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Käfer-Kampfzone weitet sich aus

Der neue Fund des „Asia-Laubholzbocks“ verlängert den Ärger für Wald- und Gartenbesitzer in Saal und Kelheim.
Von Martina Hutzler

Der erwachsene Käfer steuert am liebsten Ahornbäume an, um dort hinein seine Eier zu legen.
Der erwachsene Käfer steuert am liebsten Ahornbäume an, um dort hinein seine Eier zu legen. Foto: Bayer. Landesanstalt für Landwirtschaft

Kelheim. Der Kampf gegen den Asiatischen Laubholz-Bockkäfer (ALB) geht in die Verlängerung: Das ist die Folge aus dem Fund zweier weiterer befallener Ahornbäume, in der Nähe vom Kelheimer Hafen (MZ berichtete). Er bewirkt, dass sowohl das Gebiet als auch der Zeitraum für die EU-weit geltenden Bekämpfungsvorschriften ausgedehnt werden. Neu betroffen sind vor allem Dutzende Waldbesitzer südlich der B16-Auffahrt an der Regensburger Straße.

In Kelheim wurde das gefürchtete Import-Insekt, das weltweit schon ganze Wälder vernichtet hat, erstmals im April entdeckt: in der Hafenstraße im Hafen Kelheim-Saal, wohl als „blinder Passagier“ in Holzpaletten aus Asien eingereist. Die Larven des Bockkäfers besiedeln bei uns 29 Laubbaum-Arten; sie fressen ihren Wirtsbaum von innen her regelrecht auf. Deshalb werden bei einem Fund alle Laubbäume in einer 100-Meter-Befallszone gefällt und vernichtet. Ein Kreis von weiteren 2000 Metern Radius wird als „Quarantänezone“ (QZ) ausgewiesen, in der für alle Grundbesitzer, private wie öffentliche, strenge Regeln gelten beim Pflanzen, Schneiden, Fällen und Verarbeiten von Gehölz. Zudem werden in der QZ die potenziellen Wirts-Bäume des ALB kontrolliert. Bei so einem „Monitoring“ durch Baumkletterer sind im September denn auch zwei lebende ALB-Larven sowie Reste eines toten ausgewachsenen Käfers entdeckt worden, an zwei benachbarten Ahornbäumen.

Vorschriften gelten bis 2021

Froh ist Forstwissenschaftler Ambros Köppl über den Neufund nicht. „Aber er zeigt immerhin, dass unser Monitoring effizient und sinnvoll ist“, sagt der Mitarbeiter der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), die für die ALB-Bekämpfung in Siedlungsgebieten und der Feldflur zuständig ist. In Waldgebieten ist dies Aufgabe des Amts für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten (AELF) Abensberg. Vor allem den dortigen Mitarbeitern beschert der Neufund zusätzliche Arbeit. Denn deswegen wird nicht nur die gültige „Allgemeinverfügung“ mit all ihren Quarantäne-Vorschriften um ein Jahr, auf 2021 verlängert. Auch die QZ muss nun erweitert werden. Und das trifft vor allem weitere Privatwald-Flächen südlich der bisherigen QZ.

Die amtliche Neufassung wird noch Wochen auf sich warten lassen. Denn noch läuft das Monitoring in einem 500-Meter-Umkreis um die Hafenstraße, so Ambros Köppl. Baumkletterer untersuchen alle Ahorne, Kastanien, Birken und Weiden: „Wir klettern jeweils bis zum Wipfel hoch und seilen uns dann spiralförmig nach unten ab“, schildert Harald, einer der Kletterer. Auf dem Weg nach unten muss er jeden Ast ab etwa Fingerdicke kontrollieren – was bei alten, breitkronigen Bäumen schon mal zwei Stunden dauern kann.

Das tut sich beim Asia-Käfer

  • Siedlungsbereich

    Beim Monitoring in der (bisherigen) Quarantänezone kontrollieren Ambros Köppl und Thomas Schuster (LfL) in den nächsten Wochen die Gärten im Bereich Affecking. Vorab verteilen sie Flugblätter an alle Haushalte. Das Betretungsrecht ist in der Allgemeinverfügung geregelt. Mit den Kontrollen hofft Köppl, die ALB-Bekämpfung noch stärker ins Bewusstsein der Anwohner zu rücken. Bisher erhalte er noch nicht allzu viele Mails und Anrufe von Gartenbesitzern, die Gehölze schneiden oder fällen wollen und dies – wie vorgeschrieben – vorab anmelden. „Wir untersuchen das Schnittgut zeitnah, lassen es von Hunden absuchen“ und kontrollieren möglichst gleich den gesamten Baumbestand im Garten – was ja früher oder später überall in der QZ erfolgen wird.

  • Waldgebiete

    „Das Anmelden von Hiebsmaßnahmen in der Quarantänezone läuft gut“, berichtet Lisa Büsing. Sie und Alexander Hönig sind am Amt für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten (AELF) Abensberg für die ALB-Kontrolle im Privatwald zuständig; Büsing hat dazu eigens ihren Belgischen Schäferhund „Risk“ zum ALB-Spürhund ausgebildet. „Die meisten Besitzer sind recht einsichtig“, wenn sie hören, wie sich andernorts der Befall mit dem Asia-Käfer schon ausgeweitet hat durch unkontrollierten Holztransport, erzählt sie. Bitter sei es für Waldbesitzer dennoch, dass der Abtransport von Holz aus dem Wald nahezu ausgeschlossen ist. Einzig praktikable Verwertung: das Häckseln von Holz zu höchsten 2,5 Zentimetern großen Hackschnitzeln.

Ausschau hält er nach den typischen ALB-Bohrlöchern: sichelförmig, wenn sich die frisch geschlüpften Larven ins Holz einbohren; kreisrund, wenn sich zwei Jahre später die fertig entwickelten Käfer zum „Hochzeitsflug“ ausbohren. „Das ist unverkennbar – schwierig wird’s nur, wenn die Bohrlöcher schon von Rinde überwallt sind“.

Auch beim Neufund in dem Gehölzstreifen zwischen der B16-Auffahrt und dem Hafengelände fanden sich sowohl Ein- wie Ausbohrlöcher. Sprich: Es sind dort bereits fertig entwickelte Käfer ausgeflogen – schon vor mehreren Jahren. Denn die Löcher waren bereits von Rinde überwachsen, erklärt Ambros Köppl. Die zwei toten Käfer, die sich im Holz fanden, „waren kurz vorm Ausbohren. Woran sie gestorben sind, war aber nicht mehr feststellbar – Pilzbefall vielleicht, oder sie waren jahreszeitlich zu spät dran“, mutmaßt Köppls Kollege Thomas Schuster.

Beide fanden keine Hinweise, dass der Neufund unabhängig vom Befall in der Hafenstraße entstand. Die LfL-Experten vermuten deshalb, dass eine kräftige Böe ein befruchtetes Weibchen aus der Hafenstraße „vom Winde verweht“ hat und weiter südlich landen ließ. Wo es sich sofort auf seine Lieblingsbäume, nämlich Ahorn, stürzte, um dort Eier abzulegen.

100 Meter rings um diese zwei Bäume müssen nun wieder alle Laubbäume gefällt, von Menschen und speziellen Spürhunden untersucht und dann vernichtet werden. Den März oder April peilen die LfL-Leute dafür an. Denn der Standort ist knifflig: Regensburger Straße und B16-Auffahrt, die Bahn-Stichstrecke Richtung Kelheim Fibres, das Hafengebiet – das ergibt viele Grundstückseigner, die einzubinden sind, und allerlei Sperrungen, die fürs Fällen nötig werden, erklärt Schuster. „Zum Glück eilt es momentan nicht“: Ausgewachsene Käfer überleben den Winter nicht, und die Larven sitzen ihn im Innern von Stamm und Ästen aus: „Das Ausbohren startet frühestens im Mai; Haupt-Flugzeit ist erst im August“.

Verdachtsfälle melden

Gerade die laubfreie Winterzeit können indes Wald- und Gartenbesitzer gut nutzen, um ihre Laubbäume auf verdächtige Bohrlöcher zu untersuchen. Bei Verdachtsfällen sollte man sich umgehend ans LfL wenden, im besten Falle ein Foto dorthin mailen. Eindringlich appelliert Köppl, Gehölze und Schnittgut im eigenen Garten zu häckseln oder es in das Wertstoffzentrum Kelheim zu bringen – nicht aber, es „wild“ zu entsorgen: So könnte der Asia-Käfer weit über das bisherige Befallsgebiet hinaus verbreitet werden. „Wildes“ Entsorgen kann zudem mit empfindlichen Bußgeldern geahndet werden.

LfL-Hotline: (0 81 61) 71 57 30; Mail: ALB@lfl.bayern.de

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