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Bier

Hobby-Brauer geht aufs Ganze

Armin Pillmeier eröffnet eine Brauerei in Langquaid – obwohl er das Handwerk nie erlernte. Die Konkurrenz ist beeindruckt.
von Benjamin Neumaier

Maschinenbau-Ingenieur und Hobby-Brauer Armin Pillmeier eröffnet in Langquaid eine Brauerei. Foto: Pillmeier
Maschinenbau-Ingenieur und Hobby-Brauer Armin Pillmeier eröffnet in Langquaid eine Brauerei. Foto: Pillmeier

Langquaid.Die Deutschen trinken immer weniger Bier. 2017 haben die heimischen Brauereien Branchenschätzungen zufolge nur noch 92,6 Millionen Hektoliter Bier gebraut und damit so wenig wie zuletzt im Vorfeld der Wiedervereinigung – trotz heute 17 Millionen mehr Konsumenten. Und das Ende des Abwärtsschwungs scheint längst noch nicht erreicht.

13 Brauereien im Landkreis

Dabei ist Bayern noch eine Insel der Glückseeligen. Mit 626 betriebenen Braustätten hat der Freistaat anteilig die meisten Sudhäuser der Republik. Die Tradition des Bieres ist auch im Landkreis Kelheim fest verwurzelt. 13 kleine oder mittelständische Brauereien sind noch aktiv und schließlich sind mit der Klosterbrauerei Weltenburg, der Weißbierbrauerei Schneider in Kelheim und der Privatbrauerei Pausinger in Herrngiersdorf die jeweils ältesten Brauereien ihrer Art in der Welt beheimatet. Nun kommt bald eine weitere Brauerei hinzu: Pillmeier-Bräu in Langquaid. Und damit bekommt der Landkreis etwas, das ihm bisher biertechnisch gesehen noch fehlt – eine Craft-Bier-Brauerei.

Diese Szene hat in den vergangenen Jahren, entgegen dem Trend, eine spannende Entwicklung genommen: Viele innovative, oftmals junge Menschen, brauen selbst Bier, so genanntes Craft-Bier. Das ist handwerklich gebrautes Bier, bei dem hochwertige Zutaten, unkonventionelle Geschmacksrichtungen und das Wiederbeleben alter Brau-Traditionen im Fokus stehen.

Bierkonsum geht zurück

  • Konsum:

    Die demografische Entwicklung bringt aus Sicht der bayerischen Brauwirtschaft ein nachteiliges Zusammenspiel von sinkender Konsumentenzahl und sinkendem Pro-Kopf-Konsum mit sich.

  • Pro Kopf:

    Der Bier-Pro-Kopf-Konsum liegt heute deutschlandweit auf dem Niveau der frühen 60er Jahre bei etwa 110 Litern pro Jahr. Höchststand war Ende der 1970er Jahre mit mehr als 150 Litern Bier pro Kopf im Jahr.

  • Bayern:

    Der Brauerbund geht aufgrund von Erkenntnissen der Marktforschung davon aus, dass der Bier-Konsum in Bayern sich auf etwa 135 bis 140 Liter pro Kopf beläuft. (Quelle: www.bayrisch-bier.de)

So ist es, zumindest teilweise, auch bei Armin Pillmeier. „Langquaid hat, auch wenn es heute nicht mehr auf den ersten Blick zu erkennen ist, eine lange Biertradition. So war – und dieser Status besteht bis heute – Langquaid zum einen ein eigener Hopfensiegelbezirk und zum anderen gab es hier einst sechs Brauereien.“ Schon 1965 musste allerdings die letzte davon schließen. Nun lässt Pillmeier – obwohl weder gelernter noch studierter Brauer – die Tradition 53 Jahre später wieder aufleben.

Pillmeier setzt auf Altbewährtes

Gegen den Begriff „Craft-Brauer“ sträubt er sich allerdings ein wenig. „Ich sehe mich ein bisschen anders: Craft-Brauer versuchen viel Neues, Innovatives, ich setze eher auf Altbewährtes.“ Das aber durchaus innovativ. Denn Pillmeiers Helles, Dunkles, Weißbier und Pils soll hauptsächlich aus regionalen Produkten entstehen, ist stets unfiltriert und nicht wärmebehandelt, sprich haltbar gemacht. „Außerdem kann man mir beim Brauen über die Schulter gucken – ich werde spezielle Brauereibesichtigungen anbieten. „So etwas gibt es in dieser Form aktuell im Landkreis noch nicht. Deshalb sehe ich mich auch nicht in Konkurrenz zu den bestehenden Brauereien“, sagt er.

Das sehen die ähnlich, loben gar das Engagement des Hobby-Kollegen – wie Robert Neumaier, der Abensberger Ottenbräu: „Das ist keine Konkurrenz, sondern eine Bereicherung, weil es das Bewusstsein für unsere regional hergestellten Produkte weiter schärft. Ich find’s klasse.“

hobby-Brauer eröffnet Brauerei in Langquaid

Matthias Schneider von der gleichnamigen Brauerei in Essing ist ebenfalls positiv gestimmt: „Natürlich finde ich das gut. Dadurch kommt das Thema Bier wieder mehr ins Gespräch. Außerdem nehme ich solche Konkurrenz gerne an, denn es sind nicht die Kleinbrauer, sondern die Industriebrauer, die mit ihren katastrophalen Preisen für Probleme in der Branche sorgen.“

Auch Georg Schneider, Inhaber der Weißbierbrauerei Schneider sowie bayerischer Brauerpräsident, ist voll des Lobes: „Ich finde es immer prima, wenn sich Leute mit Bier beschäftigen und vor allem, wenn sie unser Handwerk pflegen und nach außen vertreten. Ich begrüße unseren neuen Kollegen recht herzlich in unserer Mitte und wünsche ihm viel Glück. Aber ich bin mir sicher: Egal ob studiert, gelernt oder angeeignet – wenn Leidenschaft dahintersteckt, dann wird auch was Gutes dabei herauskommen.“

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Das hofft natürlich auch Armin Pillmeier, dem aber nicht bange ist: „Ich habe bisher kaum Werbung gemacht, dennoch ist mein Bier, das ich bisher bei einem befreundeten Brauer mache, aktuell ausverkauft. Und es gibt sogar schon erste Anfragen für Brauereibesichtigungen.“

Noch wird die Brauerei aufgebaut, soll im Sommer offiziell eröffnet werden. Einen ersten Sud will Pillmeier aber noch im Februar ansetzen.

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