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Armut

Die Not ist im Kreis Kelheim vielfältig

Die Zahl der Menschen, die auf Grundsicherung angewiesen sind, steigt. Ein neuer Verein könnte für sie ein Lichtblick sein.
Von Elfi Bachmeier-Fausten

Auch im Landkreis haben so manche Menschen äußerst wenig Geld zur Leben. Foto: dpa
Auch im Landkreis haben so manche Menschen äußerst wenig Geld zur Leben. Foto: dpa

Kelheim.Das Bild von Menschen, die Abfallbehälter durchwühlen, gibt es nicht nur in Großstädten, sondern auch in der hiesigen Region. Die Armut macht auch vor dem Landkreis Kelheim nicht halt. Im Landkreis Kelheim ist noch im Vorjahr der Verein „Freude schenken im Landkreis Kelheim“ für Menschen im Kreisgebiet ins Leben gerufen worden. Die Idee dafür stammt von dem Unternehmer Rudi Studenik aus Teugn, der auch der erste Vorsitzende ist. Der Verein will Menschen unterstützen, die akut, unverschuldet in Not geraten sind.

Der Verein Freude schenken im Landkreis Kelheim hat bereits die Eintragung ins Vereinsregister beantragt. Foto: Studenik
Der Verein Freude schenken im Landkreis Kelheim hat bereits die Eintragung ins Vereinsregister beantragt. Foto: Studenik

Mitte 2017 lebten im Landkreis Kelheim 120 603 Personen. Seit dem Jahr 2015 benötigen hier immer mehr Menschen eine Grundsicherung im Alter. Waren es 2015 noch 320 Personen in 258 sogenannten Bedarfsgemeinschaften (BG), 2016 insgesamt 341 Menschen (in 274 BG) und 2017 dann nach Auskunft des Landratsamtes 375 Personen (in 297 BG). Im Februar waren im Landkreis Kelheim insgesamt 2196 Frauen und Männer arbeitslos.

„Freude schenken im Landkreis Kelheim“

  • Gremium

    Bei dem neuen Verein ist Rudi Studenik Vorstand, Martin Neumeyer 2. Vorstand, Horst Hartmann 3. Vorstand, Dieter Scholz Kassier, Sabine Melbig Schriftführerin, Rudi Studenik jun., Stefan Reng-Wallat und Siegfried Lösch Beiräte

  • Hilfe

    Der Verein unterstützt akut in Not geratene Landkreisbürger. Paten, beispielsweise Nachbarn, Priestern, Lehrern und karitativen Einrichtungen, können sich wegen einer Hilfe an den Verein wenden. Privatpersonen und Firmen können Mitglieder werden.

„Prekäre Lebenssituationen“

Nach Ansicht von Hubert König, Geschäftsführer des Caritas-Kreisverbandes Kelheim, „hat sich die Situation bei den Langzeitarbeitslosen verfestigt“. Nicht nur, dass sie länger arbeitslos seien, sondern „erfahrungsgemäß sind alle finanziellen Reserven weg“.

Hubert König ist der Geschäftsführer des Kreiscaritasverbandes Kelheim. Foto: Bachmeier-Fausten
Hubert König ist der Geschäftsführer des Kreiscaritasverbandes Kelheim. Foto: Bachmeier-Fausten

Bei den sogenannten EU-Ausländern (Menschen aus Bulgarien, Rumänien, Ungarn), die bei der Caritas-Sozialberatung „um Hilfe bitten“, sei aufgrund von Einkommensnachweisen zu sehen, dass diese Menschen „zum Teil in einer prekären Lebenssituation sind“. Asylbewerber mit Aufenthaltsstatus versuchten, eine Arbeit und eine Wohnung zu finden, „dann wird es finanziell eng“.

Soziales

Hier wird die Not Vieler gelindert

Der Freitag ist der Tag der Kelheimer Tafel. Wie die Stimmung ist, liegt daran, wie viele Lebensmittel zur Verfügung stehen.

Entgegen der ursprünglichen Annahme, dass Tafeln nur vorübergehend vonnöten seien, bestehe ein dauerhafter Bedarf dieser Einrichtungen zur Versorgung von Bedürftigen mit Lebensmitteln.

„Durch Strom- und Heizkosten laufen Schulden auf.“

Hubert König, Geschäftsführer des Caritas-Kreisverbands

Wie Hubert König sagt, „sind in den vergangenen zehn Jahren die Kosten für Wohnung und Energie massiv gestiegen“. „Ein neuer Begriff ist Energiearmut. Durch Strom- und Heizkosten laufen Schulden auf.“ Wie auf Nachfrage unseres Medienhauses bei den Stadtwerken Kelheim (SWK) zu erfahren war, 2017 wurde der Strom 56 Mal gesperrt – 235 Sperrungen waren angekündigt, 175 beauftragt und 56 dann vorgenommen. Die Zahlen sind laut SWK-Pressesprecherin Inga Theurich in den vergangenen fünf Jahren leicht angestiegen. „Wir können nicht sagen, wer aus reiner Geldnot nicht zahlen kann.“ Als mögliche Gründe nennt sie „schlechte Zahlungsmoral, das Vergessen von Überweisungen oder Verständigungsprobleme ausländischer Mitbürgern.

Zurück zum Personenkreis, der mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Es gebe mehr Rentner, „die im Erwerbsleben nicht durchgängig gearbeitet haben“. Sie bekämen daher eine geringe Rente. Diese Manschen haben laut König „oft Scham, Grundsicherung zu beantragen“. Die größte Personengruppe bei der Caritas-Sozialberatung sind Alleinerziehende – „in der Regel Frauen“. „In Armut zu leben, ist schwierig.“ Dies habe auch Auswirkung auf die Bildung der Kinder, so Caritas-Kreisgeschäftsführer Hubert König.

Die Geschäftsführerin des Kreisverbandes Kelheim der Arbeiterwohlfahrt, Sandra von Hösslin Archivfoto: Gabi Hueber-Lutz
Die Geschäftsführerin des Kreisverbandes Kelheim der Arbeiterwohlfahrt, Sandra von Hösslin Archivfoto: Gabi Hueber-Lutz

Sandra von Hösslin, Geschäftsführerin des Kelheimer Kreisverbandes der Arbeiterwohlfahrt (AWO), kennt auch die finanziellen Nöte von Familien. Die AWO unterstütze beispielsweise durch Essenspatenschaften für Kinder, wenn Eltern die Verköstigung an der Schule oder in einem Hort „nicht bezahlen können“.

Unterstützung für Kinder

„Viele Familien sind bemüht, selbst ihr Leben zu finanzieren. Da hilft eine Essenspatenschaft sehr viel. Uns ist schon wichtig, dass es direkt die Unterstützung für das Kind gibt.“ Wie Sandra von Hösslin sagt, „sind auch Schulfahrten für Familien ein Riesenproblem.“ In solchen Fällen unterstützte die AWO ebenfalls „schon oft“. Wenn Schicksalsschläge durch Unfälle und Krankheit eines Elternteils Familien treffen, „kümmern sich immer die Ortsvereine um die Notfälle“.

„Ich kann auf alle Fälle feststellen, dass die Kluft zwischen Arm und Reich immer mehr auseinandergeht im Landkreis Kelheim.“

Martina Mayer, Geschäftsführerin des VdK-Kreisverbandes Kelheim

In welch schwieriger Lage auch Landkreisbewohner sind, weiß Martina Mayer, Geschäftsführerin des VdK-Kreisverbandes Kelheim. „Ich kann auf alle Fälle feststellen, dass die Kluft zwischen Arm und Reich immer mehr auseinandergeht im Landkreis Kelheim. Ich habe oft schon das Gefühl, dass kranke Menschen in Stich gelassen werden, zum Beispiel durch die Ablehnung von Erwerbsminderungsrenten.“ Durch Wartezeiten bis zu einer Entscheidung seien Personen, trotz schwerer Erkrankung „monatelang im Ungewissen, wie es finanziell weitergeht“. Zur Gründung des neuen Vereins „Freude schenken im Landkreis Kelheim“, sagt Mayer: „Super!“

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