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Ein Trio gegen den Laubholzbockkäfer

Stefan Schuster, Frank Nüsser und Ambros Köppl stellten sich den Fragen besorgter Anwohner in der Kelheimer Quarantänezone.
von Benjamin Neumaier

Der Asiatische Laubholzbockkäfer soll in Kelheim eliminiert werden.
Der Asiatische Laubholzbockkäfer soll in Kelheim eliminiert werden. Foto: Neumaier

Kelheim.Als der Asiatische Laubholzbockkäfer Anfang April im Hafen Kelheim-Saal entdeckt wurde, waren sich wohl die wenigsten bewusst, welche Lawine an Maßnahmen der Fund nach sich ziehen würde: Fällung von Bäumen im Umkreis von 100 Metern. Aufwendiges Monitoring vom Boden aus mittels Baumkletterern und Hunden –und das in einer Quarantänezone 2100 Meter rund um den Fundort. Rechtliche Einschnitte für die Einwohner dieser Zone, zig Auflagen, Einschränkungen im Alltag –und das mindestens für die kommenden vier Jahre lang. So schreibt es die EU zur Bekämpfung des Käfers vor.

Am Mittwochabend informierten Frank Nüsser, Thomas Schuster und Ambros Köppl von der Landesanstalt für Landwirtschaft im Weissen Brauhaus die Anwohner über die komplizierte Lage und die damit verbundenen Auflagen – etwa 60 Menschen waren der Einladung gefolgt.

Thomas Schuster, Frank Nüsser und Ambros Köppl (v. l.) und ihre ALB-Spürhunde sind die Kelheimer ALB-Verantwortlichen
Thomas Schuster, Frank Nüsser und Ambros Köppl (v. l.) und ihre ALB-Spürhunde sind die Kelheimer ALB-Verantwortlichen Foto: Neumaier

Entsorgungswege von Baum- und Strauchschnitt wurden erklärt, aktuell folgende Maßnahmen –Aufstellen von Fangbäumen, Pheromonfallen oder Kontrollen bei alltäglichen Fällungen – erläutert und die sogenannte Allgemeinverfügung, die jeder in der Quarantänezone erhält, bis ins kleinste Detail aufgedröselt. Es war eine wahre Informationsflut, die in den drei vollgepackten Stunden Referat auf die Zuhörer einprasselte – immer garniert mit dem leicht in der Form abgewandelten Satz: „Wir wissen, es werden verdammt harte vier Jahre, aber da müssen wir und Sie jetzt durch.“

Trotz aller Informationen stellten sich den Menschen im Saal dennoch etliche Fragen: Was passiert bei Sturmschäden, wenn Bäume umfallen –die müssen ja eigentlich innerhalb von Tagen beseitigt werden?“, fragte ein Anwohner der Quarantänezone. Ambros Köppl beruhigte: „Das müssen Sie dann bitte bei uns melden, wir sind dann innerhalb von wenigen Tagen bei Ihnen und untersuchen den Baum mit Spürhunden. Dann kann das Holz entsorgt werden.“ Eine Entsorgung auf eigene Faust ist nicht möglich – die Bewohner müssen sich dafür einen sogenannten Pflanzenpass zulegen, der beim LfL 14 Tage vorher zu beantragen ist. Dafür muss man sich bereits im Vorfeld registrieren lassen.

Pflichten als Privatmann

„Ich darf also auf meinem Grundstück keinen Baum fällen oder schneiden, ohne das bei Ihnen nachzufragen und anzumelden“, fragte ein Mann aus dem Publikum darauf hin nach. Frank Nüsser klärte auf: „Ja, so ist es, 14 Tage im Voraus. Das ist auch in der Allgemeinverfügung geregelt. Sie haben auch als Privatmann zudem die Pflicht, die in der Verfügung angegebenen 29 Wirtspflanzen zu kontrollieren – spätestens alle zwei Jahre, das ist der Verpuppungszyklus des ALB in unseren Breiten. Außerdem haben Sie Meldepflicht bei Befall oder auch nur dem Verdacht und unsere Mitarbeiter und Helfer haben das Recht, ihr Grundstück zu betreten und wenn ein Baum befallen ist, diesen zu fällen. Das hat allerdings weitere Konsequenzen.“ Denn dann beginne das ganze Spiel von vorne: Untersuchungs- und Fällaktionen 100 Meter rund um den Baum, eine neue Quarantänezone 2100 Meter um den Baum...

Kommune ist der Koordinator

Kosten kommen auf den Grundstücksbesitzer allerdings nicht zu. Er muss, auch das ist in der Allgemeinverfügung geregelt, den Baum in das Eigentum der Kommune übertragen, die dann die Fällarbeiten in Auftrag gibt und das Holz auch entsorgt. Dafür erhält die Kommune eine Soforthilfe von 100 000 Euro, die durch die sogenannte TopUp-Hilfe nachgebessert werden kann.

„Und was ist mit dem Wurzelstock?“, kam es aus den hinteren Reihen. „Der bleibt, wenn er nicht befallen ist, auf dem Grundstück – oder sie müssen ihn selbst entfernen und danach wieder alle Richtlinien zur Entsorgung einhalten: Anmelden, richtige Entsorgungswege, nicht außerhalb der Quarantänezone bringen und so weiter“, sagte Nüsser. Daraufhin breitete sich Gemurmel im Raum aus, das nur noch mehr anschwoll, als die Frage nach Brennholz aufkam. Auch dort gibt es zig Bestimmungen.

Kontakt und Information

  • Internet:

    Informationen, Downloads und Kontakte gibt es im Internet auf www.lfl.bayern.de/ips/pflanzengesundheit/133038 /index.php

  • Kontakt:

    Kontakt zur Landesanstalt für Landwirtschaft, Institut für Pflanzenschutz –

  • Telefon: (0 81 61) 71 57 30; Fax: (0 81 61) 71 57 52; E-Mail: ALB@ LfL.bayern.de

  • Broschüren:

    Demnächst werden für Kelheim spezielle Broschüren gedruckt und auch an die Haushalte verteilt.

Brennholz von innerhalb der Zone nach außen zu bringen, sei quasi nicht möglich. „Was innerhalb gefällt wird, muss dort vier Jahre verbleiben – und zudem darf es auch, wenn es von außen kommt, nur ein einziges Mal abgeladen werden. Der Weitertransport innerhalb der Quarantänezone ist untersagt“, erläuterte Nüsser.

„Und das alles müssen wir jetzt wirklich vier Jahre aushalten“, fragte ein Bürger, woraufhin Nüsser antwortete: „Mindestens. Insofern es Befall gibt, verlängert sich die Frist. Ich weiß, es ist hart, aber nur so werden wir den Käfer wieder los. Wir müssen alle zusammenhalten und die Regeln befolgen – schert nur einer aus und bringt den Käfer außerhalb der Zone, im schlimmsten Fall in den Forst, ist der wirtschaftliche Schaden immens.“

Thomas Schuster weiß allerdings aus Erfahrung, Kelheim ist das vierte befallene Gebiet in Bayern, „dass es immer ungefähr ein Jahr dauert, bis sich die Regeln einspielen. Probleme bereiten vor allem Firmen, die von außerhalb kommen – etwa Garten- und Landschaftsbauer – und die nicht über den Käfer Bescheid wissen. Auch da stehen die Menschen in der Quarantänezone in der Pflicht.“ Zuwiderhandlungen gegen die Allgemeinverfügung können Strafen von bis zu 50 000 Euro nach sich ziehen.

Insgesamt kosten Überwachung und Fällaktionen den Freistaat Bayern einen Millionenbetrag. „Aber wir müssen das so rigoros durchziehen, anders werden wir den Käfer nicht mehr los“, sagt Köppl.

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