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Literatur

Bier und Klerus untrennbar vereint

Elf von 300 bayerischen Klosterbrauereien gibt es noch – laut einem neuen Buch, das im Kloster Weltenburg vorgestellt wurde.
von Benjamin Neumaier

  • Autorin Monika Uhl, Leonhard Resch (Technischer Leiter Klosterbrauerei Weltenburg) und Pater Lukas (v. l.) stoßen auf die Publikation an. Foto: Neumaier
  • Die Autoren präsentierten ihr Werk in Weltenburg den Brauern der bayerischen Klosterbrauereien. Foto: Neumaier
  • Die Autoren Monika Uhl und André Liebe Foto: Neumaier

Weltenburg.Das Jahr 1050 gilt als Geburtsstunde der Klosterbrauerei Weltenburg – dieses Datum ist wissenschaftlich anerkannt. „Wie das Bier damals schmeckte, weiß man heute freilich nicht mehr, es muss aber schon immer zur Erbauung der Geistlichkeit beigetragen haben. Anders ist nicht zu erklären, dass das Kloster und seine Brauerei bis zum heutigen Tag eine untrennbare Einheit bilden.“

Aufstellung ist beinahe komplett

Diese beinahe 1000-jährige Tradition mag der Grund sein, warum ausgerechnet im Kloster an der Donau am Montag das Buch „Bayerns Klöster und ihre Brauereien“ vorgestellt wurde. Zehn Brauorte – alle Verantwortlichen waren anwesend – werden im Werk von Monika Uhl und André Liebe en détail dokumentiert „und damit ist die Aufstellung beinahe komplett, nur Mallersdorf fehlt (siehe Interview)“, sagt Prof. Dr. Dr. Reinhard Heydenreuther, der ehemalige Leiter des Bayerischen Hauptstaatsarchivs und historischer Berater der Publikation. „So eine Aussage wäre vor gut 200 Jahren undenkbar gewesen – damals gab es mehr als 300 Klosterbrauereien. Dann kam die Säkularisation und die Klosterbrauereien starben aus, die Privatwirtschaft übernahm“.

Klöster hatten Standortvorteil

Dass Bier und Geistlichkeit einst so eng verbunden waren, liegt laut Heydenreuther „an einem klaren Standortvorteil. Klöster waren Wirtschaftseinheiten, hatten alle Rohstoffe auf eigenen Feldern und konnten deshalb billig produzieren.“ Außerdem war in den Klöstern die geistige Elite versammelt – „dort konnte man lesen“ was für die Qualität des Bieres ungemein wichtig war. „Außerdem stammten viele Äbte aus dem gehobenen Mittelstand – das waren oftmals Wirts- oder Brauersöhne“, sagt Heydenreuther. „Die hatten das Brauen im Blut.“

Das sagt die Autorin über die Entstehung des Buches

Dann kam 1802/03 die Säkularisation, die Klöster wurden enteignet, die Betriebe flächendeckend privatisiert. „Dort war viel Geld zu holen, die Biersteuer oder Malzaufschlag finanzierte zu einem Viertel den Staatshaushalt“, sagt der Historiker. Aber die Tradition starb nicht. Auch das Kloster Weltenburg ereilte dieses Schicksal, „obwohl es als Gründung von Herzog Tassilo von den bayerischen Landesherren immer begünstigt wurde. Die Wittelsbacher sahen es quasi als ihre Pflicht an.“ Auch deshalb kam das Kloster Weltenburg schnell wieder und ihm folgten viele andere Klöster. Um 1900 gab es bereits mehr als vor der Säkularisation und damit auch die zugehörigen Brauereien – doch dieser Trend hielt nicht an. „Immer mehr Klöster verloren nach und nach die Manpower, um Brauereien zu stemmen“, sagt Heydenreuther. So auch Weltenburg.

Elf von 300 blieben übrig

  • Der Inhalt des Buches:

    Einst gab es in Bayern rund 300 Klöster, die über eine eigene Brauerei verfügten. Dann kam in den Jahren 1802/03 die Säkularisation, der Reichsdeputationshauptschluss und damit die Auflösung der allermeisten bayerischen Klöster. Auch für die Brauereien bedeutete dies in der Regel das Aus. Heute gibt es nur noch ganz wenige Klosterbrauereien, die trotz aller regionalen Unterschiede zwei Dinge gemeinsam haben: eine faszinierende Geschichte und ein hervorragendes Bier. Eine Reise zu den bayerischen Klosterbrauereien ist deshalb ein ebenso inspirierendes wie genussvolles Erlebnis.

  • Die bayerischen Klosterbrauereien:

    Klosterbrauereien, die weiterhin unter Ordensführung stehen sind das Kloster Ettal, das Kloster Kreuzberg, das Kloster Mallersdorf, das Kloster Reutberg, das Kloster Scheyern, das Kloster Ursberg und das Kloster Weltenburg. Klöster, beziehungsweise Klosterbrauereien in Privatbesitz sind das Kloster Aldersbach, das Kloster Baumburg, das Kloster Irsee (das mittlerweile in öffentlicher Hand ist) und das Kloster Weißenohe. Das einzige bayerische Kloster, in dem noch jemand aus dem Konvent das Bier braut, ist das Kloster Mallersdorf. Dort braut immer noch Schwester Doris den Gerstensaft.

  • Elf von mehr als 300 blieben übrig

Anfang der 1970er Jahre sahen sich „die Benediktiner nicht mehr in der Lage, Bier unter vertretbaren wirtschaftlichen Aspekten zu brauen. Hinzu kam, dass die technischen Anlagen veraltet waren. Als glückliche Fügung erwies sich im Jahr 1973 die mit der Regensburger Brauerei Bischofshof getroffene Vereinbarung: Seither führen die Weltlichen von Bischofshof die Klosterbrauerei. Heute genügt sie den modernsten Anforderungen“, schreiben Uhl und Liebe.

Dass die Weltenburger dennoch ihre Tradition bewahrt haben, davon überzeugten sich die Gäste am Montag auch im sogenannten Felsenkeller selbst. Dort treffen hochmoderne Tanks auf uralte Felsformationen. „Älter als das Kloster selbst“, sagte Heydenreuther. „Diese Historie und Atmosphäre nimmt Einfluss auf die Qualität“, sagt Heydenreuther, „davon bin ich überzeugt. Bier und Klerus sind hier auch heute noch untrennbar vereint.“

Ohl/Liebe: Bayerns Klöster und ihre Brauereien; Verlag Hans Carl; Herausgeber: Private Brauereien Bayern e. V.; 14,90 Euro; ISBN: 987-3-418-00133-3

Mehr Biergeschichten gefällig? Hier finden Sie alle Teile der MZ-Serie „Auf ein Bier“ zum 500. Jubiläum des bayerischen Reinheitsgebots.

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