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Die Hausaufgaben der Kommunen stehen

Energienutzungsplan für Kommunen im Kreis Kelheim: Nun liegt es an Politik, Bürgern und Firmen, was umgesetzt wird.
Von Beate Weigert

Auf unserem Foto wächst eine Durchwachsene Silphie, eine Energiepflanze mit hohem Biomasseanteil, vor einem Strommasten.
Auf unserem Foto wächst eine Durchwachsene Silphie, eine Energiepflanze mit hohem Biomasseanteil, vor einem Strommasten. Foto: J.-P. Strobel/dpa

Kelheim.Was Städte und Gemeinden im Landkreis Kelheim konkret tun können, um Energie zu sparen, die Effizienz zu verbessern oder um selbst Erneuerbare Energie zu erzeugen, das halten Bürgermeister und Verwaltungsmitarbeiter nun schwarz auf weiß in Händen. Energiewende müsse mehr sein als Lippenbekenntnisse, betonte Landkreis-Bürgermeister-Sprecher Herbert Blascheck bei der Vorstellung des Energienutzungsplans für die Kommunen im Landkreis im Landratsamt. Damit ist die Region laut Kreis-Klimaschutzmanagerin Christine Götz eine der ersten im Umkreis, die so etwas vorweisen kann.

Wichtiger Bestandteil sind Maßnahmenkataloge für jede Gemeinde. So seien jeweils zwei bis fünf ganz konkrete Beispiele erarbeitet worden, erkläuterte Prof. Markus Brautsch von der OTH Amberg-Weiden, der mit dem Institut für Energietechnik für den externen Blick und die Analyse verantwortlich zeichnete.

Photovoltaik auf Kläranlagendächer

Beispiele für solch angedachte kommunalen „Hausaufgaben“ sind etwa Sanierung und Heizungstausch in kommunalen Liegenschaften, die Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf LED, die Realisierung möglicher Nahwärmeverbundlösungen in Ortskernen oder Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern von Kläranlagen zur Eigenstromnutzung. Die Rentabilität von Letzterem wurde exemplarisch für alle Kommunen am Beispiel Langquaids berechnet. Dort will man eine solche umsetzen, so Blascheck. Beim Bau der Klärschlammpressanlage 2014 sei das Dach entsprechend dimensioniert worden.

Auch für interkommunale Zusammenarbeit gebe es „klassische“ Potenziale, so Brautsch. Etwa bei der Klärschlammtrocknung. Mehr als Überlegungen oder Konzepte gebe es laut Blascheck bei den Kommunen dazu aktuell aber noch nicht. Das sei noch Zukunftsmusik.

Riedenburgs Bürgermeister Siegfried Lösch war – von seinen Kollegen gewählt – ebenfalls Mitglied der Steuerungsgruppe. Seine Idee Sportvereinen bei der Umrüstung ihrer Flutlichtanlagen zu unterstützen, dürfte in vielen Gemeinden auf der To-Do-Liste stehen.

Um den energetischen Ist-Zustand im Landkreis zu erfassen, flossen Daten von Kommunen, Energieversorgungern und Stadtwerken, Industriebetrieben, teils von Kehrbezirken der Kaminkehrer und anderen regionalen Akteuren wie dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten oder Biogasanlagen-Betreibern ein.

In der Summe verbrauchen demnach alle Verbrauchergruppen jährlich gut 550 000 Megawattstunden (MWh) Strom, gut 1,3 Mio. MWh Erdgas, gut 700 000 MWh Heizöl und mehr als 200 000 MWh Energie erzeugt aus Biomasse. Sonstige Energieformen fallen kaum ins Gewicht. Der immense Erdgas-Verbrauch geht laut Brautsch auf einige wenige industrielle Verbraucher zurück. Aktuell werden hierzulande alles in allem jährlich 2,9 Mio. MWh Energie verbraucht. Etwa 400 000 MWh ließen sich laut Prof. Brautsch einsparen.

Der CO-Ausstoß liegt – ohne Verkehr – bei rund 802 000 Tonnen jährlich. 161 000 Tonnen weniger pro Jahr wären allein durch Effizienzsteigerung und Einsparung drin, errechneten die Experten. Durch den Ausbau erneuerbarer Energien könnte man den Ausstoß um mehr als die Hälfte reduzieren. Trotz des großen Industrieanteils liege der Pro-Kopf-CO-Ausstoß aktuell mit sieben Tonnen jährlich laut Brautsch nur geringfügig über dem bayerischen Durchschnitt von rund 6,5 Tonnen. Ehrgeiziges, aber laut Brautsch machbares Ziel könnten 3,3 Tonnen pro Kopf und Jahr bis 2030 sein.

In Sachen Strom sei viel im Landkreis passiert, so Brautsch. Der Anteil erneuerbaren Stroms liege aktuell bei 51 Prozent. Der Großteil davon (31 Prozent) entsteht durch Photovoltaik, weitere 17 Prozent aus Biomasse, Wasser, Deponiegas oder Wind spielten eine sehr untergeordente Rolle.

Bei der Stromerzeugung in diesem Bereich zeichnete Brautsch ein positives Bild. Der Landkreis könne bis 2030 sogar Strom in andere Regionen exportieren. Von Autarkie sei trotzdem nicht zu sprechen, „denn wir werden es nicht zu jeder Stunde schaffen, das ist utopisch“.

Beim Wärmebedarf sehe es dagegen komplett anders aus. Das Potenzial sei bereits heute nahezu erschöpft. Wenn man eine Vollversorgung auf erneuerbarer Basis anstrebe, müsse die Energie von außen kommen. Bei so großem industriellen Verbrauch sei dies nicht anders zu stemmen.

Motivation und Zuckerl für Bürger

Nun liegt es an Bürgermeistern, Gemeinde- und Stadträten, aber auch Privatleuten und Unternehmen, was aus dem vorliegenden „Fahrplan“ tatsächlich wird. Denn nur mit dem Umstellen der Straßenbeleuchtung ist die viel zitierte Energiewende laut Prof. Brautsch nicht zu schaffen. Langquaid und Riedenburg nehmen das Thema sehr ernst, betonen deren Bürgermeister. Herbert Blascheck und Siegfried Lösch wollen mit guten Beispiel vorangehen, um Multiplikator und Motivator zu sein.

Auch wenn sich die Energiewende für Kommunen zuweilen ähnlich „müßig“ gestaltet, wie für Privatleute, wie Lösch zugibt. Denn schließlich müssen die Maßnahmen immer auch wirtschaftlich sein und zum jeweiligen „Stadtsäckel“ passen. Er hofft, dass die von Brautsch zitierten Förderprogramme vom bayerischen Wirtschaftsministerium und der KfW Projekte erleichtern werden.

Apropos motivieren: Die Experten haben für die Landkreis-Bürger einen Sanierungsrechner erstellt. Mittels weniger Angaben soll er unkompliziert aufzeigen, wo Sanierungen lohnen. Und so die Hemmschwelle, sich des Themas anzunehmen, senken. Ab August soll er laut Christine Götz auf der Landkreis-Website zu finden sein.

Wärmekataster, Detail-Analysen

  • Im Juni 2013

    hatte der Kreisausschuss beschlossen, für 18 der 24 Gemeinden im Landkreis Kelheim einen Energienutzungsplan erstellen zu lassen. Bad Abbach, Painten, Abensberg, Siegenburg, Neustadt und Biburg hatten zu dem Zeitpunkt bereits einen eigenen Plan bzw. ein Konzept. Sie stellten Daten zur Verfügung. Seit Oktober 2013 wurde mit dem Institut für Energietechnik IfE GmbH daran gearbeitet. Für jede Gemeinde wurde eine Energie- und CO-Bilanz erstellt, zudem wurden Einspar- und Ausbaupotentiale für regionale Erneuerbare Energien analysiert. Je nach Struktur der Gemeinde fallen diese sehr unterschiedlich aus.
    des Energienutzungsplans sind die Wärmekataster für die Kommunen sowie je Gemeinde ein detaillierter gemeindespezifischer Maßnahmenkatalog. Beispielhaft wurden jeweils zwei bis fünf Detailprojekte ausgearbeitet.

  • Federführend waren

    mit der Erstellung betraut Christine Götz, die Klimaschutzmanagerin des Landkreises, ihr Chef Klaus Blümlhuber sowie Prof. Markus Brautsch (Foto oben) und Stephan Bruckner vom Institut für Energietechnik IfE GmbH angesiedelt an der OTH Amberg-Weiden. Zur zentralen Steuerungsrunde gehörten zudem Landkreis-Bürgermeister-Sprecher Herbert Blascheck aus Langquaid und Riedenburgs Bürgermeister Siegfried Lösch. Seine Kollegen hatten ihn dafür gewählt. In den einzelnen Kommunen waren Bürgermeister, Energie- und Umweltbeauftragte sowie die Verwaltungsmitarbeiter der Bauämter involviert.

  • Eine gute Nachricht war für Landrat Dr. Hubert Faltermeier am Rande, dass die Erstellung des Energienutzungsplans zu 70 Prozent vom bayerischen Wirtschaftsministerium gefördert worden ist. 20 Prozent der Kosten übernahmen die Stadtwerke Kelheim.(re)

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