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Sozialwohnungen sind gefragt wie nie

Investoren wie die Rockermeiers in Abensberg sind nicht die Ausnahme. Für Bauherren gibt es Tipps vom Staat.
Von Wolfgang Abeltshauser und Elfi Bachmeier-Fausten

Es wird immer wichtiger, günstigen Wohnraum zu bauen. Foto: bluedesign - Fotolia,
Es wird immer wichtiger, günstigen Wohnraum zu bauen. Foto: bluedesign - Fotolia,

Kelheim.Das Thema Sozialer Wohnungsbau ist in diesen Tagen in aller Munde. Im Landkreis gibt es mittlerweile sowohl Projekte öffentlicher als auch privater Bauträger. Die Regierung von Niederbayern fördert den Bau von neuen Wohnungen – oder die Sanierung von alten. Einziehen dürfen Mieter, die bestimmte Einkommensgrenzen nicht überschreiten. Die Bewohner zahlen die ortsübliche Miete. Sie werden mit einem Mietzuschuss unterstützt. So funktioniert – kurz gesagt – der Soziale Wohnungsbau.

Wer grundsätzlich darüber nachdenkt, sich hier zu engagieren, hat in der Bezirksregierung einen kompetenten Ratgeber an seiner Seite. Das ist die Erfahrung von Lydia und Richard Rockermeier, die in Abensberg ein Projekt realisieren wollen. Sie loben die Zusammenarbeit mit der Behörde. Es gebe sehr hilfreiche Hinweise – etwa was die Wohnungsgrößen betrifft.

50 Prozent private Investoren

Wer denkt, dass Investoren wie die beiden Abensberger eine Ausnahme sind, der irrt. So ist aus der Presseabteilung der Bezirksregierung auf schriftliche Anfrage zu erfahren: Etwa die Hälfte aller Bauherren in diesem Bereich gehören in diese Kategorie. Ihre Projekt müssen bestimmte Auflagen erfüllen. Die Investoren bekommen aber auch ganz praktische Tipps an die Hand.

Die beiden Abensberger planen einen Neubau. Möglich ist auch, alte Gebäude zu sanieren. Für beides gibt es Unterstützung. Eine Voraussetzung für eine Förderung im Rahmen des Bayerischen Modernisierungsprogramms ist, dass ein Gebäude mindestens 15 Jahre alt ist und im Rahmen des Projekts drei Mietwohnungen entstehen. Diese Zahl gilt auch für Neubauten. Der Standort der Gebäude sollte möglichst zentral, also in der Nähe von Ämtern, Praxen, Geschäften und öffentlichen Verkehrsmitteln liegen. So dass die Bewohner kein Auto für ihre Erledigungen benötigen. Weiter ist die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr von großem Vorteil. Um entfernte Arbeitsstellen zu erreichen.

Grundsätzlich gehe der Trend zu eher kleineren Wohnungen. Die Erfahrung zeige, dass Zweizimmerwohnungen bis zu 55 Quadratmetern und Dreizimmerwohnungen bis zu 75 Quadratmetern stark nachgefragt sind. Grundsätzlich werden aber auch größere Einheiten gefördert.

Insgesamt habe die Nachfrage erheblich zugenommen. „Auch weil die Förderkonditionen des Bayerischen Wohnraumförderprogramms aktuell sehr attraktiv sind“, heißt es in der schriftlichen Antwort der Pressestelle auf die entsprechende Frage. Demnach haben sich in den vergangenen Jahren die Förderzahlen alle zwölf Monate verdoppelt. Es hängt an den Vermögensverhältnissen der Bauherren, wie hoch die Förderung ausfällt. Sie richtet sich nach dem Einkommen. Sie besteht aus zwei Darlehen und einem zusätzlichem Zuschuss, der bis zu 300 Euro je Quadratmeter Wohnfläche liegen kann. Der Bauherr vermietet im Gegenzug die Wohnungen an Personen, die bestimme Einkommensgrenzen nicht überschreiten dürfen.

Bis 67 270 Euro brutto

Hier erfolgt der Nachweis durch einen Wohnberechtigungsschein, der im Landratsamt zu beantragen ist. Die Staatsregierung hat die Einkommensgrenzen in der Wohnraumförderung vor kurzem erhöht, um noch mehr Menschen zu erreichen. Für eine Familie mit einem Kind steigt beispielsweise die gesetzliche Einkommenshöchstgrenze von bisher 36 500 Euro auf 45 500 Euro. Das entspricht einem höchstmöglichen Jahresbruttoeinkommen von rund 67 270 Euro.

Details zum Thema

  • Dauer:

    In Abensberg sind bereits am Bahngleis Sozialwohnungen entstanden. Sie sollen im Laufe des Jahres alle bezogen sein. Grundsätzlich gilt für solche Projekte, dass die Wohnungen 25 Jahre diesem Zweck dienen sollen. So weist es das staatliche Regelwerk aus.

  • Standort:

    Auch in der Abensberger Ulrichstraße gibt es ein Projekt. Es eignet sich nach Expertenmund vorzüglich. Wichtige Einrichtungen wie eine Arztpraxis, eine Bäckerei und eine Geldinstitut liegen direkt gegenüber. Anbindung an Infrastruktureinrichtungen sei sehr wichtig.

  • Wohnberechtigungsschein:

    Laut Landratsamt Kelheim werden dort „jährlich circa 130 Wohnberechtigungsscheine ausgestellt“. Die Einhaltung bestimmter Einkommensgrenzen, u. a. je nach Förderung der Wohnung, sei eine der Voraussetzungen. Archivfoto: Rainer Jensen/dpa

  • Bewerbung:

    Die Stadt Kelheim sei unter den ersten Bewerbern für das vom Freistaat aufgelegte Programm für sozialen Wohnungsbau gewesen. Mit einem Neubau wurde im Frühjahr 2017 begonnen, Anfang September sollen die 15 Wohnungen bezogen werden könne. Foto: eb

Josef Kliegl, Geschäftsführer der Bau- und Siedlungsgenossenschaft Kelheim, weist darauf hin, dass Sozialwohnungen für Leute mit „unteren oder mittleren Einkommen sind – zum Beispiel Rentner oder Menschen, die wenig verdienen“. Auch sie bräuchten Wohnungen. Das werde oft verkannt. Es seien „ganz normale Leid“, die jedoch mit niedrigen Einkommen auskommen müssten. Sie gingen Arbeiten, verdienten aber beispielsweise lediglich unter 1000 Euro oder etwas darüber. Kliegl erwähnt auch Senioren, die nach einem Arbeitsleben eine geringe Rente bekämen.

Baukosten exorbitant gestiegen

Die Bau- und Siedlungsgenossenschaft hat aktuell 207 Wohnungen mit einer Sozialbindung. Im Rahmen des sozialen Wohnungsbaues ist geplant, heuer mit einem Neubau (acht Wohnungen) in Saal zu beginnen. Josef Kliegl gibt zu bedenken, dass „gerade in letzter Zeit die Baukosten exorbitant gestiegen sind“. Auch mit einer staatlichen Förderung sei die Finanzierung einer Neubaumaßnahme schwierig. In der Regel kommen die Bauherrn bereits mit konkreten Vorstellungen zur Regierung von Niederbayern. Diese berät dann, ob das Grundstück für das Bauvorhaben geeignet ist. Sie prüft, ob ein entsprechender Bedarf vorhanden ist und erläutert die Fördermöglichkeiten im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus.

Die Behörde steht nach eigener Aussage regelmäßig in Kontakt mit den Baugenossenschaften und kommunalen Wohnungsunternehmen Niederbayerns, die im Verband der Wohnungsunternehmen organisiert sind. Zudem veröffentlicht die Regierung zu laufenden Projekten des Förderprogramms Pressemitteilungen, um auf die vielfältigen Möglichkeiten aufmerksam zu machen.

Interessierte Bauherren erfahren aber auch auf anderen Wegen von dem Förderprogramm und kommen direkt auf die Regierung zu. So verlangen beispielsweise einige Städte bei der Ausweisung neuer Bauflächen auch die Entstehung von gefördertem Wohnraum.

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