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Frau von Welt managt die Region Kelheim

Julia Schönhärl war Entwicklungshelferin in Sri Lanka oder Jordanien – jetzt ist sie Regionalmanagerin im Landkreis Kelheim.
von Benjamin Neumaier

Klaus Blümlhuber, Geschäftsführer Arge Regionalentwicklung (links) und Landrat Dr. Hubert Faltermeier begrüßen die neue Regionalmanagerin des Landkreises Kelheim, Julia Schönhärl.
Klaus Blümlhuber, Geschäftsführer Arge Regionalentwicklung (links) und Landrat Dr. Hubert Faltermeier begrüßen die neue Regionalmanagerin des Landkreises Kelheim, Julia Schönhärl. Fotos: Neumaier/Archiv

Kelheim.Auf den ersten Blick scheint das nicht so recht zusammen zu passen: Julia Schönhärl, Diplombetriebswirtschaftlerin, arbeitete für die Deutsche Entwicklungshilfe in Mittel- und Südamerika, war als Koordinatorin für den nachhaltigen Gemeindeaufbau im Tsunami gebeutelten Sri Lanke zuständig oder zeichnete als Kommunikationsmanagerin für die Verhinderung von Menschenrechtsverletzungen in der Tourismusentwicklung in Thailand verantwortlich – nun ist sie Regionalmanagerin in Kelheim. Große weite Welt kontra kleiner, heimeliger Landkreis. Irgendwie unpassend, zumindest auf den schnellen ersten Blick.

Auf den zweiten Blick passe es aber eben doch, sagt die gebürtige Freisingerin, die in Regensburg lebt: „Auch wenn ich nach meinem Studium für viele internationale Gesellschaften in der ganzen Welt unterwegs war, klingt das größer, als es letztlich war. Ich war in vielen Gegenden aktiv, in denen eine Stadt der Größe Kelheims einer Metropole gleichgekommen wäre. Die Struktur der Projekte und Konzepte sowie Netzwerkarbeit dort war aber im Grunde ähnlich gestrickt, wie die Themenschwerpunkte, die mich im Landkreis Kelheim beschäftigen. Wobei es natürlich Unterschiede gibt.“

Friedenstourismus im Nahen Osten

Beschäftigte sich die 42-Jährige in den vergangenen Jahren noch als Friedensfachkraft auf den Philippinen, war als Beraterin für die Schaffung eines Konzepts für Friedenstourismus in Jordanien, Palästina und Israel tätig, kam sie mit ihrer Tätigkeit als Referentin für Hochschulsport an der Universität Regensburg zumindest geografisch ihrem jetzigen Arbeitsplatz näher. In Kelheim erwarten sie in Kelheim vor allem die Handlungsfelder „Klima und Energie“ und „Demografischer Wandel“. Die Themen sind dabei vor allem langfristig angelegt. Die Solaroffensive Kelheim zielt darauf ab, „die Planung, Erstellung und Veröffentlichung eines flächendeckenden Solarpotenzialkatasters für den gesamten Landkreis zu schaffen“. Ein weiterer Punkt sind Bürgerenergieberatungen und Informationsveranstaltungen bezüglich Sanierung sowie die Analyse und Planung des Ausbaus der Ladestationen bezüglich E-Mobilität.

Weitgreifende Themenfelder

  • Solaroffensive:

    Eines der Ziele von Regionalmanagerin Julia Schönhärl ist die Planung, Erstellung und zeitgerechte Veröffentlichung eines flächendeckenden Solarpotenzialkatasters für den Landkreis. „Der Bürger soll sehen, ob es sich für ihn lohnt, zu investieren.“

  • E-Mobilitäts-Offensive:

    Informationsveranstaltungen für Bürger und Institutionen für Car-Sharing sind Thema im Bezug auf gesteigerte Elektro-Mobilität. Auch die Analyse und Planung des Ausbaus der Lade-Infrastruktur im Landkreis steht auf der Agenda.

  • Demografischer Wandel:

    „Gesundheitswirtschaft“ steht besonders wegen der älter werdenden Gesellschaft im Fokus. Themen sind Barrierefreiheit, betriebliches Gesundheitsmanagement sowie die Förderung von Gesundheitsnetzwerk und der Telemedizin.

  • Barrierefreiheit:

    „Zukunftsorientiertes bauen und gestalten“ steht in großen Lettern über dem Themenschwerpunkt Barrierefreiheit. Dazu ist der „Aktionstag Mensch 2016“ geplant und ein besonderes Augenmerk auf barrierefreie Arztpraxen gelegt.

  • Gesundheitsnetzwerk und Telemedizinallianz:

    Hier steht eine Bedarfsanalyse und eine Ausarbeitung des Konzepts im Vordergrund. Es gehe darum, den Verbund aus niedergelassenen Ärzten, Krankenhäusern und Spezialkliniken auf- und auszubauen.

Essenziell sei auch die Planung einer Seminarreihe zum Thema betriebliches Gesundheitsmanagement, der Aktionstag Mensch 2016 sowie barrierefreie Arztpraxen. „Ganz oben auf der Agenda steht auch die Analyse und Ausarbeitung des Konzepts für ein Gesundheitsnetzwerk und Telemedizin“, sagt Schönhärl, die laut eigener Aussage „eine gut vorbereitete Situation in Kelheim“ vorgefunden hat. Klimaschutzmanagerin Christine Götz, Schönhärls Vorgängerin, habe viele Projekte angeschoben. „Aber die Welt verändert sich“, sagt Schönhärl, „die Projekte müssen laufend angepasst und verändert werden, damit die Bevölkerung einen Nutzen davon hat. Es ist ein steter Prozess.“

Abschließend wird sie die Themenfelder aber auch deshalb nicht behandeln können, weil ihre Stelle am Wirtschaftsreferat vorerst nur für die Förderperiode 2016 bis 2018 – der Fördersatz durch das Finanzministerium beträgt 60 Prozent – ausgeschrieben ist. Dennoch sieht die Betriebswirtin den Zeitraum als ausreichend an, „begonnene Projekte zu optimieren sowie Strukturen zu schaffen, die auch nach meiner Zeit weiterlaufen.“ Klaus Blümlhuber, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Regionalentwicklung, sieht die „Zielvorstellung und Konzepte klar definiert. Wir werden aber nicht alles in drei Jahren schaffen, eine Perspektive darüber hinaus ist aber durchaus gegeben.“

Viel Arbeit für drei Jahre

Das sieht auch Landrat Dr. Hubert Faltermeier so: „Klima und Energie sind Dauerthemen, Demografie ein Bereich der uns nachhaltig, wenn auch nicht zuvorderst betrifft und der Wandel im Gesundheitsbereich – Telemedizin, Wandel bei niedergelassenen Ärzten, Notfallzentren, Vernetzung von Kreiskrankenhäusern und Spezial-Kliniken – eine riesige Aufgabe. Viel Arbeit für drei Jahre.“

Ob es bei den drei Jahren bleibt oder Julia Schönhärls Stelle eine weitere Förderperiode im Landkreis erlebt, ist dann auch eine politische Entscheidung. Für die 42-Jährige stet aber bereits nach einem Monat am Landratsamt Kelheim fest, dass die weite Welt vorerst ihren Reiz verloren hat: „Ich würde sehr gerne in Kelheim weitermachen, mir gefällt es hier sehr gut – aber das liegt ja nicht nur an mir.“

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