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Wiesenblumen als Hoffnungsträger

Ein Ehepaar, das seit Februar im Landkreis Kelheim ist, sucht seit fast einem Jahr eine Wohnung – bislang aber vergebens.
Von Elfi Bachmeier-Fausten

Die Eheleute P. sind seit fast einem Jahr auf der Suche nach einer Wohnung. Foto: Bachmeier-Fausten
Die Eheleute P. sind seit fast einem Jahr auf der Suche nach einer Wohnung. Foto: Bachmeier-Fausten

Kelheim.Beide sitzen auf alten Stühlen am Tisch. Das Ehepaar P., beide noch unter 50, wohnt in einer Gemeinde im östlichen Landkreis in einer Dachgeschosswohnung – eine äußerst bescheidene Situation. Vor vier Monaten sind der Mann und die Frau vom Bruder in dessen Wohnung aufgenommen worden.

Ein Strauß aus Wiesenblumen und Grashalmen steht in einer Vase am Tisch, der Käfig mit Sittich Bubi hängt in der Dachschräge. Das Paar sucht eine Wohnung, „die auch bezahlbar ist“. Sie würden diese auch selber herrichten, sagt die Frau. Nicht nur an die Gemeinde haben sie sich gewandt, auch an den Bischof. Die Eheleute, die aus der Oberpfalz nach Niederbayern gekommen sind, bitten „um Hilfe, um eine Wohnung“.

Die Bau- und Siedlungsgenossenschaft Kelheim hat mehr Nachfragen als Wohnungen

Bedarf an Wohnungen ist nicht zu decken

Bei der allgemeinen Sozialberatungsstelle des Kreiscaritasverbandes Kelheim ist die Nachfrage nach Wohnungen „seit drei Jahren deutlich gestiegen“, sagt dessen Leiterin Heidi Kuffer. „Bezahlbare Wohnungen waren auch davor schon Mangelware.“ Kuffer berichtet, dass „fast täglich Menschen“ in der Beratungsstelle nachfragten. Sie weist darauf hin, dass die allgemeine Sozialberatung keine Wohnung vermittle und auch nicht suche, sondern informiere und berate, „um die Suche eventuell zu optimieren“.

Viele Wohnungsbesichtigungen

  • Suche:

    „Ich kann mich nirgends festbeißen“, so P. wegen der fehlenden Wohnung. Fast jeden zweiten Tag sei man wegen einer Wohnung unterwegs, wenn Angeboten online eingingen, so die Frau. Bei einer Wohnungsbesichtigung „waren schon 70, 80 Leute“.

  • Interesse:

    Meist in Regensburg seien Wohnungen angesehen worden, man würde aber auch im Kreis Kelheim eine Wohnung nehmen.

Sozialpädagogin Kuffer: „Familien oder Personen, die Hartz IV oder Sozialhilfe beziehen, sind auf preisgünstige Wohnungen angewiesen. Mieten werden nur bis zu einer bestimmten Obergrenze vom Jobcenter oder Sozialamt akzeptiert und bezahlt.“ Sie vergleicht die Suche nach einer preisgünstigen Wohnung mit der sprichwörtlichen Suche „nach der Nadel im Heuhaufen“ im gesamten Landkreisgebiet und in allen angrenzenden Landkreisen und Städten.

Starker Zuzug in Kreis Kelheim

Kuffer sagt, dass es „einen starken Zuzug in den Landkreis Kelheim“ gegeben habe. „Neben den Flüchtlingen kamen auch viele Menschen aus osteuropäischen Ländern zur Arbeit hierher. Auch diese Menschen mit Familien suchen und benötigen Wohnraum.“ Und sie fügt hinzu: „Besonders schwierig ist es für Menschen, die arbeitslos sind, einen Schufa-Eintrag haben, vor der Zwangsräumung stehen oder auch für größere Familien.“ Heidi Kuffer gibt zu bedenken: „Ausreichend Sozialwohnungen haben bereits vor dem Zuzug von Flüchtlingen gefehlt, nur war dies in der Öffentlichkeit kein Thema.“

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Die Leiterin der allgemeinen Sozialberatung: „Es gibt auch immer mehr Obdachlose, die ihre Wohnung bereits verloren haben und in dieser Notlage dringend neuen Wohnraum brauchen. Hier sind die Kommunen in der Pflicht, diese Menschen notdürftig unterzubringen. Auch hier fehlen immer wieder entsprechende Quartiere im Landkreis.“ Das Ehepaar P. hatte im Kreis und in der Stadt Regensburg gewohnt. Ein dortiges Objekt sei ihren Angaben nach nicht als Wohngebäude gemeldet gewesen, was man nicht gewusst habe, und von Mietern an sie untervermietet worden.

„Wir sind saubere Leid“

Vor knapp einem Jahr sei man ausgezogen und beim Bruder in Regensburg vorübergehend untergekommen. Der Wohnungsinhaber habe im Wohnzimmer geschlafen. In der jetzigen Situation sei es umgekehrt. Das Paar schläft bei den Verwandten im Wohnzimmer und „aufhalten tun wir uns hier am Dachboden“. Seit Juli 2017 suchen die Eheleute eine Wohnung. Man sei überall gemeldet – bei Genossenschaften, Gemeinden, im Internet. Angebote habe man etliche erhalten, aber keinen Mietvertrag. Als ein Grund wird die Arbeitslosigkeit erwähnt. Die Frau: „Mietschulden hatten wir noch nie.“ „Wir sind saubere Leid, keine Asozialen. I mog a oarban. Wir haben früher ganz normal gelebt“, sagt der Mann am Tisch mit den Wiesenblumen. Mit dem Strauß möchte die Frau „a wenig a Hoffnung einebringa. Es bringt Freude, auch wenn einem nicht zum Lachen ist“, sagt sie.

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