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Gesetz

Der Lebensretter ist jetzt Pflicht

Seit 1. Januar 2018 sind Rauchwarnmelder auch in Bayern verpflichtend. Die Installation ist einfach, das Thema kompliziert.
von Benjamin Neumaier

Rauchwarnmelder sind seit 1. Januar Pflicht in Bayern – überprüft wird die Installation aber nicht. Fotos: Martin Gerten-dpa/Höfler

Kelheim.Das Gefährliche an einem Feuer sind nicht die Flammen. Rund 400 Menschen sterben jedes Jahr in Deutschland bei Bränden. 95 Prozent werden aber Opfer einer Rauchvergiftung, die bereits nach zwei Minuten tödlich sein kann. „Ein Rauchwarnmelder löscht zwar keine Flammen, rettet aber Leben“, sagt Kelheims Kreisbrandrat Nikolaus Höfler. „In der Nacht bekommt niemand mit, wenn sich in seinem Haus oder seiner Wohnung ein Brand entwickelt. Ein Rauchwarnmelder aber schon.“ Er verhindere nicht den Brand, lösche keine Flammen, könne aber den Hausbesitzer so schnell warnen, dass der noch selber löschen oder zumindest sicher flüchten könne, sagt Höfler. „Die Installationspflicht ist absolut sinnvoll.“

Es gibt eine Gesetzeslücke

Seit dem 1. Januar gilt nun auch in Bayern eine Rauchwarnmelderpflicht. Die kleinen Plastikdosen andübeln oder kleben, hin und wieder abstauben – fertig. Das Thema Rauchmelder könnte einfach sein. Dennoch stellen sich viele Menschen Fragen – und es gibt sogar eine Gesetzeslücke.

Kreisbrandrat Nikolaus Höfler Foto: Pieknik

So sind die Installationsvorschriften zwar in der bayerischen Landesbauverordnung geregelt, Spezielle Kontrollen sind allerdings nicht vorgesehen, weder vom Bauamt noch sonst irgendeiner Behörde. Die Mär, dass der Kaminkehrer diesen Job übernimmt, erweist sich als Irrtum, sagt Bezirkskaminkehrermeister Helmut Mages: „Wir geben zwar Hilfestellung bei Fragen der Bevölkerung, kontrollieren aber nicht. Weil wir aber bei der Feuerstättenschau beinahe flächendeckend arbeiten, könnte es vielleicht auf uns zukommen.“ So sieht das auch Mages’ Innungs-Obermeister Holger Frischhut: „Offiziell ist die Sache vom Gesetzgeber nicht geregelt, wir stehen aber Gewehr bei Fuß. Es geht ja auch um die Wartung der Geräte, die einmal im Jahr vorgeschrieben ist. Dazu gibt es spezielle Fortbildungen, die auch schon einige Kollegen absolviert haben. Aber ob der Gesetzgeber reagiert? Ich glaube das eher weniger.“

Aktuell kein Bußgeld vorgesehen

Wie das Landratsamt Kelheim mitteilt, sei beim Versäumen der Rauchwarnmelderpflicht aktuell kein Bußgeld vorgesehen. Im Gegensatz zu anderen Bundesländern: Sollte ein Mieter der Bauaufsicht melden, dass in seinem Haushalt kein Rauchmelder angebracht ist, könnte sein Vermieter in Niedersachsen mit Geldbußen von bis zu 50 000 Euro belegt werden.

Youtuber „M1Molter - Der Heimwerker“ gibt Tipps, wie man Rauchmelder richtig installiert:

Für Nikolaus Höfler sind aber weder Kontrolle noch Bestrafung der springende Punkt: „Rauchmelder sind eine Frage der Vernunft. Das ist keine Kostenfrage noch eine Frage der Installation. Den Nutzen hat eigentlich noch niemand bestritten.“

Dafür erreichten Höfler, Mages und Frischhut in den vergangenen Monaten andere Fragen – am häufigsten die nach der korrekten Installation. Wo müssen die Lebensretter denn nun angebracht werden? Das regelt die Bauordnung,Artikel 46, Absatz 4: „In Wohnungen müssen Schlafräume und Kinderzimmer sowie Flure, die zu Aufenthaltsräumen führen, jeweils mindestens einen Rauchwarnmelder haben.“ In Einfamilienhäusern mit offenem Treppenraum gilt dieser als Fluchtweg und muss mit einem Rauchmelder auf jedem Stockwerk ausgestattet sein. Sinnvoll seien sie zudem in Wohn- und Esszimmer, Keller und Dachboden. Für Küche und Bad sind spezielle Hitzemelder optional.

Doch wie müssen die Rauchmelder angebracht werden, dass Brandrauch frühzeitig erkannt und gemeldet wird? Rauchmelder müssen an der Zimmerdecke möglichst in der Mitte des Raumes angebracht werden. Dabei darf die Raumhöhe sechs Meter nicht überschreiten. Wichtig ist außerdem, dass die Geräte nicht mit Farbe überstrichen und durch Möbel oder Unterzüge verdeckt werden.

Richtig installieren

  • Wer ist für die Installation der Rauchmelder zuständig?

    Für die Installation der Rauchwarnmelder ist der Eigentümer eines Hauses oder einer Wohnung zuständig.

  • Wer übernimmt die Kosten?

    Die Kosten für den Einbau übernimmt der Vermieter bzw. Eigentümer. Die Wartungskosten können auf die Nebenkostenabrechnung des Mieters umgelegt werden.

  • Wer ist für die Wartung zuständig?

    Rauchmelder sollten einmal jährlich auf ihre Funktionsfähigkeit geprüft werden. In Bayern ist dies die Pflicht des Mieters.

  • Welche Räume müssen mit Rauchmeldern ausgestattet werden?

    Für Schlaf- und Kinderzimmer sowie Flure sind Rauchwarnmelder ab 2018 gesetzlich vorgeschrieben. Sinnvoll sind sie außerdem in Wohn- und Esszimmern, Keller und Dachboden sowie in offenen Wohnraumverbindungen wie etwa Treppenaufgängen. Für Küche und Bad empfehlen sich spezielle Hitzemelder oder Rauchmelder mit Bi-Sensor-Technologie.

  • Wie müssen die Rauchmelder angebracht werden?

    In der Regel werden sie waagrecht an der Decke angebracht, weil Rauch nach oben steigt. Am besten ist ein Platz mittig an der Decke oder mit mindestens 50 cm Abstand von der Wand. Bei Dachschrägen hilft eine Holzkonstruktion, den Rauchmelder waagrecht anzubringen, es sei denn, die Herstellerangaben erlauben eine schräge Montage. (Quelle: vkb.de)

  • Infomaterial:

    Fragen und Antworten vom Bayerischen Innenministerium

Eine andere Frage ist die nach der Wertigkeit des Geräts? Dazu sagt der Gesetzgeber: „Alle standardisieren Rauchmelder mit einer CE-Kennzeichnung und der Angabe EN 14604 sind in Deutschland ausreichend.“ Dabei gibt es aber eine große Preisspanne. Laut Kelheims Hagebau-Geschäftsführer Ulrich Bindorfer „werden am meisten die Zehn-Jahres-Melder gekauft. Die liegen preislich in der Mitte und sind pflegeleicht“.

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„Ein brennendes Anliegen der Wehren“

Bleibt noch die Frage, wie es mit dem Versicherungsschutz beim Nichteinhalten der Rauchmelderpflicht aussieht. Hierzu hat der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) klar Stellung bezogen. Kathrin Jarosch vom GDV: „Der Versicherer fordert weder ein Einbauzertifikat noch einen Kaufbeleg oder sonst irgendetwas. Die Rauchwarnmelder sind in erster Linie da, um Leben zu retten. Das heißt, der Schutz vor Sachschäden ist an dieser Stelle zweitrangig. Der fehlende Rauchwarnmelder müsste für den Brand ursächlich sein, damit es irgendeinen Einfluss auf den Versicherungsschutz hat. Einen solchen Zusammenhang kann man aber in der Regel nicht herstellen.“

Aber: Bei einem Brand mit Verletzten oder Toten drohen dem Eigentümer strafrechtliche Konsequenzen, sollte er keine Rauchmelder installiert haben. Mieter könnten auch Schadenersatzansprüche geltend machen. Für den Versicherungsschutz muss der Eigentümer gesetzliche und behördliche Sicherheitsregelungen einhalten.

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