MyMz
Anzeige

Abensberg macht Strom künftig selbst

Der Stadtrat stimmte für ein Projekt, an dessen Ende die Kommune zu 100 Prozent energieautark ist – und das CO2-frei.
von Benjamin Neumaier

Bei der Abensberger Energiewende soll unter anderem das E-Werk an der Liebesinsel reaktiviert werden. Foto: Stadtarchiv Abensberg
Bei der Abensberger Energiewende soll unter anderem das E-Werk an der Liebesinsel reaktiviert werden. Foto: Stadtarchiv Abensberg

Abensberg.Abensberg will energieautark werden – und hat den Weg dafür bereitet. Dr. Uwe Brandl hoffte auf „ein eindeutiges Signal“ – das bekam er am Montagabend von den Abensberger Stadträten im nicht-öffentlichen Teil der Sondersitzung. 14 zu 7 lautete das Abstimmungsergebnis. SPD, Grüne und FDP votierten dagegen, CSU, die Fraktion Abensberg Land, Junge Liste/ABBA und UWL waren dafür. Die Freien Wähler fehlten in der Sitzung.

Die Stadträte schickten somit die Idee der lokalen Energiewende in der Babonenstadt auf die Reise. Unter dem Arbeitstitel „CO-freies Abensberg – ein Projekt für Abensberg und Bayern“ soll die Kommune auf lange Sicht energieautark werden – mit Strom aus erneuerbaren Energien. Und die Abensberger sollen dabei sogar sparen können.

Strom erzeugen und vermarkten

„Es geht darum, die Stromerzeugung und -vermarktung als Stadt selbst zu übernehmen. Und zwar mit lokalem, zu 100 Prozent grünem Strom von groß- und Kleinerzeugern“, sagt Dr. Uwe Brandl. Essenziell sei dabei, Erzeuger und Verbraucher in einem Pool zusammenzufassen. Die Wertschöpfung soll damit innerhalb der Kommune oder des Landkreises bleiben. Man wolle die Teilbereiche Strom, Wärme und Verkehr vernetzen und legt den Fokus dabei auf die fünf Unterkategorien Photovoltaik, lokaler Strommarkt, Stromspeicher, Mobilität und Wärme.

Wärmeversorgung ist defizitär

  • Erster Ansatz:

    Ansätze zur Energiewende in Abensberg gab es bereits – unter anderem die Wärmeversorgung durch die Stadtwerke. Die wurde 2010 eingeführt, arbeitet aber seitdem defizitär. Eine Untersuchung der Bayernwerk Natur GmbH, deren Ergebnisse Bayernwerk-Vertreter Marcel Augustin 2015 im Werkausschuss vorstellte kommt zum Schluss, dass fatale Fehler des Planers der Anlage ursächlich sind.

  • Problem:

    Die Anlage war ursprünglich zur Versorgung von drei Liegenschaften geplant, wurde dann ad hoc wegen Straßenausbauten vergrößert. Die Berechnungen des Planes bezogen sich aber auf die kleine Anlage. Hier wurden auch bei der Berechnung der Gestehungskosten bereits Fehler gemacht. Das Problem im Nachgang: „Die Verträge mit Bestandskunden laufen noch Jahre, eine Änderung wird wohl keiner akzeptieren, wäre sie doch mit enormen Mehrkosten für ihn verbunden“, stellte Augustin damals fest.

  • Fehler:

    Der wohl schlimmste Fehler in der Kalkulation: Die mit Holz (Pellets) betriebene Anlage setze nur zu 25 Prozent bei der Kalkulation auf den Holzpreis. Der sei zudem in den vergangenen Jahren entgegen des ursprünglich vorhergesagten Trends stark gestiegen, stellte Augustin fest.

  • Beschluss:

    Der Werkausschuss votierte 2015 einstimmig dafür, die Verträge der Stadtwerke zur Wärmeversorgung zu ändern, den Bereitstellungspreis auf 72 Euro pro Kilowatt Anschlussleistung und Jahr zu erhöhen (bislang 49,30 Euro), den Arbeitspreis pro Megawattstunde auf 52,80 Euro festzusetzen (bisher 44,25 Euro). Kostendeckend zu arbeiten, war aber auch mit diesen Preisen nicht möglich.

  • Nachzahlung:

    Unterm Strich machte das eine Nachzahlung in Höhe von rund 51 000 Euro aus – für die Jahre 2010 bis 2014. Das Geld floss von der Stadt in den Haushalt der Stadtwerke.

Im Rahmen von Pilotprojekten sollen einzelne Verfahren entwickelt getestet, evaluiert und auf ihre wirtschaftliche Tragfähigkeit untersucht werden. Ziel ist es laut dem der Mittelbayerischen Zeitung vorliegenden Positionspapier „Blaupausen für andere Kommunen zu entwerfen und den Partnern aus der Wirtschaft die Möglichkeit zu geben, ihre Ansätze im Echtzeitbetrieb in die Produkt- und Serienreife zu bringen.“

Partner und externe Expertisen sind laut Brandl „unerlässlich. Das können wir personaltechnisch und auch vom Knowhow nicht selbst stemmen“. Es geht um langfristige strategische Partnerschaften.

Der Abensberger Bürgermeister Dr. Uwe Brandl Foto: Britta Pedersen/dpa
Der Abensberger Bürgermeister Dr. Uwe Brandl Foto: Britta Pedersen/dpa

Ein Partner bei der Umsetzung der CO2-freien Energieversorgung sei die Bayernwerk AG. Sie habe angeboten, „gemeinsam einen wissenschaftlich experimentellen Weg zu beschreiten, an dessen Ende die energieautarke Gemeinde steht“, ist im Positionspapier zu lesen. Übergeordnetes Ziel ist die Gründung einer gemeinsamen Gesellschaft, in die in den kommenden beiden Jahren Pilotprojekte realisiert werden: Angedacht sind etwa die Umsetzung eines Energiemonitorings, die Weiterentwicklung von Stromspeichern, intelligente Straßenbeleuchtung, ein digitaler Energienutzungsplan, E-Mobilität und eine Teststrecke für autonomes Fahren, ein gläsernes, voll funktionsfähiges Wasserkraftwerk oder auch eine Ökowerkstatt. (siehe auch Seite 30)

Zur Überprüfung der Ergebnisse und zur wissenschaftlichen Begleitung soll das Projekt vom Institut für Energietechnik IfE GmbH unterstützt werden.

Ohne Fördermittel geht es nicht

Auf dieser wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Basis versuche man auf Fördermittel der EU, des Bundes und des Landes zur Finanzierung des millionenschweren Projektes zurückzugreifen, erklärt Brandl. Ohne sei das Projekt nur sehr schwer umsetzbar.

Starten will die Stadt mit der Umsetzung bereits zu Beginn des kommenden Jahres. Brandl wolle „den Bürgern sozusagen schlüsselfertige Angebote anbieten, die von lokalen Firmen umgesetzt werden“. Letztlich solle das Energiewende-Projekt innerhalb von zwei Jahren eine schwarze Null schreiben. Stichtag dafür ist der 31. Dezember 2020. Brandl denkt aber in Etappen: „Wir wollen im Einführungsjahr 500 Nutzungsverträge generieren. Bis Ende 2020 sollten es dann 1200 sein – dann hätten wir, laut Kalkulation, eine schwarze Null.“ Geködert werden sollen erste Kunden über den Preis. Der soll laut Bürgermeister Brandl vier bis fünf Prozent unter den gängigen Tarifen liegen. Dazu werde die Kommune als Vermarkter selbst auf branchenübliche Provisionen verzichten.

Ziel: 100 Prozent Strom selbst erzeugen

Aktuell könne die Stadt mit dem in Abensberg und den Ortsteilen erzeugtem Strom rund 60 Prozent des Verbrauchs abdecken. „Hier 100 Prozent zu erreichen, ist kein Problem“, ist sich Brandl sicher und spricht dabei von einer „bilanziellen Autarkie“. Wenn es jedoch darum geht, wie viele Bürger dann auch den in der Kommune erzeugten Strom nutzen – laut Brandl die „faktische Autarkie“ – backt der Bürgermeister kleinere Brötchen. „100 Prozent sind absolut utopisch. Langfristig gesehen, wäre ich mit 60 Prozent mehr als zufrieden.“

Weitere Nachrichten aus Abensberg finden Sie hier

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht