33 Minuten Ministerrede

Beruhigt, so könnte man euphemistisch auch das beschreiben, was sein Widerredner bei der CSU, Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt über ihn sagt: „Wenn der Hofreiter im Plenum spricht, dann geht selbst die Hanfpflanze vom Cem Özdemir ein“. Freilich, auch der Herr Mautminister hat einen Negativrekord am Gillamoos aufgestellt: Nur 33 Minuten dauerte seine Rede, die Sache mit der Maut kam da fast gar nicht vor. Obwohl sie doch überall Thema war.

Geraunt wurde im CSU-Zelt, dass der Dobrindt einen Maulkorb sowohl von der Kanzlerin als auch von seinem Parteivorsitzendem, dem Horst Seehofer, bekommen hat. Und deshalb sprach er über das Bayernland im Allgemeinen, die Bundesrepublik im Besonderen, über die einzigartige Rolle Bayerns im Bund und über das Wahren von Werten.

Tja, das mit den Werten, das hatte auch Kabarettist Wolfgang Krebs im Ottenbräuzelt auf der Agenda: Als Horst Seehofer räsonierte er darüber, dass der Strafvollzug in Bayern doch human sei, aber wenn man als verurteilter Dreifachmörder mit der Christine Haderthauer zu Abend essen müsse ...

Was dem Krebs recht war, war dem Hubert Aiwanger von den Freien Wählern billig: Er mutmaßte gar, dass der Horst und die Christine wohl zu lange zusammen in einer Gartenlaube gesessen sein. Warum wohl sonst habe Seehofer der Haderthauer so lange die Stange gehalten?

Maut und Werte waren auch Thema, bei Thorsten Schäfer-Gümbel. Zwar war der SPD-Politiker eher passend zum Pfatterg’wand am Vorabend gekleidet, aber er verstand es, das Zelt, das für SPD-Verhältnisse dann doch gut gefüllt war, in seinen Bann zu ziehen. Bei der Maut kritisierte er, dass das Konzept von Minister Dobrindt völlig unausgegoren sei. Zwar habe man im Koalitionsvertrag zugestimmt, aber halt nicht so. Und auch Hofreiter hat sich dann in Sachen Maut noch ein bisserl warmgeredet, wobei er ja nicht unbedingt ein Bierzeltredner von Gottes Gnaden ist. Aber egal, er sprach ja im Weinstadel...

Da war der Hubert Aiwanger, der „Mann fürs Grobe“, wie ihn Vorrednerin, Europaabgeordnete Ulrike Müller denn bezeichnet hatte, schon eher in seinem Element. Denn die Freien Wähler hatten vor der Ankunft Dobrindts am Stanglmeier-Parkplatz eine Mautschranke aufgebaut. Freilich, als Dobrindt im schweren BMW angerollt kam, war die Schranke schon wieder weg.

Nur ein Minister...

Überhaupt die Maut, das Thema hätte schon interessiert, aber dann, so debattierten zwei g’standne Niederbayern vorm Kuchlbauerzelt, dann überlegt man sich halt schon, ob man „nur einen Minister“ hören will, oder doch den Seehofer. „Oder der Stoiber. Das war ein Redner“, schwärmte der andere.
Nun Stoiber war zumindest als Parodie von Wolfgang Krebs wieder vor Ort. Und angesichts der jüngsten Geschehnisse in der bayerischen Landespolitik hätte Krebs sein Programm wohl tagesfüllend machen können. Noch ein Bonmot: Früher haben die Minister ihre Frauen beschäftigt, nun beschäftigte eine Ministerin ihren Mann.

Das Auto eingesetzt

Apropos, CSU-Größen waren auch mit dabei: Bernd Siebler zum Beispiel, der Kultusstaatssekretär und Stimmkreisabgeordneter Florian Oßner. Und logisch waren von allen Parteien die Lokalmatadore und solche, die sich dafür halten, mit von der Partie.

So auch bei der FDP, die in der Musikwerkstatt Generalsekretärin Nicola Beer aufgeboten hatte. Dr. Heinz Kroiss legte Wert auf die Feststellung, dass die FDP noch da sei und auch wiederkommen werde. Da verwette er sein Auto, sogar sein neues, wie er auf Nachfrage von Dr. Fischer versicherte. Und er erinnerte daran, dass er seine erste Gillamoos-Veranstaltung bei einem FDP-Ergebnis von 1,7 Prozent gehalten habe.

Da war bei der Bayernpartei am Stadtplatz im Gasthof zum Kuchlbauer ein bisschen mehr los. Florian Weber, der Parteivorsitzende war gekommen. Niederbayern-Chef Fritz Zirngibl, kritisierte die Massentierhaltung wie in Irnsing geplant. Er empfahl dem „Saubauern“ eine Auswanderung nach Afrika. Dort könne er Heuschrecken züchten Kreis-und Stadtrat Reinhard Listl kritisierte das ständig fortschreitende Euro-Chaos. Hubert Dorn, das bayerische Urgestein und Generalsekretär der Bayernpartei verglich die CSU mit einem schnurrenden, zahnlosen Kätzchen.

Die Hoar...

Dr. Uwe Brandl spielte übrigens in der Früh bei den Grünen auf: Als Klarinettist der „Häuslratzn“ sorgte er im Vorprogramm für den richtigen Ton und hatte auch ein ganz grünes Leiberl an. Freilich, hinten war‘s pechschwarz.

Da hatte der MdL Martin Neumeyer sich schon formeller in Schale geworfen, auch wenn Dr. Brandl ihm noch kurz vor der Ankunft des CSU-Ministers die Krawatte zurechtrücken musste und dabei flachste, dass er nicht zugezogen habe ...

Viele Besucher schlenderten dieses Jahr von Zelt zu Zelt; das vollste war das mit Wolfgang Krebs, das Ottenbräu-Zelt. Und einer der Politik-Wanderer, der vorm Weinstadel das Bild des Anton Hofreiter sah, sagte: „Mei, ich dadat den ja wähl’n, wenn er sich bloß die Hoar schneiden lassen würd“.

Dazwischen sah man starke Polizeikräfte und bei den wichtigsten Rednern, also CSU und SPD, waren auch Personenschützer vor Ort.

Extern, 100 Metern vor der Festwiese an der Münchner Straße, standen die Linken. Und ein Pirat twitterte: Wer lässt mich um 10 Uhr auf die Bühne. Antwort hat er wohl nicht bekommen.

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