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Die erfolglose Käfer-Jagd lässt hoffen

Ein Großaufgebot an Mensch und Hund hat jetzt die Saaler Gärten nach dem Asia-Laubholzbock abgesucht. Zum Glück ohne Fund.
Von Martina Hutzler

„Vroni“ nimmt ihren Job ernst: Kaum zu bremsen ist die Weimaraner-Hündin von Manfred Westermeier bei der Suche nach dem Asia-Käfer. Foto: Hutzler
„Vroni“ nimmt ihren Job ernst: Kaum zu bremsen ist die Weimaraner-Hündin von Manfred Westermeier bei der Suche nach dem Asia-Käfer. Foto: Hutzler

Saal.Ihre Suche bleibt erfolglos, und darüber sind sie heilfroh: Drei Tage lang haben Teams der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) im Raum Saal nach dem „Asiatischen Laubholz-Bockkäfer“ (ALB) gesucht – doch zum Glück keinen gefunden. Damit steigt die Chance, dass in gut zwei Jahren die ALB-Quarantänezone rund um den Hafen Kelheim/Saal wieder aufgehoben werden kann.

Im Hafen hat das sechsbeinige Ungemach angefangen, im April 2016: Bei einer Routinekontrolle wurde an Alleebäumen der gefürchtete Holzschädling gefunden; mutmaßlich war er als blinder Schiffspassagier aus Asien eingereist. Wird so ein Befall entdeckt, greifen EU-weit strenge Vorschriften zur Bekämpfung. Denn der etwa visitenkarten-großen Käfer, der ganze Wälder kahlfressen kann, soll am Kontinent nicht Fuß fassen.

Der Asiatische Laubholz-Bockkäfer Foto: Landesanstalt für Landwirtschaft
Der Asiatische Laubholz-Bockkäfer Foto: Landesanstalt für Landwirtschaft

Rund um die Hafenstraße wurde eine Quarantänezone eingerichtet und im Herbst 2016 erweitert, als weitere befallene Bäume entdeckt wurden.

Seither gelten im Radius von gut zwei Kilometern rund um den Hafen nicht nur Einschränkungen für Wald- und Gartenbesitzer, zum Beispiel beim Holztransport und der Entsorgung von Baum- und Strauchschnitt. Das gesamte Gebiet in der Quarantänezone wird auch regelmäßig nach dem ALB abgesucht – am Boden und in der Luft.

Forstingenieur und Baumkletterer Florian Gallenberger sucht mit spezieller Sicherung Bäume ab. Foto: hu
Forstingenieur und Baumkletterer Florian Gallenberger sucht mit spezieller Sicherung Bäume ab. Foto: hu

Als „Klinkenputzer“ unterwegs

Vorrangig sind dafür – im Siedlungsgebiet – Ambros Köppl und Thomas Schuster von der LfL zuständig. Aber diese Woche hat Ambros Köppl zum großen Halali auf den ALB geblasen: Für ein flächendeckendes Monitoring im Gemeindegebiet Saal waren an die 20 ALB-Experten aus ganz Bayern im Einsatz, schildert Gebietsbetreuer Köppl das „Klinken-Putzen“ bei den Saalern, im Dreier-Team: je ein Hundeführer mit seinem speziell ausgebildeten ALB-Spürhund und ein Mitarbeiter, der die Anwohner aufklärt über Ablauf und Sinn der Suche und das Suchergebnis dokumentiert.

So läuft die Suche nach dem ALB Video: Hutzler

Die strengen Bekämpfungsvorschriften verpflichten Grundbesitzer, die Gartentür zu öffnen – die meisten Saaler seien aber sowieso aufgeschlossen und auch schon in groben Zügen informiert über den ALB und die Suchaktion, berichtet Köppl. So auch der Bewohner eines Anwesens am Ortsrand, bei dem die LfL-Leute jetzt klingeln. Seufzend erlaubt er Mensch und Hund den Zutritt, „wehren kann ich mich ja eh nicht dagegen“. Besser gefunden hätte er es aber, wenn LfL oder die Gemeinde vorab Infoschreiben verteilt hätten, merkt der Mann an. Auch er war aber schon auf einer der Infoveranstaltungen zum ALB – schließlich ist er selbst auch Waldbesitzer, „zum Glück außerhalb der Quarantänezone“.

„Vroni“ nimmt ihren Job ernst: Kaum zu bremsen ist die Weimaraner-Hündin von Manfred Westermeier bei der Suche nach dem Asia-Käfer. Foto: Hutzler
„Vroni“ nimmt ihren Job ernst: Kaum zu bremsen ist die Weimaraner-Hündin von Manfred Westermeier bei der Suche nach dem Asia-Käfer. Foto: Hutzler

Seinen Garten nehmen ausnahmsweise zwei Spürhunde unter die Nase: Auf Köppls Gebirgsschweißhund „Yoda“ folgt „Vroni“, die Weimaraner-Hündin von Manfred Westermeier. Er bildet sie eigentlich gerade zum Jagdhund aus. Aber der Bauhof-Mitarbeiter hat seinem Dienstherrn, der Stadt Kelheim, vorgeschlagen, „Vroni“ auch für die ALB-Suche zu schulen: So können sich die beiden um das ALB-Monitoring in städtischen Alleen und Grünanlagen kümmern – und die agile einjährige Hündin ist froh über zusätzliche Beschäftigung, erklärt Westermeier. Die ALB-Schulung haben Herr und Hund schon absolviert, jetzt ist praktische Einarbeitung.

Vor allem in Hecken, an Sträuchern und niedrigen Bäumen sind Hundenasen unschlagbar; Ab sechs Metern Höhe übernehmen Zweibeiner mit Fernglas. Sebastian Helmer von der LfL sucht gerade die alte Kastanie in dem Saaler Garten genau ab – sie steht am ALB-Speisezettel weit oben. Aber auch da keine Spur vom Asiakäfer, sprich: kein Bohrmehl, keines der typischen Ein- und Ausbohrlöcher, keine Fraßspuren am Laub. Zum Glück, seufzt der Gartenbesitzer erleichert – an diesem Baum hänge seine Frau besonders.

Auch Waldbesitzer einsichtig

Nicht nur das Monitoring, sondern sämtliche Kontroll-Formen blieben seit den Erstfunden 2016 ohne Ergebnis, zieht Ambros Köppl eine Zwischenbilanz, die auch Peter Enders, Forstbereichsleiter am AELF Abensberg bestätigt.

Weitere Kampfzonen

  • Grüngut:

    Privatleute dürfen Laubholz-Schnittgut aus der Quarantänezone nur ins Wertstoffzentrum Kelheim bringen (Foto: nb). Es wird separat gehäckselt und im Biomasse-Heizkraftwerk verbrannt.

  • Lockmittel:

    Seit Juni hängen wieder vielerorts ALB-Fallen: Duftstoffe würden den Käfer anlocken, so ließen sich erwachsene Tiere nachweisen. Auch diese Fallen (Foto: LfL) blieben aber bisher alle leer.

  • Spitzenarbeit:

    Hohe Laubbäume mit üppigen Kronen können vom Boden aus nicht auf ALB-Spuren abgesucht werden. Hierfür sind Baumkletterer mit spezieller Seiltechnik im Einsatz (Foto: hu).

  • Futterstelle:

    In der engeren Befallszone wurden „Fangbäume“ gepflanzt – Baumarten, die der ALB (Foto: LfL) zum Fressen gern hat. Sie werden regelmäßig auf Befall kontrolliert sowie alle paar Jahre abgeholzt und durch neue ersetzt.

Wie die LfL in Siedlungsgebieten und der Feldflur, so sind Enders und seine Kollegen in den Waldgebieten der Quarantänezone zuständig für das ALB-Monitoring.

Auch dort haben sich die Waldbesitzer mit den Einschränkungen beim Holzeinschlag halbwegs abgefunden, berichtet der Forstbereichsleiter. „Schwarze Schafe gibt es immer mal“ – aber denen kommen oft wachsame Waldnachbarn auf die Schliche…

Eher schon behindert ein weiterer Forstschädling die ALB-Jagd: Der Eichenprozessionsspinner, der sich im Kreis Kelheim stark ausbreitet, gefährdet Mensch und Hund durch seine hoch allergenen Brennhaare. „An Eichen lass’ ich ,Vroni’ derzeit nicht ’ran“, sagt Manfred Westermeier – es sind Hunde sogar schon verendet nach Kontakt mit den Raupenhaaren.

Von solchen Hürden abgesehen, läuft das ALB-Monitoring nach Plan, bilanziert Ambros Köppl. Im Herbst ist eine weitere groß angelegte Suche im Raum Kelheim - Herrnsaal geplant. Wenn diese und alle weiteren Kontrollen bis hin zum End-Monitoring ohne Fund verlaufen, dann kann die Region Kelheim Ende 2020 das Kapitel ALB abschließen – hoffentlich für immer.

Der „Asiatische Laubholz-Bockkäfer“ ist ein gefährlicher Forstschädling. Alle Berichte zu seinem Vorkommen im Raum Kelheim lesen Sie hier!

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