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AsiaKäfer hat Folgen für die Gartler

Der Fund des Asia-Laubholz-Bockkäfers im Kelheimer Hafen zeigt jetzt erste Folgen für Grundstücksbesitzer ringsum.

Strauchschnitt über einem Zentimeter Durchmesser darf in der Quarantänezone nicht mehr via Biotonne entsorgt werden.
Strauchschnitt über einem Zentimeter Durchmesser darf in der Quarantänezone nicht mehr via Biotonne entsorgt werden. Foto: dpa

Kelheim. Weil im Kelheimer Hafen der gefährliche Holzschädling „Asiatischer Laubholzbock-Käfer“ (ALB) gefunden wurde, gelten in 2,1 Kilometern Radius („Quarantänezone“) rund um den Fundort jetzt besondere Vorschriften zum Umgang mit Laubgehölz. Welche das sind und wie sie in der Praxis umgesetzt werden erklärt die Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) bei einer Infoveranstaltung am Mittwoch, 27. Juli. Sie beginnt um 19 Uhr im Weissen Bräuhaus. Dazu sind alle betroffenen Bürger der Stadt Kelheim und der Gemeinde Saal eingeladen. Die LfL-Experten stellen dabei die Bekämpfungsmaßnahmen vor und erklären die Regelungen der so genannten Allgemeinverfügung und ihrer Auswirkungen für Grundstücksbesitzer sowie die Möglichkeiten der Nachpflanzung.

Für Wald- und Gartenbesitzer

  • Wer ist betroffen

    Die 100-Meter-Befallszone im Hafen plus ein Umkreis von weiteren 2000 Metern Radius wird „Quarantänezone“ (Q-Zone) in Sachen Asiatischer Laubholz-Bockkäfer (ALB). Dazu ergeht in zwei bis drei Wochen eine rechtsverbindliche „Allgemeinverfügung“ samt exakter Zonierungs-Karte. Mit der Karte sollte sich jeder Grundstücksbesitzer informieren, ob sein Areal in der Zone liegt. Wenn ja, sollte man sich mit der Liste derjenigen Laubbäume vertraut machen, die der ALB besiedelt: insgesamt 29 Gattungen. 16 davon sind besonders kritisch: Darin kann sich hierzulande der ALB vom Ei über die Larve (Foto) bis zum Käfer komplett entwickeln. Pflanzung, Schnitt und Fällung solcher Bäume und Sträucher ist in den nächsten mindestens vier Jahren großen Einschränkungen unterworfen.

  • Was gilt für Privatleute

    Sie sind verpflichtet, alle zwei Monate alle Bäume der 29 Gattungen auf Befallssymptome zu kontrollieren, etwa die Ausbohrlöcher. Werden Symptome oder gar Käfer gefunden, ist dies umgehend den Behörden (LfL fürs Offenland; AELF Abensberg für Wälder) zu melden; der Baum wird dann sofort gefällt und entsorgt. Die Q-Zone würde dann entsprechend erweitert.

  • Sämtliche Arbeiten an Bäumen der 16 Wirtsgattungen – auch wenn sie kerngesund wirken – muss man ein bis zwei Wochen vorab bei LfL/AELF anmelden: Sie schicken einen Hundeführer vorbei, der das Gehölz vor Beginn der Arbeiten untersucht. Das gilt schon, wenn man nur einen Strauch zurückschneidet (bei Geäst über einem Zentimeter Durchmesser), bis hin zu Fällungen. Das Pflanzen von Bäumen der 29 Gattungen muss bei LfL/AELF angezeigt werden.

  • Was ist verboten

    Für den Transport von Pflanzen und Holz/Verpackungsmaterial der 16 Wirtsgattungen innerhalb der Q-Zone und aus dieser Zone hinaus gelten extrem strenge Auflagen (Anzeigepflicht, Pflanzenpass, komplett verhüllte Pflanzen bzw. thermische Holzbehandlung). In der Praxis ist der Transport also de facto unmöglich. Das betrifft den Gartler, der ein Bäumchen verpflanzen will, genauso wie den Waldbesitzer, der Brennholz aus dem Wald zu sich oder zu Kunden transportieren will.

  • Ausgenommen vom Transportverbot ist der reine Transit – z.B. ein Holzlaster, der die Q-Zone quert. Außerdem darf man Schnittgut zum eigens ausgewiesenen Sammelplatz bringen, wo es gehäckselt und entsorgt wird. Alternativ kann man selbst häckseln und das Material direkt an Ort und Stelle endlagern.

  • Was die Behörden tun

    LfL und AELF werden mindestens vier Jahre lang in der Q-Zone (vor allem in der Fokus-Zone), regelmäßig die Laubbäume kontrollieren. Dazu dürfen sie laut Verfügung auch Gärten und Privatgrund betreten; Besitzer/Nutzer sind verpflichtet, notwendige Auskünfte zu erteilen. Bei Verstößen gegen die Allgemeinverfügung – die sofort bei Inkrafttreten vollziehbar ist – drohen Geldbußen bis zu 50 000 Euro; wer behördliche Anordnungen nicht umsetzt, muss mit Zwangsgeld oder Ersatzvornahme rechnen.

  • Die Gemeinden Kelheim und Saal müssen einen oder mehrere Sammelplätze für Schnittgut ausweisen, die Mitarbeiter dort schulen und die fachgerechte Entsorgung des Materials – Häckseln und Verbrennen im Stadtwerke-Kraftwerk – organisieren. Federführend ist die Stadt Kelheim. (hu)

Eine dieser Auswirkungen betrifft das Wertstoffzentrum Kelheim: Darauf weist die Abfallwirtschaft am Landratsamt Kelheim in einer Mitteilung hin. Es befindet sich noch im Randbereich der Quarantänezone. Bis auf weiteres gilt dort, dass Strauchschnitt aus Privathaushalten, die im Quarantänebereich liegen, dort angeliefert werden; dieser wird dort dann vor dem Abtransport behandelt. Nicht dort angeliefert werden darf derzeit aber Strauchschnitt von außerhalb der Quarantänezone: Dieser ist zu einem anderen Wertstoffhof/-zentrum zu bringen. Außerdem darf innerhalb der Quarantänezone kein Strauchschnitt mehr über die Biotonne entsorgt werden, der mehr als einen Zentimeter Durchmesser hat.

Unterdessen teilt die LfL weiter mit, dass jetzt die Fällungen im Hafengebiet zur Bekämpfung des asiatischen Käfers abgeschlossen sind; außerdem wurden im 500-Meter-Umkreis um die ALB-Befallsbäume rund 35 Pheromonfallen zur Suche nach etwaigen weiteren Käfern aufgehängt.

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