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Interview

Die Königin hat die Hosen an

Bierkönigin Sabine-Anna Ullrich war auf „Staatsbesuch“ in Kelheim, traf ihren Chef, Brauer-Präsident Georg Schneider.
von Benjamin Neumaier

Sabine Ullrich, Bayerische Bierkönigin, war zu Besuch bei Brauer-Präsident Georg Schneider.
Sabine Ullrich, Bayerische Bierkönigin, war zu Besuch bei Brauer-Präsident Georg Schneider. Foto: Neumaier

Kelheim.Frau Ullrich, Sie sind als Bayerische Bierkönigin viel herumgekommen, haben nun erstmals Kelheim und die Brauerei Schneider besucht – wie ist ihr erster Eindruck?

Es ist sehr schön hier – leider habe ich einen Anschlusstermin in Straubing, kann mir nicht recht viel anschauen. Zum Ende meiner Amtszeit musste ich aber unbedingt meinen Präsidenten besuchen – die Brauereiführung mit Georg Schneider war toll.

Herr Schneider, ist der Besuch von Sabine Ullrich nun ein Besuch der Königin beim Chef oder darf der Präsident die Hoheit lediglich in Demut empfangen?

Der Präsident darf die Königin einladen und dann hoffen – denn sie hat natürlich die Hosen an. Das ist bei uns Brauern wie bei den Bienen: Wir wählen unsere Königin und dann gehorchen wir ihr. (lacht) Wir hatten ein tolles gemeinsames Jahr.

Und einen gemeinsamen Start.

Schneider: Das stimmt, am 13. Mai 2016 wurde ich bei der Mitgliederversammlung des Bayerischen Brauerbundes zum Präsidenten gewählt und durfte am Abend als erste Amtshandlung gleich Sabine Ullrich als Bierkönigin mitwählen und ihr gratulieren.

Ullrich: Das verbindet uns. Wir sind gemeinsam in unser jeweiliges Amt hineingewachsen – die Chemie hat sofort gestimmt.

Was verbindet Sie als Königin und Präsident? Gab es viele gemeinsame Termine?

Schneider: Es waren gar nicht mal so viele, dafür aber intensive. Wie etwa das Festival zum Reinheitsgebot, das dann wegen eines Amoklaufs abgebrochen wurde – die bangen Stunden schweißen zusammen.

Ullrich: Natürlich verbindet uns auch unsere Liebe zum Bier – und es zu repräsentieren.

Schneider: Und das kann sie hervorragend. Ich habe schon bei der Wahl inständig gehofft, dass Sie Königin wird. Sie hat mit ihrer Ausstrahlung gepunktet und viel Kompetenz bewiesen – eine Bierkönigin, wie man sie sich nur wünschen kann.

Was muss denn eine Bayerische Bierkönigin mitbringen?

Ullrich: Sie muss in Bayern und am besten mit Bier aufgewachsen sein. Das ist schon Standard. Und sie muss für das Thema Bier brennen.

Böse Zungen würden behaupten, sie erfüllen die Standards nicht ganz...

...weil ich aus Franken komme, klar. (lacht) Aber auch bei mir Zuhause in Unterfranken gibt es nicht nur Wein, sondern auch viele Brauereien – ich bin mit beidem aufgewachsen, habe auch schon ein Praktikum in einer Brauerei gemacht und selbst gebraut. Ich wollte Bier besser verstehen, habe diese Handwerkskunst dadurch noch mehr schätzen gelernt.

Wenn sie schon selbst brauen können, was mussten Sie für ihre Aufgaben überhaupt noch lernen?

Ullrich: Ich hatte einen Kurs im Anzapfen, lernte, wie man professionell Bier verkostet...

Schneider: ...und beim Repräsentieren war sie ein Naturtalent. Egal ob in Bayern oder im Ausland. Da hat sie als Bierkönigin und Vertreterin Bayerns und seiner Werte oft mehr bewegt, als der Besuch so manchen Politikers.

Am gleichen Tag gewählt

  • Wahl:

    Am 13. Mai 2016 gab es eine Doppelwahl bei der Mitgliederversammlung des Bayerischen Brauerbundes e.V: Sabine-Anna Ullrich wurde zur Bayerische Bierkönigin, Georg Schneider zum Präsidenten gewählt – er war auch gleich der erste Gratulant. Die aus Bürgstadt in Unterfranken stammende 22-jährige Krankenpflegerin konnte bereits in der Online-Abstimmung 41,2 Proznet der Stimmen auf sich vereinen. Mit einem gekonnten Auftritt und mit reichlich Fachkenntnis zum Bayerischen Bier überzeugte sie einen Großteil der Jury und der über 300 Gäste im Saal.

  • Majestät:

    Als 7. Bayerische Bierkönigin trat Sabine-Anna Ullrich im Jubiläumsjahr des Bayerischen Reinheitsgebotes 2016 die Amtsnachfolge von Marlene Speck an, deren letzte Amtshandlung die Übergabe der königlichen Insignien war. Zuvor hatte Maria Krieger aus Riedenburg den Titel getragen. Bis Mai 2017 wird die Bürgenstädterin noch die Marek „Bayerisches Bier“ im In- und Ausland präsentieren. Besonders das Jubiläumsjahr „500 Jahre Bayerisches Reinheitsgebot“ war mit zahlreichen Terminen für die Bier-Hoheit regelrecht zugepflastert.

  • Der Präsident:

    Georg Schneider, geschäftsführender Gesellschafter der Schneider Weiße G. Schneider & Sohn GmbH, ist Präsident des Bayerischen Brauerbundes e.V. Die Mitgliederversammlung des Spitzenverbandes der bayerischen Brauwirtschaft wählte ihn einstimmig an seine Spitze. Schneider gehört bereits seit zehn Jahren dem Verbandspräsidium an und war viele Jahre der bayerische Vertreter bei den „Brewers of Europe“. Seit 2005 ist Schneider der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft mittelständischer Privatbrauereien im Deutschen Brauer-Bund e.V. (nb)

Wohin hat Sie ihr Amt als Bierkönigin geführt?

Ich habe sämtliche Ecken Bayerns kennengelernt, meine Heimat mit anderen Augen wahrgenommen. Ich war aber auch in Russland, Italien, Frankreich, im Libanon oder auch in Japan. Besonders das Oktoberfest in Yokohama werde ich nie vergessen. Tausende Japaner, die in Lederhose und Dirndl textsicher bayerische Lieder singen – unglaublich.

Das klingt aber auch nach viel Arbeit. Wie ist das mit ihrem Beruf als Krankenschwester vereinbar?

Ich habe schon vor meiner Bewerbung zur Bierkönigin abgeklärt, dass ich im Falle des Falles ein Jahr Sonderurlaub bekomme. Anders wäre es nicht möglich gewesen.

Und jetzt geht die Ausbildung weiter oder bleiben sie der Bierbranche treu?

Die Ausbildung mache ich zu Ende, aber ich würde gerne auch Biersommelier werden und habe mir Zuhause eine eigene Brauerei eingerichtet, die jetzt dann bald in Betrieb geht.

Für den Eigenbedarf oder mehr?

Für den Eigenbedarf – ich halte mir aber alle Möglichkeiten offen.

Herr Schneider, eine Bierkönigin die selbst braut, der man die Liebe zum Bier anmerkt – tut da der Abschied doppelt weh?

Sabine Ullrich ist voll im Thema drin, hat zudem viel dazugelernt, viele Fragen gestellt – das ist schon beeindruckend. Aber es tut mir auch menschlich weh. Wir sind freundschaftlich zusammengewachsen. Sie hat mit viel Herzlichkeit und Charme, Neugier und Wissen ihre ganz eigenen Akzente gesetzt. Das wird, auch wenn wir sicher eine kompetente Nachfolgerin finden, sehr fehlen.

Was werden Sie vermissen, Frau Ullrich?

Ich habe tolle Menschen kennengelernt, viele Kontakte geknüpft, meinen Horizont erweitert. Dabei habe ich ganz viel Herzlichkeit erfahren. Nur den Stau auf der Autobahn, den werde ich nicht vermissen. Aber es gab nie einen Punkt, an dem ich mir gedacht habe: Warum hast du das nur gemacht. Es war ein geniales Jahr, das ich niemals missen möchte.

Das hört sich fast so an, als ob die zukünftige Königin Angst haben müsste...

Ullrich: Nein, ich gebe die Krone ab – wenn auch schweren Herzens. Ich bleibe ja mit den Brauern und dem Verband verbunden, werde zu gewissen Anlässen immer noch als Ehemalige eingeladen.

Schneider: Bei uns gilt: Einmal Königin, immer Königin.

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