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Umwelt

Ein Mädchenclub für Tiere und Natur

Anna, Steffi, Anika, Kristina und Antonia finden: Tiere sollen nicht geboren werden, um für den Menschen zu sterben – und werben für mehr Respekt.
von Stephanie Thaler, mz

Die Sechstklässlerinnen legen Wert darauf, ihre Meerschweinchen, Hunde und anderen Haustiere artgerecht zu halten. Foto: Eichinger

Abensberg.In der Pause vor dem Sportunterricht hat es angefangen. Da haben sich Kristina, Anna, Steffi, Anika und Antonia zum ersten Mal darüber unterhalten, dass es echt ungerecht sei, wenn Tiere zu Versuchskaninchen werden. Von ihrem Onkel, der am Uniklinikum in Würzburg arbeitet, hat Anna gehört, dass dort an Ratten Medikamente getestet werden und wie das abläuft. Sie erzählte es ihren Freundinnen, die auch schon im Fernsehen und aus Zeitschriften von Tierversuchen erfahren hatten.

Die Mädchen waren sich einig: Sie wollten etwas tun, um Tieren zu helfen. „Schließlich sind sie unsere Verwandten“, sagt Steffi. Nur ist es gar nicht so einfach, gegen Tierversuche vorzugehen. Schimpansen, an denen Lidschatten getestet wird, aus ihren Käfigen zu befreien – so etwas geht auf legalem Weg nicht, auch wenn Tierliebhaber es gerne tun würden.

Die Sechstklässlerinnen entschlossen sich, dort zu helfen, wo es ihnen möglich ist. Sie gründeten einen Natur- und Tiere-Club und schrieben Briefe an ihre Mitschüler. Darin baten sie jede Familie, einen Kuchen zu spenden, und fast jeder Schüler brachte etwas Selbstgebackenes mit.

Frisches Futter für das Katzenhaus

Kristina, Anna, Steffi, Anika und Antonia verkauften in zwei Pausen an ihrer Schule, dem Johannes-Nepomuk-Gymnasium in Rohr, die Kuchenstücke für je einen Euro. So bekamen sie an einem Tag rund 200 Euro zusammen. Das Geld übergaben sie an das Katzenhaus in Abensberg, damit frisches Futter, Spielzeug und Tierarztgebühren für die Katzen bezahlt werden konnten. In dem Haus leben rund 40 Katzen, die ausgesetzt oder von ihren Besitzern schlecht behandelt wurden.

Steffi hat selbst auch viele Tiere. Im Moment sind es zwei Hühner, ein Hahn, zwei Meerschweinchen und ein Hund. Sie hatte aber auch schon bis zu 14 Haustiere, unter anderem zwei Katzen, vier Wüstenrennmäuse und mehrere Hasen. Kristina hat zwei Leguane, von denen der größere einen Meter lang ist. Dann leben bei ihr noch zwei Katzen und Fische. Anika hat zwei Degus – Nagetiere aus der Gattung der Strauchratten, deren Heimat Chile ist. Degus leben in den Bergen. Sie bewegen sich viel und klettern gern. In ihren Käfig hat Anika viele Treppen eingebaut, die die Tiere auf und ab laufen können. Auch ein Laufrad haben sie. Das darf aber nicht aus Holz sein, weil sie es sonst die ganze Zeit anknabbern würden.

Anna hat zwei Zwergkaninchen. Sie leben in einem Stall in ihrem Zimmer. Durch eine Röhre ist er mit einem Außengehege auf dem Balkon verbunden. Die Kaninchen können rein und raus, wann sie wollen. Nur im Winter nicht. Da wird die Röhre abgebaut, weil es auf dem Balkon zu kalt ist. Eines der Kaninchen hat Anna von Wirtsleuten in Österreich. Sie verschenken die Jungtiere, die ihre Kaninchen bekommen. Die Tiere, die übrigbleiben, werden zu einem Braten für die Wirtshausgäste. Vor diesem Schicksal hat Anna das Kaninchen bewahrt.

Aus Liebe zu Tieren essen Steffi und Anna seit einem Jahr kein Fleisch mehr. Steffi sagt: „Ich kann nicht eine Kuh auf der Wiese stehen sehen und mir vorstellen, dass ich einmal ein Stück aus ihrem Rücken esse.“ Auch Kristina und Anika überlegen, ob sie nicht ganz auf Fleisch verzichten sollen. Weniger als früher essen sie sowieso schon.

Anna hat im Namen des Natur- und Tiere-Clubs einen Artikel für die Schülerzeitung geschrieben, indem sie die Schüler des Johannes-Nepomuk-Gymnasiums dazu aufruft, gegenüber Natur und Tieren mehr Respekt zu zeigen. Der Mensch sei Teil der Natur und könne ohne die Tier- und Pflanzenwelt nicht überleben, argumentiert sie. Deshalb sollten Tiere nicht dazu geboren werden, „um für den Menschen zu sterben“.

Der Club hat neue Ideen

Für 2014 haben die Mitglieder des Natur- und Tiere-Clubs wieder eine Aktion geplant. Im Advent möchten sie an ihrer Schule einen Spenden-Adventskalender aufstellen. In ihm befinden sich von Eltern gestiftete kleine Geschenke, wie zum Beispiel selbst gestrickte Wärmesocken. Die Schüler können Lose kaufen, mit denen sie ein Türchen gewinnen können. Der Erlös aus dem Losverkauf soll Tieren zugute kommen. Aber auch schon bevor es Advent wird, wollen Kristina, Anna, Steffi, Anika und Antonia mit ihrem Natur- und Tiere-Club weitermachen. Was sie in diesem Jahr alles tun, um Tieren zu helfen – das denken sie sich gerade aus.

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