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„Asiatischer Ärger“ im Wertstoffhof

Der Laubholzbockkäfer verhält sich ruhig, die Entsorgungsvorgaben sorgen aber für dicke Luft. Ein Mitarbeiter hat gekündigt.
von Benjamin Neumaier

Der Mitarbeiter des Wertstoffhofs, der das Schnittgut kontrolliert, hat schon gekündigt – er bekommt die Wut der Menschen ab.
Der Mitarbeiter des Wertstoffhofs, der das Schnittgut kontrolliert, hat schon gekündigt – er bekommt die Wut der Menschen ab. Foto: Neumaier

Kelheim.Der Eindringling aus China macht Kelheim und Saal weiter zu schaffen: Der Asiatische Laubholzbockkäfer. Die Bekämpfung des im April im Hafen Kelheim-Saal entdeckten Schädlings ist großflächig angelegt und läuft gut – für Ärger sorgt der Laubbaum-Schreck aber im Wertstoffzentrum Kelheim/Saal.

In der offiziellen Abgabestelle für Gehölzschnittgut, hat sich das Klima verschlechtert, sagt Leiter Stefan Skowronski: „Wir müssen die Gehölzschnitte sortieren – nach Dicke – und außerdem kompostierfähiges Material davon trennen. Das sind die offiziellen Vorgaben, die wir an unsere Kunden weitergeben.“ Und die reagieren nicht immer mit Verständnis. „Die meisten Leute mosern, sie haben von den Vorschriften noch nichts mitbekommen, kennen den Laubholzbockkäfer gar nicht. Viele sind zwar einsichtig aber es sind doch einige Unbelehrbare dabei –der Tonfall wird dann oft härter“, sagt Skowronski.

250 Anlieferungen täglich

250 Anlieferer von Gehölzschnitt kämen aktuell täglich zum Wertstoffzentrum – und es werden stetig mehr. Im Wertstoffzentrum wurde darum eine zusätzliche Stelle geschaffen – ein Arbeiter kümmert sich seit Kurzem nur um die Sortierung und Überwachung des angelieferten Gehölzschnittes. In zwei Wochen müsse man diesen Posten bereits wieder neu besetzten, „denn er hat aber schon wieder gekündigt“, sagt Skowronski. „Kein Wunder, bei dem, was er sich alles anhören muss.“ Sprüche wie „Was soll der Scheiß“, „Den Krampf kannst jemand erzählen, den‘s interessiert“ oder „Dann werfe ich mein Zeug halt in den Wald“ sind an der Tagesordnung – und durchaus noch freundlich. Am Mittwoch hat Skowronski Flyer von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL)geliefert bekommen und hofft, „dass wir dadurch die Leute besser informieren können und sie in Zukunft anders reagieren.“

Denn die Vorgaben gelten noch knapp vier Jahre. So lange muss der Laubholzbock nach EU-Vorgaben bekämpft werden, um ihn sicher auszurotten. Als der Eindringling Anfang April im Hafen Kelheim-Saal entdeckt wurde, waren sich wohl die wenigsten bewusst, welche Lawine an Maßnahmen der Fund nach sich ziehen würde: Fällung von Bäumen im Umkreis von 100 Metern, aufwendiges Monitoring, Entsorgungsvorgaben – und das in einer Quarantänezone 2100 Meter rund um den Fundort.

Der Laubholzbock muss vier Jahre bekämpft werden.
Der Laubholzbock muss vier Jahre bekämpft werden. Foto: dpa

Das Monitoring – die systematische Suche nach Befall oder Befallsspuren durch die LfL und das Amt für Ernährung Landwirtschaft und Forsten (AELF) läuft auf Hochtouren. Das AELF hat dabei den Wald in und rund um die Quarantänezone im Blick. Entlang der Winzerer Höhen sind 20 Pheromonfallen aufgestellt und seit dem 1. Oktober hat das Amt drei Hilfskräfte eingestellt, die wöchentlich das komplette Gebiet außerhalb des sogenannten Fokusbereichs – 500 Meter rund um den Fundort – begehen und nach Spuren des Käfers absuchen, sagt Forstrat Alexander Hönig.

Für den Fokusbereich ist das LfL zuständig, setzt dort 40 Pheromonfallen ein – in denen analog zum AELF bei zwei Leerungen nichts gefunden wurde – und kontrolliert mittels zwei hauptamtlichen Mitarbeitern mit Spürhunden sowie aktuell zwei und bald vier Hilfskräften den Bereich. „Dazu untersuchen Baumkletterer vordringlich die Lieblingsbäume des Schädlings: Weiden, Ahorn, Birken und Rosskastanien“, sagt Ambros Köppl von der LfL. „Das werden wir über den Winter intensivieren, weil die Bäume dann keine Blätter mehr haben und leichter zu untersuchen sind.“

Zudem ruft Köppl die Bürger auf „selbst nach Anzeichen des Käfers wie Bohrmehl oder Löchern in Bäumen zu schauen und sich an die Vorschriften zu halten. Das heißt vor allem, sein Schnittgut an den speziellen Sammelstellen abzugeben und keinesfalls im Wald zu entsorgen.“ Dass das passiere, könne man nicht ausschließen, „in Neubiberg bei München hat es aber zu eine neuen Befall und einer Verlängerung der Quarantäne geführt“, sagt Köppl.

Es drohen drastische Strafen

Dass nun mehr Schnittgut im Wald lande, das hat Ottmar Kürzl von der Waldbauernvereinigung Kelheim-Thaldorf und Kelheimer Stadtförster noch nicht bemerkt: „Das passiert immer wieder, ist nichts Neues. Allerdings sollte man es sich in der aktuellen Situation genau überlegen.“ Nicht nur wegen der Umweltgefährdung, es drohen auch drastische Strafen. Bei den Waldbauern sei die Situation rund um den Käfer aber „schon in den Köpfen angekommen“, sagt Kürzl. „Es kommen zumindest viele Anfragen, was nun zu tun ist.“

Eine Maßnahme ist, das Holz zu häckseln – mit dem Häcksler des WBV. Denn der zerkleinert die Stückchen auf eine Maximalgröße von 2,5 Zentimetern, wie von der EU vorgeschrieben. Eine andere Möglichkeit für gewerbliche Zwecke ist die Verbringung zur Abfall- und Rohstoffwirtschaft Bartsch. Dort lagerten bis vor Kurzem bereits zwischen 80 und 90 Kubikmeter von Laubholz aus der Quarantänezone. „Wir machen aktuell die ersten Gehversuche, die erste Schredderaktion“, sagt Betreiber Michael Späth, der Material dann zum Biomasse-Heizkraftwerk bringt. „Das ist noch keine pralle Masse, aber die wird über den Winter gewiss ansteigen“, sagt er.

Der Ansturm an Entsorgungsmaterial wird auch im Wertstoffzentrum steigen, mutmaßt Stefan Skowronski – dann mit einer neuen Arbeitskraft, „die dann hoffentlich freundlicher behandelt wird.“

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Vorgaben zur Entsorgung

  • Grundsatz:

    Das in den ALB-Quarantänezonen bei Pflegemaßnahmen anfallende Laubholz-Schnittgut ist grundsätzlich unter amtlicher Aufsicht zu entsorgen, die LfL genehmigt diese Entsorgungswege. Separate Sammlungen sind dabei genauso möglich wie zugelassene Sammelstellen. Falls im Einzelfall eine anderweitige Verwendung oder Nutzung des Laubholzes angestrebt wird, ist ein Verbringen innerhalb und aus dem abgegrenzten Gebiet (Quarantänezone) hinaus nur mit einem amtlichen Pflanzenpass möglich. Dieser ist bei der LfL mindestens vier Wochen vorher zu beantragen.

  • Meldepflicht von Gehölzschnitt und Fällungen:

    Privater sowie gewerblicher Gehölzschnitt und das Fällen von Laubbäumen bzw. -gehölzen ist bei der LfL meldepflichtig (mindestens 14 Tage vor der Durchführung). Das geschnittene Material sollte vor der Entsorgung von der LfL auf möglichen ALB-Befall kontrolliert werden. Die Abgabe von Laubholz-Schnittgut an zugelassene Sammelstellen innerhalb der Quarantänezone ist von der Meldepflicht ausgenommen, da dieser Entsorgungsweg laufend amtlich kontrolliert wird.

  • Schnittgut-Entsorgung – Astdurchmesser, Kontrolle:

    Schnittgut mit einem Astdurchmesser kleiner 1 cm, Laub und Rasenschnitt können, wie bisher, im gemeindlichen Grüngutcontainer entsorgt werden. Schnittgut von Laubgehölzen ab einem Astdurchmesser von 1 cm, der innerhalb der Quarantänezone anfällt, ist in haushaltsübliche Mengen bei den amtlich zugelassenen Sammelstellen abzugeben. Dabei erfolgt die Sammlung getrennt nach Befalls- und Pufferzone, um das Risiko zu reduzieren. Das von der LfL vor Ort kontrollierte Schnittgut können Sie entweder auf Ihrem Grundstück als Brennholz belassen (und nur in Ihrer eigenen Holzfeuerstätte auf dem Grundstück verbrennen) oder vor Ort häckseln und in Ihrem Garten zum Mulchen Ihrer Beete verwenden. Brennholz darf nur verkauft oder verschenkt werden, wenn es den Auflagen des Verbringens der Allgemeinverfügung entspricht. Dazu muss von der LfL ein amtlicher Pflanzenpass ausgestellt werden.

  • Gewerbliches Schnittgut:

    Gewerblich anfallendes Schnittgut ist vor Ort zu häckseln und, in einem geschlossenen Behälter (mindestens mit einer Plane abgedeckt), zu amtlich zugelassenen Verbrennungsstätten zu transportieren. Der dortige Wiegeschein ist als Entsorgungsnachweis unverzüglich an die LfL zu senden. Die gesonderte und kontrollierte Entsorgung von gehäckseltem Ast-, Baum- und Strauchschnitt von Laubholz aus der Quarantänezone ist unverzichtbar. Nur so kann sichergestellt werden, dass ein unentdeckter ALB-Befall vernichtet wird und es nicht zu einer weiteren Verbreitung des ALB in der Region kommt.

  • Abgabestellen:

    Abgabestellen in der Befallszone Kelheim/Saal – privat: Wertoffzentrum Kelheim/Saal a.d. Donau, Am Heidacker 1, 93309 Kelheim; Öffnungszeiten: 1. März bis 30. November: Mo, Mi, Fr 14 bis 18 Uhr, Do 9 bis 12 Uhr, Sa 9 bis 14 Uhr; ab 1. Dezember: Mo, Mi, Fr 13 bis 17 Uhr, Do 9 bis 12 Uhr, Sa 9 bis 13 Uhr;

  • Gewerblich: Gehölze aus der Befallszone, größere private Mengen – Abfall- und Rohstoffwirtschaft, Mike Bartsch, Süd-Chemie-Str. 3, 93309 Kelheim, Tel.: 09441/70975; Öffnungszeiten: Mo bis Fr 7 bis 17 Uhr.

  • Informationen:

    Weiterführende Informationen, die sogenannte Allgemeinverfügung, eine Übersichtskarte der Kelheimer Quarantänezone mit Detailnummer und Flurnummern sowie allgemeine Informationen und Ansprechpartner sind unter www.LfL.bayern.de/alb zu finden.

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