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Kriminalität

Diebe kamen im Dunkel der Nacht

In Bachl klauen Profis in einem Solarpark Module im Wert von 25 000 Euro – die sind wohl auf dem Weg nach Osteuropa.
Von Johannes Heil

Begehrtes Diebesgut: Solarmodule sind im Visier von Diebesbanden.
Begehrtes Diebesgut: Solarmodule sind im Visier von Diebesbanden. Symbolfoto: dpa

Bachl. Es ist eine kalte Nacht Anfang November, der Morgen beginnt bald zu grauen. An der Solaranlage in Bachl, direkt neben der Autobahn 93, beginnt eine Gruppe Männer eine größere Operation: Auf der Südseite des Geländes haben sie eine Schwachstelle an dem Zaun, der die Anlage umgibt, ausgemacht. Sie gehen ans Werk. An zwei Punkten biegen sie den Zaun auf. Ein paar geübte Handgriffe – schon sind sie auf dem Gelände.

Ein Lkw wartet derweil außerhalb des Solarparks. Mit kühler Berechnung machen sich die Täter dann an die schwere Arbeit. Insgesamt 120 Module schleppen sie hinaus zu ihrem Lastwagen – es muss ein beträchtlicher logistischer Aufwand gewesen sein. Schließlich sind es insgesamt über zwei Tonnen Gewicht, die verladen werden wollten.

Störungsmeldung gegen 8 Uhr

Gegen 8 Uhr am Morgen meldet die Anlage dann eine Störung, da sind die Täter aber wohl schon über alle Berge. Erst am Nachmittag um 15 Uhr fällt dem Eigentümer der Schaden auf und meldet ihn der Polizei. Diese geht davon aus, dass die Täter mindestens zwei Stunden am Werk waren. Die Platten sind wertvoll – die gestohlenen Module haben einen Wert von rund 25 000 Euro – und können nicht einfach so auf eine Ladefläche geworfen werden, sondern müssen achtsam verladen werden. Einziger Anhaltspunkt für die Polizei: Reifen- und Fußspuren am Tatort. Eins ist klar: Hier wusste jemand, was er tat.

Es ist beileibe kein Einzelfall. „Es sind organisierte Banden, die es auf die Solarparks abgesehen haben“, sagt Frank Fiedler, der Chef einer Photovoltaik-Firma aus Thüringen. Er hat, um die Anlagen zu schützen, eine Photovoltaik-Diebstahldatenbank ins Leben gerufen. Dort kann man seine Photovoltaikprodukte registrieren lassen. Das Ziel ist, Dieben den Verkauf von Hehlerware zu erschweren und die Polizei schnell und unkompliziert zu unterstützen.

Verkauf auf dem Schwarzmarkt

Meistens kämen die Gruppen aus dem osteuropäischen Raum, sagt Fiedler. Dorthin würde das teure Diebesgut dann „in 99 Prozent der Fälle“ auch transportiert. „In Osteuropa wird es dann auch auf dem Schwarzmarkt weiterverkauft“, sagt Fiedler weiter. Von 2011 bis Ende 2014 seien deutschlandweit durch den Diebstahl von Solarmodulen ein Gesamtschaden von mehr als 15 Millionen Euro entstanden, heißt es auf der Webseite von Fiedlers Firma.

Josef Moosreiner vom Landeskriminalamt in Bayern bestätigt, dass es sich bei den Tätern meist um Banden aus dem osteuropäischen Ausland handelt. Vor allem vor zehn Jahren sei der Diebstahl von Solarmodulen ein „großes Thema“ gewesen. Mittlerweile jedoch hätte sich die Lage wieder etwas beruhigt. „Die Betreiber der Anlagen haben mittlerweile die Sicherheit besser im Blick und haben auch dementsprechend investiert“, sagt Moosreiner. Die Video- und Freigeländeüberwachung ist jedoch alles andere als ein Schnäppchen: „Oft muss man sich dann als Betreiber sich, die Frage stellen, ob sich das alles dann auch rentiert“, sagt Moosreiner.

Prozess 2015

  • Urteil:

    Der Kopf einer rumänischen Bande, die sich auf den Diebstahl von Solarpaneelen spezialisiert hatte, wurde im Juli 2015 vor dem Regensburger Landgericht zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von viereinhalb Jahren verurteilt worden. Der 43-jährige Angeklagte hatte ein Geständnis abgelegt.

  • Vorgehen:

    Laut Anklage agierte der verheiratete Elektriker nicht in Deutschland, sondern plante und organisierte die Beutezüge seiner sechsköpfigen Diebesbande von Rumänien aus. Er stellte seinen Männern Werkzeug, Handschuhe, Handy-SIM-Karten, Bargeld und Transportpapiere zur Verfügung.

  • Niederbayern:

    Im Dezember 2013 fuhr die Bande mit drei Transportern zum Solarpark in Straßkirchen (Lkr. Straubing-Bogen). Sie durchtrennten den Zaun und rissen insgesamt 252 Solarmodule im Wert von rund 50 000 Euro aus den Halterungen. Die Platten wurden nach Ungarn gebracht.

  • Schaden:

    Bereits im September und November 2013 hatte die Bande einen Solarpark in Gremsdorf/Buch (Lkr. Erlangen-Höchstadt) in wechselnder Besetzung gleich dreimal heimgesucht. Hier entwendeten sie auf ähnliche Weise fast 500 Solarpaneele im Gesamtwert von etwa 115 000 Euro.

Die Lage war vor zehn Jahren derart eskaliert, dass sich das Bayerische Landeskriminalamt dazu gezwungen sah, Sicherheitsempfehlungen zum Diebstahl von Photovoltaikanlagen zu veröffentlichen. In dem Schreiben, das aus dem September 2007 datiert, heißt es: „Auch zur Montage bereitgestellte Anlagenteile werden aus Lagerhallen, Feldscheunen und Transportfahrzeugen entwendet.“ Sogar die private Anlage auf dem Dach konnte man nicht sicher wähnen: „Ziel der Diebesbanden können aber auch gut erreichbare Dachflächenanlagen sein.“

Entwarnung für private Anlagen

Für private Anlagen kann Moosreiner vom LKA aber Entwarnung geben. „Es ist sehr schwer, von einem Dach in einer Siedlung unbemerkt ein Solarmodul zu entfernen“, sagt er. Gefährdet seien nun in erster Linie Anlagen auf freiem Feld und mit guter Verkehrsanbindung. Ein Kriterium, das wahrscheinlich auch der Anlage in Bachl zum Verhängnis wurde: Die Nähe zur Autobahn machte es den Tätern leicht, die Solarparks zu erreichen. In den Sicherheitsempfehlungen aus dem Jahr 2007 heißt es vonseiten der Polizei weiter: „Der Faktor Zeit spielt für Solarmodul-Diebe eine wichtige Rolle, der insbesondere durch mechanische Sicherungen beeinflusst werden kann. Vor allem auf die Befestigung solle besonderer Wert gelegt werden, so dass sich die Module nur mit Spezialwerkzeug oder durch Zerstörung lösen lassen.

Zufahrtsbarrieren oder Überwachungsanlagen könnten einen Diebstahl ebenfalls verhindern. Doch all diese Faktoren bieten niemals eine 100-prozentige Sicherheit. Und auch wenn der Höhepunkt der Solarmodul-Diebstähle schon vorbei ist, so ist das Thema dennoch noch immer aktuell, wie der Fall in Bachl deutlich beweist.

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