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„Das sind unsere Oscar-Favoriten“

Die MZ in Kelheim fragte lokale Cineasten, wer die Trophäen bekommen sollte. Konstantin Ferstl tippt gegen Gerda Kroiß.
Von Beate Weigert

Umgerechnet 300 US-Dollar ist ein Oscar wert. Für die Filmbranche geht es aber um viel mehr als das.
Umgerechnet 300 US-Dollar ist ein Oscar wert. Für die Filmbranche geht es aber um viel mehr als das. Foto: dpa-Archiv

Kelheim.Die Oscar-Nacht von Sonntag auf Montag werden sie beide nicht live verfolgen. Abensbergs Kinochefin Gerda Kroiß findet, dass das alleine nicht so recht Spaß macht.

Gerda Kroiß betreibt zusammen mit ihrem Mann Jakob das Roxy-Kino in Abensberg.
Gerda Kroiß betreibt zusammen mit ihrem Mann Jakob das Roxy-Kino in Abensberg. Foto: Archiv/Weigert

Für 2016 hat sie aber einen Traum. Dass in ihrer Heimatstadt, in der gerade zum Faschingsgillamoos das Motto „Hollywood“ groß gefeiert worden ist, eine richtige „Oscar-Nacht“ auf die Beine gestellt wird.

Auch der zweite Film-Maniac, der für die MZ schon mal vorab seine Favoriten in sechs von insgesamt 24 Kategorien kürte, kann sich die Verleihung in Los Angeles nicht live anschauen. Filmemacher Konstantin Ferstl hat eine gute „Ausrede“. Er dreht gerade selbst einen (Dokumentar-)Film auf vier verschiedenen Kontinenten. Er bekommt die Ergebnisse diesmal vermutlich zum Morgenkaffee. „Das hat auch seinen Charme.“

Filmemacher Konstantin Ferstl
Filmemacher Konstantin Ferstl Foto: Ferstl

Grundsätzlich könne sich wohl kein Cineast ernsthaft dem „Mythos Oscar“ entziehen, findet der Absolvent der Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) in München. „Auch, wenn ich die Entscheidungen bisweilen arg tendenziös und altbacken finde.“

Wer gewinnt 2015 den Titel „bester Film“?

Gerda Kroiß: Die Entdeckung der Unendlichkeit. Ich finde der Film ist ein hervorragend gelungenes autobiografisches Drama um den an ALS erkrankten Physiker Steven Hawking. Mit viel Feingefühl erzählt der Film über die große Liebe zwischen dem Genie und seiner Frau und das menschliche Miteinander trotz aller Komplikationen. Eine Geschichte über ein außergewöhnliches Paar, dessen Lebenseinstellung Mut macht.

Besonders berührt hat mich der Kinobesuch des an ALS-erkrankten Abensbergers Walter Hainz, der im Rollstuhl sitzend zusammen mit seiner ganzen Familie, seinem Hausarzt und Pfleger den Film bei uns schaute.

Konstantin Ferstl: Eine schwere Wahl. Birdman und Grand Budapest Hotel mochte ich sehr, aber Boyhood hat durch die bloße Konstellation einfach einen unschlagbaren Charme, dem man sich nicht entziehen kann. Im besten Sinne „großes Kino“. Für diese neue Dimension von Zeit und magischem Realismus würde ich den Preis vergeben.

Beste Regie?

Konstantin Ferstl: Wes Anderson für Grand Budapest Hotel, weil ich die phantasievolle Detailversessenheit liebe. Ein Film, dem man die Regiearbeit in jedem Bild ansieht. Die besondere Handschrift, die jeden Wes Anderson-Film auszeichnet, erreicht hier bislang unerreichte Perfektion.

Gerda Kroiß: Morten Tyldum für „The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben“. Der Film ist hervorragend besetzt mit Benedict Cumberbatch und Keira Knightley. „The Imitation Game“ ist ein äußerst spannender Historienthriller um einen genialen Außenseiter. Vor dem Hintergrund des II. Weltkriegs fiebert man von der ersten bis zur letzten Minute mit den Protagonisten ihre Mission erfolgreich abzuschließen und den deutschen Enigma-Code zu knacken. Eine wahre Geschichte, die dem Krieg eine entscheidende Wende gegeben hat.

Bester Hauptdarsteller wird ganz klar...?

Gerda Kroiß: Eddie Redmayne für „Die Entdeckung der Unendlichkeit“: Akribisch genau spielt er die Rolle des ALS-Erkrankten Steven Hawkings. Der Brite überzeugt mit seiner menschlichen Darstellung als krankes Physik- und Mathematik-Genie dem alles Wichtige im Leben gelungen ist. Kinder. Ehe. Lehrstuhl. Bücher. Familie. Erfolg. Anerkennung.

Konstantin Ferstl: Michael Keaton für „Birdman“. Selbstreferenzialität kann manchmal auch peinlich sein, aber Michael Keaton spielt „sich“ brillant – wie auch das ganze Ensemble dieses Films.

In Ihren Augen die beste Hauptdarstellerin?

Konstantin Ferstl: Ich mochte auch Rosamund Pike in ihrer Rolle in „Gone Girl – Das perfekte Opfer“ sehr, aber meine Favoritin ist Marion Cotillard in „Zwei Tage, eine Nacht“ von den Dardenne-Brüdern. Ein hervorragender Film, tolle Regisseure – und Frau Cotillard mit Wärme und Würde. Das muss sie gewinnen.

Gerda Kroiß: Reese Witherspoon in „Der große Trip – Wild“. Witherspoon liefert hier eine oscarreife Leistung, weil sie sehr authentisch und mit großer Natürlichkeit diese Rolle ausfüllt. Authentisch zeigt sie auf ihrem 1800 Kilometer langen Fußmarsch vom ersten Augenblick an einen kompromisslosen Lebenswillen, der den Kinobesucher auf ihre Reise mitnimmt.

Den Oscar als bester Animationsfilm verdient...?

Gerda Kroiß: „Baymax – Riesiges Robowabohu“ (Big Hero 6). Der Film bietet witzige Familienunterhaltung mit einer neuen Disney-Figur. Baymax, der größte Freund eines kleinen Jungen, ist trotz seiner Größe nicht der geborene Superheld sondern zeigt durchaus auch viele Schwächen. Das macht ihn besonders menschlich.

Konstantin Ferstl: Da muss ich passen, habe keinen davon gesehen.

Für Sie der beste Dokumentarfilm?

Konstantin Ferstl: Harte Konkurrenz, aber ich würde mich trotzdem für „Das Salz der Erde“ entscheiden. Ganz unkritisch, einfach weil ich ein großer Wim Wenders-Fan bin.

Gerda Kroiß: Das Salz der Erde von Wim Wenders. Ich kenne leider von dem Film nur die Ausschnitte und Trailer. Trotzdem hat mich die Aussage der Bilder sehr betroffen und nachdenklich gemacht. Bilder mit einer unglaublichen Gewalt über das Leid dieser Welt. Die Geschichte wird aus Sicht des Sohnes des Fotografen Sebastião Salgado erzählt. Wim Wenders würde ich den Oscar gönnen, zumal er schon zweimal nominiert war, aber noch nie einen Oscar erhielt.

Wettbüros, Pech für Österreich

  • Historie:

    Sonntag-Nacht werden im Dolby Theatre in Los Angeles zum 87. Mal die Academy Awards – besser bekannt als die „Oscars“ – verliehen. In insgesamt 24 Kategorien.

  • Trophäe:

    Der „Oscar“ ist 34,29 Zentimeter groß. Sein Nickel-Kupfer-Silber-Körper (Britanniametall) bringt knapp vier Kilo auf die Waage. Überzogen ist er mit 24-karätigem Gold. Lediglich in Kriegszeiten wurde auf das Gold verzichtet. Materialwert einer Statue: 300 US-Dollar.

  • Buchmacher:

    Glaubt man den Wettanbietern im Netz, so haben beim besten Film allemal Birdman (Quote: 1,57) und Boyhood (2,50) eine realistische Chance. Beste Regie machen scheinbar ebenfalls diese beiden Produktionen unter sich aus. Bei den besten Hauptdarstellern liegen die MZ-Experten mit den Buchmachern gleich auf. Bei der besten Schauspielerin sind ihre Tipps dagegen weit abgeschlagen, v.a. Marion Cotillard. Julianne Moore scheint demnach den Goldjungen bereits so gut wie in der Tasche zu haben. Um den Sieg in der Kategorie „beste Regie“ ringen ebenfalls Birdman und Boyhood.

  • Österreich:

    Eine Anmerkung der Redaktion zu unseren österreichischen Nachbarn. Sie haben es mit ihrem Alpenwestern „Das finstere Tal“ nicht auf die Shortlist in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“ geschafft. Schade eigentlich! Der düstere, andere Heimatfilm besticht durch starke Bilder, einen geheimnisvollen Racheengel (Sam Riley) und eine gute Story, weit ab kitschiger Alpenrepublik-Klischees. Italowestern neu aufgelegt! (re)

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