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Gillamoos

Eine homöopathische Hopfengabe

Hofbräu-Juniorchef Joseph Neumeyer braute das Bier für September mit Gaben aus eigenem Hopfengarten von der „Heiligen Wiese“.
Von Walter Dennstedt

Das war der Moment, als der Hopfen der „Heiligen Wiese“ den Sud küsste.
Das war der Moment, als der Hopfen der „Heiligen Wiese“ den Sud küsste. Foto: Neumeyer

Abensberg.Es war fast eine sakrale Handlung, als Joseph Neumeyer am 2. März, seinem Geburtstag, die letzte Gabe Hopfen ins frisch zu brauende Gillamoosbier vom Hofbräu gab: Ein wenig nur vom Aromahopfen „Hallertauer Tradition“, ein bisschen der Sorte „Perle“. Denn der Hopfen, der das Bier vom Hofbräu in diesem Jahr am Gillamoos zu etwas Besonderem machen soll, ist auf der Gillamooswiese angebaut worden.

Der Hofbräu besitzt einen Teil der Gillamooswiese, und dort, wo an den fünf Tagen der Gillamoos hunderttausende von Besuchern vorbeischlendern und mehrere Zehntausende wohl ins Hofbräuzelt einkehren, an der Bühne im Freien, hat der Junior vor zwei Jahren, pünktlich zum Aufbau des Gillamoos, ein paar Hopfenstöcke eingelegt, neun an der Zahl.

Die Jahre vorher hatte man die Stangen bei der Bühne im Freien eher als Deko aufgebaut und Hopfenreben drangehängt, doch nun stieg Joseph Neumeyer selber ins Hopfengeschäft ein. Freilich, für den Hobbylandwirt Neumeyer gilt wie für jeden großen Hopfenbauern der altbekannte Spruch „Der Hopfen will jeden Tag seinen Herrn sehen“. Auch wenn der Hopfengarten aus nur neun Stöcken besteht.

Rund 10000 Liter Wasser, so hat der Juniorbrauer ausgerechnet, brauchte es, damit im heißen Jahr 2015 der Hopfen nicht verdorrte. So sah Joseph jeden Tag seinen Hopfen wachsen, von den ersten zarten Sprossen über das Aufleiten der stärksten Triebe und das Kappen der schwächeren bis zum Emporklimmen auf sechs Meter Höhe. Denn der Hopfengarten an der Gillamooswiese ist „nur“ sechs Meter hoch – normal sind acht Meter, aber das hätte „einfach komisch ausgeschaut“, sagt er. Pro Stock wurden vier Triebe aufgeleitet, schon beim Pflanzen setzte Neumeyer auf einen besonderen „Dünger“, einen kräftigen Schluck seines Biers, und wenn er nach des Tages Müh‘ und Arbeit des Abends in seinem Hopfengarten war, gab es auch schon mal Bier für ihn, das Noagerl für den Hopfen.

Um eventueller Häme gleich zuvorzukommen: Der Hopfen auf der Gillamooswiese ist kein „Ammoniakhopfen“, weil er wurde eingezäunt. Denn dort sind an den restlichen 360 Tagen im Jahr viele Hundebesitzer unterwegs …

Mit Hilfe von Freunden

Nun, der Hopfen wuchs auf der Gillamooswiese, so gut, dass der Joseph schon überlegte, ob nicht ein Hopfenfeld hier der Ertragssituation der Brauerei zuträglicher wäre, als ein Zelt am Gillamoos, wie er grinsend gesteht. Aber nur im Spaß. Der Gillamoos 2015 kam und der Hopfen hat „mindestens 200 mal ein Prosit“ gehört, ist sich Neumeyer sicher. Und er wuchs, reifte, ließ den Gillamoos Gillamoos sein und wurde schließlich erstmals geerntet.

Freilich, Joseph Neumeyer ist Brauer, kein Hopfenbauer. Deshalb hat er sich die fachmännische Hilfe der Familie von Gottfried Liedl aus Niederumelsdorf geholt. Der Hopfenbauer aus dem Herzen der Hallertau weiß halt einfach, was der Hopfen so braucht, wann man welche Arbeiten zu erledigen hat. Indes, bei der Ernte am 21. September hat Neumeyer Junior den Rat von Liedl augenscheinlich nicht eingeholt. Er fing frohgemut am Nachmittag an zu zupfen und hätte, so sagt er selbstkritisch, wohl einen der Hopfenzupfameister aus Siegenburg gebraucht, wenn er noch hätte vor Nachtanbruch fertig werden sollen. So musste er den Großteil der Pflanzen ins Brauhaus fahren und dort beendete er das Zupfen erst am nächsten Morgen um 3 Uhr.

Trocknen auf der Darre

7,2 Kilogramm zeigte die Waage, eine „Rekordernte“, wie er das bezeichnet. Der Hopfen wurde auf alte Art getrocknet, nämlich auf eine Darre ausgelegt und es blieben von den 7,2 Kilogramm gerade mal 2,5 Kilo übrig. Die vakuumierte er ein und lagerte sie in den Keller der Brauerei bei etwas Null Grad Temperatur, wo daneben die Biere ausreifen.

In einem „symbolischen Akt“, so berichtet er, hat er dann den getrockneten Hopfen beim Einbrauen des Gillamoosbiers 2016 zugefügt. Und er schwärmt noch in der Erinnerung vom Aroma, das so intensiv gewesen sei, wie wenn man mitten in einem Hopfengarten zur Ernte stehe.

Freilich, über Homöopathie kann man streiten und Joseph ist nicht der Typ, der an Esoterik oder Feinstoffliches glaubt – selbst bei Horoskopen ist er äußerst skeptisch bis negierend – aber die erste Probe des frischen Biers, die er sich eingeschenkt hat, macht ihn zuversichtlich, dass ihm mit dem Sud und vor allem durch die Gabe des Gillamooshopfens etwas ganz Besonderes gelungen ist, ein Bier feinster Art, wie es sich eben am Gillamoos ausgeschenkt gehört. Eben durch den Hopfen von der „Heiligen Wiese“.

Besonderes für besonderes Bier

Und so lobt er sich selber, dass das Gillamoosbier „hervorragend“ werden wird. Dabei ist seine Brauerei die einzige in Abensberg, die das Bier nur vier Wochen ausschenkt: Zwei Wochen vorm Gillamoos geht es los, zwei Wochen nach dem Gillamoos gibt es keins mehr. Weil, „es soll etwas Besonders sein“, sagt der junge Braumeister.

Besonderes macht er auch im Bereich des Marketing: Auf Facebook ist die Brauerei sehr aktiv, der Juniorchef und künftige Erbe der Abensberger Traditionsbrauer charakterisiert den „ganzen Betrieb im Umbruch“. Der Slogan „Gebraut mit Herz und Hand“ soll sich manifestieren. Dazu sind nicht nur Investitionen in die Brauerei geplant, sondern auch demnächst ein öffentlicher, regelmäßiger Stammtisch – der „Feierabend-Stammtisch“ am Hopfengarten. Dabei, so verspricht Joseph, spendiere die Brauerei jedem, der dazukommen wolle, eine Halbe ihres neuen Biers „HerzWerk“ . Um mit den Menschen noch mehr als bisher ins Gespräch zu kommen, so von Brauer zu Biertrinker. Mit Fachsimpeln und guter Unterhaltung von Mensch zu Mensch. Ganz allopathisch …

Wissenswertes

  • Geschichte:

    Joseph Neumeyer senior hat noch erlebt, dass die Brauerei ihren Hopfen selber anbaute. Irgendwann wurde das aufgegeben.

  • Zukunft:

    Zum Gillamoos-Hopfen will Neumeyer zusätzlich im Garten der Brauerei 15 Stöcke Hopfen anpflanzen.

  • Philosophie:

    „Das Bier stellt für uns eine Hommage an das Reinheitsgebot, an die Urkraft der Natur und die wunderbare Holledau dar“, sagt Joseph Neumeyer zu seiner Motivation. Und ergänz sich: „Es ist eine Hommage ans Lem.“

  • Hilfe:

    Unterstützt wurde Neumeyer von der „Hopfen-Familie“ Liedl aus Niederumelsdorf. Gottfried, seine Frau Angelika und Sohn Daniel waren immer da, wenn der Brauer an seine Grenzen als Bauer stieß.

  • Fachausdrücke:

    einlegen (pflanzen), Draht einstecken, Hopfen ausputzen (schwächere & überzählige Triebe entfernen), den Hopfen am Draht aufleiten (im Uhrzeigersinn), Ende Juni sollte der Hopfen „Juhee“ schreien, wenn er die Gerüsthöhe von sieben bis acht Meter erreicht hat.

  • Zurück zu den Wurzeln:

    Dieser Spruch soll ganz wörtlich genommen werden. Der Garten wird noch mit Sitzgelegenheiten ergänzt, einem Zaun und diversen „Gemütlichkeiten“. Einmal im Monat will Neumeyer die Bevölkerung (bei Gefallen auch öfters) zum lockeren Feierabendstammtisch einladen.

\\\GiLLAMOOSBiER | LiVE///

Posted by Hofbräu Abensberg on Mittwoch, 16. März 2016

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