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Neues vom Miesmacher auf sechs Beinen

Der Fund des Asia-Laubholzbockkäfers im Hafen Kelheim trifft Waldbesitzer hart. Infos zur Bekämpfung sorgten für Missmut.
Von Martina Hutzler

Der Asia-Laubholzbock bedroht hierzulande fast alle wichtigen Laubbäume und wird deshalb rigide bekämpft.
Der Asia-Laubholzbock bedroht hierzulande fast alle wichtigen Laubbäume und wird deshalb rigide bekämpft. Foto: Landesanstalt für Landwirtschaft

Mitterfecking.Lange Gesichter gab es beim Infoabend für Waldbesitzer, die Wald und/oder Hof im Umkreis des Hafens Kelheim haben: Der dort entdeckte „Asiatische Laubholz-Bockkäfer“ (ALB), einer der weltweit meistgefürchteten Holzschädlinge, zieht wortwörtlich weite Kreise. Im Umkreis von gut zwei Kilometern sind jetzt Einschlag und Verwertung von Laubholz fast unmöglich. Und zwar mindestens vier Jahre lang.

Das machten Vertreter vom Abensberger Amt für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten (AELF) und den Landesanstalten für Landwirtschaft (LfL) sowie für Wald und Forstwirtschaft (LWF) den rund 120 Zuhörern in Mitterfecking deutlich. Insgesamt betroffen sind rund 200 Waldbesitzer in der „Quarantänezone“ (QZ), die die Behörden erlassen haben. Alle Einschränkungen, die dort gelten, haben ein Ziel: den ALB in Kelheim wieder restlos auszurotten.

Auf direktem Weg – mit Insektiziden, Fallen, Fressfeinden – ist dies nicht möglich; sondern, nach EU-weiter Experten-Meinung, nur, indem man befallene Bäume vernichtet und rund um den Befall jeglichen Transport von Holz verhindert, in dem sich der ALB fertig entwickeln kann. Das sind EU-weit 16 Laubholz-Gattungen, zum Beispiel alle Arten von Buche, Ahorn, Birke, Esche, Pappel, Linde, Ulme, Eberesche (nicht: Eiche). Für die 16 Gattungen gelten die Quarantäne-Vorschriften.

Die weitreichendste: Alles Holz – vom Baum bis zum Hackschnitzel – darf innerhalb der QZ praktisch nicht mehr transportiert werden und auch nicht aus der QZ heraus. Einzige (praktikable) Ausnahme: Hackschnitzel kleiner als 2,5 Zentimeter (Dicke und Breite).

Was also z.B. tun mit Brennholz, das jetzt schon in der QZ lagert? „Liegen lassen oder zu Hackschnitzeln verarbeiten“, so die klare Ansage der Behördenvertreter, die mit Murren quittiert wurde. Zumal es für den wirtschaftlichen Verlust keine Entschädigung gibt. Selbst der Verwertungsweg „Hackschnitzel“ ist schwierig: Man muss sich eigens registrieren lassen und jeden konkreten Hacker-Einsatz vorab den Behörden anzeigen. Und dann einen Hacker auftreiben, der nachweislich so kleine Schnitzel schafft – was per Sieb-Stichproben kontrolliert wird.

Die strengen Regeln gelten ausnahmslos in der gesamten QZ. Denn der ALB kam bereits vor einigen Jahre unbemerkt im Hafen an, könnte sich also schon ausgebreitet haben – theoretisch. In der Praxis hat er, scheint’s das Hafengebiet aus eigener Kraft noch nicht verlassen: Die bisherige Suche, insbesondere in der engeren „Fokuszone“, blieb ohne Fund.

Die Suche wird aber noch verstärkt: An den Waldrändern werden 20 ALB-Fallen aufgestellt, die unverpaarte Weibchen anlocken. Zur Ausrottung taugen sie indes nicht, wegen ihrer geringen Reichweite.

Alexander Hönig vom AELF mit einer Käfer-Falle.
Alexander Hönig vom AELF mit einer Käfer-Falle. Foto: hu

Mensch und Hund suchen weiter nach dem ALB und seinen typischen Ein- und Ausbohrlöchern im Holz; speziell ausgebildete Spürhunde kommen dabei zum Einsatz. Aber auch alle Wald- und Gartenbesitzer sind verpflichtet, Laubbäume alle zwei Monate in Augenschein zu nehmen.

„Wie denn bei 30 Meter hohen Buchen?!“, fragte ein Zuhörer kopfschüttelnd. „Mit dem Fernglas“, so die Antwort. Man werde dafür aber auch studentische Hilfskräfte einstellen, ferner Baumkletterer beauftragen, kündigte Forstbereichsleiter Nikolaus Ritzinger an. Auch die Einhaltung der – bußgeld-bewehrten Vorschriften – werde überwacht, betonten die Forstleute. Erfahrungsgemäß bekomme man Verstöße schnell von Nachbarn und anderen Zeugen gemeldet. Aber letztlich zähle die freiwillige Mithilfe.

„Hilft ja nichts“, war am Ende auch Tenor bei den Zuhörern. „Wie will man den Käfer anders bekämpfen?!“, zeigte etwa Waldbesitzer Ludwig Schmid Verständnis für die Vorschriften. „Aber die Politik ist jetzt gefragt, dass kein Verpackungsholz mehr aus China zu uns kommt!“, forderte er. Auf diesem Weg kam – und kommt – der ALB bislang weltweit herum.

ALB: Fragen und Antworten

  • Einfuhrstopp?

    Ist das Einschleppen des Käfers – per Verpackungsholz in Schiffscontainern – mittlerweile gestoppt? Weitgehend, so Alexander Hönig (AELF): Die Qualität chinesischer Paletten und Co. sei mittlerweile deutlich besser. Und hierzulande werden mittlerweile 80-90 Prozent der Importe kontrolliert.

  • Chemische und biologische Waffen?

    Mit Chemie lässt sich der ALB nicht vernichten: Er lebt fast nur im Innern des Baumes, wohin man Insektizide kaum bringt. Zudem sind entsprechende Mittel (Neonicotinoide) in Europa dafür nicht zugelassen. Ebenso wenig gibt es bei uns natürliche Fressfeinde, die gezielt den ALB vertilgen. Spechte fressen zwar die Larven, aber zum Ausrotten reicht das nicht.

  • Altfall-Regelung?

    Darf man zumindest Holz, das schon länger lagert, noch abtransportieren? Nein. Denn der ALB legt Eier zwar nur in lebendes Holz, so Insektenkundler Dr. Hannes Lemme. Aber später können Larven auch in Holzscheiten überdauern. Und weil keiner weiß, wann der blinde Passagier aus China im Kelheimer Hafen ankam, könnten seine Nachkommen theoretisch schon in Holzpolter, Hackschnitzelhaufen oder Brennholzstapeln ringsum stecken.

  • Aufspüren?

    Kann man Holz von ALB-Spürhunden absuchen und so für „befallsfrei“ erklären lassen? Nein, denn Hundenasen arbeiten zwar gut, aber nicht mit 100-prozentiger Sicherheit. Deshalb genügen sie nicht den EU-Bekämpfungsrichtlinien.

  • Transporte?

    Sind Holztransporte von außen in die Quarantänezone hinein erlaubt (z.B. Brennholz-Lieferung)? Ja, aber wenn das Material einmal in der QZ abgeladen ist, darf es von dort nicht mehr weitertransportiert werden.

  • Gärten und öffentliches Grün? Für Garten- und sonstige Grundstücksbesitzer, auch Kommunen, gilt eine inhaltlich identische Allgemeinverfügung wie für die Waldbesitzer. Unter anderem dürfen Schnitt- und Häckselmaterial von Laubbäumen der 16 Wirts-Gattungen nicht mehr beliebig transportiert werden. Stadt Kelheim, Gemeinde Saal und die LfL weisen separate Entsorgungswege aus. Diese stehen aber noch nicht fest. (hu)

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