MyMz
Anzeige

Glosse

Expertenwissen

Ein Kommentar von Benjamin Neumaier

Der Keferloher ist für mich Inbegriff der bajuwarischen Gemütlichkeit. Ein erquickendes Bierchen aus besagtem Krug unter schattenspendenden Kastanien in der Sommerhitze – herrlich. Dass Bürohengste im hektischen Treiben des Brüsseler EU-Parlaments bei der Kreation ihrer Richtlinie „2004/22 EG“ sowie die mit der Umsetzung betrauten deutschen Beamten den Steinkrug nicht kannten, sei ihnen verziehen. Oder nein, doch nicht! Es ist ein Skandal.

Denn in einer globalen, vernetzten Welt hätte man ihn zumindest googeln können, den Keferloher – und dann hätte auch der Schreibtischtäter bei Wikipedia gelesen, dass „der Keferloher ein tonnenförmiger, grauer, salzglasierter Steinzeug-Bierkrug ist, der sich dank seiner Eigenschaften besonders für den Biergenuss eignet. Durch die isolierende Wirkung des Tons bleibt das Bier länger kühl, und aufgrund der besonderen Oberflächenstruktur, die man durch Zugabe von Salz während des Brennvorgangs erzeugt, bleibt auch die Kohlensäure länger im Getränk und das Bier länger frisch.“ Gut, googeln hat sich wohl noch nicht überall durchgesetzt und alles für bare Münze zu nehmen, was im World Wide Web verbreitet wird, damit sollte man ja eh vorsichtig sein.

Hätte man allerdings die Oma von mit mir gut befreundeten Zwillingen gefragt, dann hätte man zudem wohl eher den Glas- als den Steinkrug auf den Prüfstand gestellt. Denn: „Wenns aufm Volksfest früher mitm Keferloher zuaghaut ham, dann hot se wenigstens koana gschnittn – weil der nämlich ned brocha is.“

Man sollte halt Experten fragen...

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht