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Stromtrasse im Stillen saniert

Die Hochspannungsleitung zwischen Sittling und Regensburg wurde überprüft – das Großprojekt blieb aber beinahe unbemerkt.
von Benjamin Neumaier

Bei Arnhofen wurde der letzte neue Mast der sanierten Stromtrasse errichtet. Foto: Neumaier
Bei Arnhofen wurde der letzte neue Mast der sanierten Stromtrasse errichtet. Foto: Neumaier

Abensberg.208 Tonnen verbauter Stahl, 259 Kilometer Stromleitungen, 182 überprüfte Strommasten, 2,5 Millionen Euro Kosten – das sind die nackten Zahlen der Stromtrassen-Sanierung zwischen Sittling im Landkreis Kelheim und dem Regensburger Ostbahnhof. Relativ klein wirkt dafür das Baubüro im Hausener Gewerbegebiet, von dem aus das Bayernwerk die Sanierung steuert. Vier kleine Baucontainer stehen dort. In einem sitzt Jürgen Gmeinwieser, der die sogenannte Eislastsanierung leitet.

Elf neue Masten gebaut

Seit September koordiniert der Langquaider von dort die damals angelaufenen Bauarbeiten. „Die Stromleitung wird zukunftsfähig gemacht. Alle 182 Strommasten wurden auf ihre Statik geprüft. Vier Masten mussten wir verstärken – alle im Ostbahnhof – elf Masten neu bauen. 39 Masten wurden erhöht.“ Die Erhöhung war nötig, „weil durch die Leitungen künftig mehr Strom fließt, sie dadurch heißer werden – statt 60 sind es künftig 80 Grad Celsius – und damit weiter nach unten durchhängen können“, sagt Gmeinwieser. Der geringste Abstand zum Erdboden darf sechs Meter nicht unterschreiten.

In Arnhofen wird ein Mast gebaut:

Video: Neumaier

Der letzte neue Mast, er trägt die Nummer 138, wurde am Mittwoch bei Arnhofen aufgestellt. Aus zig Einzelteilen nach Plan zusammengesetzt, „wird er Stück für Stück aufgestockt“, sagt Baukontrolleur Richard Skala. Das passiert per Kran und Manneskraft. In Arnhofen kraxelten fünf Arbeiter quasi meterweise mit dem Mast in die Höhe, schraubten letztlich in luftiger Höhe die Spitze und die Ausleger an. „Das sieht gefährlicher aus, als es ist“, sagt Skala. „Es gibt doppelte Sicherungen. Außerdem sind die Arbeiter und der Kranfahrer ein eingespieltes Team – die machen das nicht zum ersten Mal.“ Das ist in Arnhofen offensichtlich: Der Mast wächst schnell, alles geht reibungslos. Während der neue Mast installiert wird, halten immer wieder Passanten auf der Straße Richtung Pullach, werfen einen Blick auf die Baustelle. Zu auffällig sind die Arbeiten, zu augenfällig das Sicherungsnetz, das die Straße überspannt, um ohne Notiz daran vorbeizugehen.

Weitgehend unauffällig

Dennoch lief das Großprojekt weitgehend unauffällig ab. „Wir arbeiten wenig in besiedeltem Gebiet, sondern weitgehend auf Feld und Flur“, sagt Gmeinwieser. „Das bekommen dann nur die Eigentümer mit“. Und die müssen vorher um Erlaubnis gefragt werden – und nicht nur das. Weit vor den Sanierungsarbeiten wird geplant: Die Berechnungen laufen, Genehmigungen werden eingeholt, Entschädigungen ausgehandelt, Gespräche mit der Regierung oder dem Bauernverband geführt, der Wegebau zu den Baustellen gemacht, der Baugrund untersucht, Materiallager angelegt und, und, und. Alleine das Genehmigungsverfahren dauerte von Juni 2016 bis Juli 2017.

Projektleiter Jürgen Gmeinwieser (l.) und Baukontrolleur Richard Skala leiten die Stromtrassensanierung. Foto: Neumaier
Projektleiter Jürgen Gmeinwieser (l.) und Baukontrolleur Richard Skala leiten die Stromtrassensanierung. Foto: Neumaier

Im Bauverlauf werden Kreuzungspunkte mit Autobahnen, Bundesstraßen oder Bahnlinien sowie Querungen von Erdöl- oder Gasleitungen speziell abgesichert. Dazu werden die Arbeiten extern ökologisch, bodenkundlich und wo nötig archäologisch überwacht. „Wenn es irgendwo etwa Bodenbrüter oder Eidechsen gibt, wird versucht, zeitlich passend zu arbeiten oder die Tiere umzusiedeln“, sagt Gmeinwieser. Im Raum Regensburg kommt zudem der Kampfmittelräumdienst zum Einsatz. Etwa bei Oberhinkofen am ehemaligen Truppenübungsplatz. Dort steht mit 55 Metern der höchste Mast der Trasse – und es gibt dazu die lustigste Anekdote. „Ich war dort mit einem Arbeitstrupp, als die plötzlich mit panischer Angst im Sprint an mir vorbei flüchteten“, erzählt Skala. „300 Fallschirmjäger waren gelandet und wir waren vorab nicht informiert worden. Die haben gedacht, der Ernstfall bricht aus.“ Die Geschichte hatte sich allerdings schon vor gut 20 Jahren zugetragen – diesmal blieb am stillgelegten Truppenübungsplatz alles ruhig.

Sanierung Stromtrasse Sittling - Regensburg

Unruhig wurde es allerdings in Arnhofen: Dort steht ein Mast in einem Garten, hinter einem Wohnhaus. Und der musste erneuert werden: „Vom Fundament aufwärts musste alles neu gemacht, auch ein provisorischer Mast aufgestellt werden. “, sagt Gmeinwieser. Der Garten wurde dabei stark beschädigt. Aber die Familie wird entschädigt, der Garten neu angelegt. „So etwas ist leider nicht zu verhindern und passiert nur in Einzelfällen“, sagt Richard Skala und Gmeinwieser nickt. „Ich bin jetzt 41 Jahre alt. Ich glaube nicht, dass ich in meinem Berufsleben noch mal eine Sanierung hier miterlebe.“ Skala schmunzelt: „Und wenn dann kommen wir nur zum Streichen der Masten.“

Das könnte nun auch noch anstehen. Die größeren Arbeiten sind aber mit dem Gründonnerstag erledigt. „Nach Ostern haben wir noch 14 Tage Nacharbeiten, dann ist die Sanierung abgeschlossen“, sagt Skala.

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Durch das Jagdgebiet der Fürstin

  • Strecke:

    Die Sanierungsstrecke läuft von Sittling über Arnhofen Buchhofen, Saal, Einmuß, Herrnwahlthann, Teugn, Peising, Poign, Oberhinkofen, Schloss Höfling (Jagdgebiet der Familie Thurn und Taxis) und Burgweinting zum Ostbahnhof in Regensburg.

  • Zahlen:

    Die sanierte Stromtrasse erstreckt sich über 37 Kilometer - zudem gibt es zwei Abzweige: Nach Saal und Pentling. Die 182 Masten der Leitung tragen 259 Kilometer Stromleitungen. 39 Masten wurden nun erhöht, elf neu gebaut, vier verstärkt.

  • Zeitplan:

    Die Stromtrasse zwischen Sittling und Regensburg soll zukunftsfähig für mehr Stromkapazität gemacht werden – das ist nach der Sanierung erreicht. Das Ende der Bauarbeiten ist für Mitte April geplant. Damit liegt das Projekt im Zeitplan.

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