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Erst wird informiert, dann gefällt

Nächste Woche ist der Asiatische Laubholz-Bockkäfer wohl Thema im Kelheimer Stadtrat. Danach wird im Hafengebiet abgeholzt.
Von Martina Hutzler

Forstwissenschaftler Ambros Köppl und seine Kollegen haben den Laubholz-Bockkäfer bislang nur im Kelheimer Hafen festgestellt.
Forstwissenschaftler Ambros Köppl und seine Kollegen haben den Laubholz-Bockkäfer bislang nur im Kelheimer Hafen festgestellt. Foto: Hutzler

Kelheim.20 Bäume: So viele sind es nach aktuellem Stand, in die sich im Kelheimer Hafen der „Asiatische Laubholz-Bockkäfer“ (ALB), ein gefährliche Holzschädling, eingenistet hat. Und zwar zum Glück bislang offenbar nur im Hafen: Ringsum, etwa im Gehölz an der Bundesstraße 16, fanden sich bis dato noch keine Spuren dieses aus Asien eingeschleppten Käfer, der einen Großteil der heimischen Laubbäume bedroht.

Das berichtet Elke Zahner-Meike, die bei der LfL zuständig ist für die Öffentlichkeitsarbeit rund um den ALB. Die LfL ist gemeinsam mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten in Abensberg federführend im Kampf gegen den zwei bis vier Zentimeter großen, schwarz-weiß schillerden Käfer, dessen Larven sich so lange durch einen Baum fressen, bis dieser abstirbt.

Voraussichtlich Anfang nächster Woche soll der Kelheimer Stadtrat in einer Sitzung über den Befall im Hafen Kelheim-Saal informiert werden; danach soll die erste Fäll-Aktion starten, die dann bis Ende der Woche abgeschlossen sein könnte, so Elke Zahner-Meike: In diesem ersten Schritt werden alle Bäume gefällt, an denen die LfL-Mitarbeiter die charakteristischen Bohrlöcher des Käfers festgestellt oder aber die ausgebildeten ALB-Spürhunde Alarm haben.

„Nach der Fällung wird nochmals getestet, ob der Baum tatsächlich befallen war“, erklärt die LfL-Sprecherin. Denn das ist entscheidend für den zweiten Schritt: die Festlegung der Befallszone.

Als erstes die befallenen Bäume

Dazu wird um jeden befallenen Baum ein Kreis mit 100 Metern Radius gezogen. Zusammengenommen bilden alle Kreisflächen – die sich zum Teil überschneiden werden – die Befallszone. In dieser werden dann, voraussichtlich Ende Mai oder Anfang Juni, alle Laubbäume gefällt, gehäckselt und im Biomasse-Kraftwerk Kelheim verbrannt, die als Wirtsbäume des Käfers in Frage kommen. Von 16 Baumgattungen weiß man in Bayern, dass sich darin die Larven bis zum fertigen Käfer entwickeln können: wirtschaftlich bedeutsame wie die Ahorn-Arten, Buche, Esche, Linde und Ulme, aber auch Zierbäume und -sträucher wie Hibiskus, Sommerflieder, ferner Obstbäume wie Apfel, Birne, Kirsche, Zwetschge.

Bleibt es beim Hafen als alleinigem Befallsgebiet, wäre die Dimension der Fällungen allerdings überschaubar; hauptsächlich eine Reihe von Alleebäumen. Bis ins Gebiet von Affecking, Saal und Kelheimwinzer hinein wird sich indes die Pufferzone anschließen, die das LfL ebenfalls ausweisen wird: ein zwei Kilometer breiter Gürtel, der rings um die Befallszone herumgelegt wird; beides zusammen ergibt die Quarantänezone.

Vorgaben für die Quarantänezone

Fällungen sind in der Pufferzone zwar nicht nötig, so lange keine weiteren Befallsspuren feststellbar sind. Aber die Einschränkungen, die dort verhängt werden, betreffen Privatleute, Unternehmen und Kommunen. Dargestellt werden diese in „Allgemeinverfügungen“, die nach einem festen Muster formuliert sind; erst im Januar wurden sie den neuen EU-weiten Bekämpfungsbestimmungen angepasst. Aus rechtlichen Gründen werden die Verfügungen für Wald- und Siedlung-/Offenland-Gebiete separat erlassen; sind aber inhaltlich identisch.

Demnach sind zum Beispiel Grundstücksbesitzer verpflichtet, all diejenigen Laubbäume, die dem ALB willkommen sind, auf Befallssymptome oder gar schon geschlüpfte Käfer zu kontrollieren; und dies alle zwei Monate. Besteht ein Befallsverdacht, muss dies der LfL gemeldet werden. Deren Mitarbeiter haben umgekehrt laut der Verfügung ein Betretungsrecht für Grundstücke in der Quarantänezone, um dort selbst Laubbaum-Bestände zu erfassen und Kontrollen durchzuführen. Bestätigt sich ein neuer Befallsverdacht, muss der betreffende Baum oder Strauch unverzüglich gefällt, sein Holz entsorgt werden. In dem Fall wird dann auch wieder rings um diesen Baum eine 100-Meter-Zone ausgewiesen, in der erneut alle Laubbäume der 16 Wirts-Gattungen gefällt werden müssen.

Für Hobbygärtner wie auch gewerbliche Gärtner und Dienstleister gelten in der Quarantäne-Zone auch recht strikte Vorschriften, sobald irgendwelche Arbeiten an Laubbäumen der besagten 16 Gattungen anstehen: Soll zum Beispiel ein solcher Baum gefällt werden, darf das Holz nur bis zu einem von der LfL dafür freigegebenen Sammelplatz gebracht werden; das gilt auch für Schnittgut. An der Sammelstelle wird es gehäckselt und verbrannt. Für Gartler bzw. kleine Mengen dürften dafür keine Extrakosten anfallen, so Elke Zahner-Meike. Alternativ können Gartler Holz oder Schnittgut aber auch einfach kleinhäckseln und das Häckselgut im eigenen Garten ausbringen. Größere Fällaktionen müssen spätestens zwei bis vier Wochen zuvor bei der LfL angemeldet werden, weil dann deren Mitarbeiter, sofern zeitlich machbar, das Holz kontrollieren.

Strenge Vorschriften gelten auch für die Vorbereitung und den Transport selber, will man Pflanzen, Holz und Holzverpackungen der besagten 16 Gattungen in die Quarantänezone hinein- oder aus ihr herausbringen. In der 100-Meter-Befallszone darf außerdem kein potenzieller ALB-Wirtsbaum gepflanzt werden; die Experten der LfL raten davon sogar in der gesamten Quarantänezone ab – denn werden weitere befallene Bäume gefunden, drohen auch die neuen Pflänzchen der Motorsäge zum Opfer zu fallen.

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