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Soziales

Ehrlich sein, auch wenn es wehtut

Als Bundesfreiwilligendienstler ist der 19-jährige Moriz Damjantschitsch im Abensberger Rathaus und im Jugendzentrum Gleis 1 der Mann für alle Fälle.
Von Stephanie Thaler, MZ

  • Auch Laub zusammenfegen gehört zum Bundesfreiwilligendienst. Foto: Koller-Ferch
  • Im Büro des Gleis 1 sitzt Moriz am Laptop.
  • Der Getränkevorrat wird aufgestockt.
  • Im Sandkasten entsteht eine Landschaft mit Besenbaum.
  • Moriz spielt mit den Schülern im Freien.

Abensberg.Moriz hört am liebsten Punk. Rancid, zum Beispiel, eine US-amerikanische Skapunkband, die schon 1995 mit ihrem Album „And Out Come the Wolves“ dafür gesorgt hat, dass T-Shirts durchnässt und Konzertbesucher am Ende vollkommen fertig waren – und entspannt und zufrieden in den Hallenecken saßen. Im Gleis 1 organisiert der 19-Jährige selbst Konzerte, zusammen mit Anja Datzer und Stefan Kern, die das Jugendzentrum leiten.

Seit Anfang September ist Moriz als Bundesfreiwilligendienstler bei der Stadt. Im Rathaus hilft er Katrin Koller-Ferch, die das Ressort Jugend, Bildung und Generationenarbeit leitet. Beim Herbstmarkt hat er zum Beispiel eine Bilderjagd für Kinder vorbereitet. Dazu hat er einen Flyer mit Fotos von Abensberger Geschäften erstellt, in denen Buchstaben versteckt waren. Die sollten die Kinder finden und zu einem Lösungswort zusammensetzen.

Parties brauchen einen Plan

Das Rathaus ist aber nur eine von Moriz’ Wirkstätten. Im Gleis 1 ist er der Mann für alle Fälle. Er hält Ordnung, fegt im Garten Laub zusammen und teilt Personal für den Getränkeausschank ein, wenn Konzerte sind. Im Sommer, als er noch nicht beim Bundesfreiwilligendienst, dafür aber bereits im Mitgliederverein des Jugendzentrums war, hat er drei Wochen lang mit anderen zusammen die „Scool’ s out“-Party vorbereitet. Am Ende waren 200 Leute da, erzählt er. Jugendliche, aber auch ältere Menschen und Familien haben sich die „Bolzen Beer Band“ aus Nebraska, „Ratisbona Calling“ aus Regensburg und „Simeon Soul Charger“ aus Ohio angehört. Jetzt hat Moriz gerade die Halloween-Party organisiert und auch das hat eine Weile gedauert, denn alles muss gut durchgeplant sein.

Den Bundesfreiwilligendienst kann sich der 19-Jährige als Vorpraktikum für die Heilerziehungspflegeschule anrechnen lassen. Er hatte die Wahl zwischen einem freiwilligen sozialen Jahr, einem Praktikum oder dem Bundesfreiwilligendienst, für den er sich dann einfach so entschieden hat – warum, wisse er nicht genau.

Als Bundesfreiwilligendienstler besucht Moriz Seminare, die das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben anbietet. Hier lernt er, wie er die Veranstaltungen des Jugendzentrums im Netz aussagekräftig bewerben kann, wie er eine große, und vor allem die richtige Zielgruppe erreicht, welche Inhalte man auf Facebook veröffentlicht – und welche besser nicht, um die Dinge im rechten Licht erscheinen zu lassen. Darüber hinaus werden bei den Seminaren politische Themen besprochen – Menschenrechte zum Beispiel.

Den Plan, Heilerziehungspfleger zu werden, hat Moriz erst zwei Jahre nach dem Realschulabschluss gefasst. In Regensburg hatte er eine Lehre zum Musikfachhändler angefangen, dann aber schnell gemerkt, das das nicht das Richtige für ihn ist. Bei einer berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme in Kelheim hat er sich für die soziale Richtung entschieden und die Berufe Erzieher, Pfleger und Heilerziehungspfleger verglichen. Bei der Ausbildung zum Heilerziehungspfleger waren Fächer dabei, die ihm gefallen, wie zum Beispiel Medizinpsychologie.

Klarheit statt Verweichlichung

Nach Praktika im Berufsbildungswerk, in der Cabrini- und der Prälat-Michael-Thaller-Schule war er von seiner Wahl überzeugt und wird im September 2015 in Abensberg mit der Ausbildung beginnen – nach einem weiteren Vorpraktikum. Das macht er entweder an einer Schule, vielleicht aber auch als Streetworker in Asien, Afrika oder Südamerika. Das Angebot sei da, erzählt der 19-Jährige. Er könnte dann Gestrandeten und Drogensüchtigen helfen.

Moriz’ soziale Einstellung spiegelt sich auch in den Werten wider, die der Abensberger für das Funktionieren der Gesellschaft am wichtigsten findet: Ehrlichkeit und Gleichberechtigung. „Jeder sollte die gleichen Chancen haben – ob er sie dann nutzt, bleibt jedem selbst überlassen“, sagt er. Und nur, wer ehrlich sei und Kritik deutlich äußere, könne tatsächlich etwas bewirken – auch wenn Direktheit manchmal wehtue. Aber eine Alternative gebe es nicht, denn: „Wenn die Menschen nicht klar sagen, was sie denken, verweichlichen sie.“

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