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Berufung

Ingenieur macht auf Brauer

Armin Pillmeier braut seit zehn Jahren Bier – hobbymäßig. Nun steigt er aber professionell in die Branche ein.
von Benjamin Neumaier

Maschinenbau-Ingenieur und Hobby-Brauer Armin Pillmeier eröffnet in Langquaid eine Brauerei – Schwiegervater Willi Mitter (im Bild), selbst studierter Brauer, hilft beim Aufbau. Foto: Neumaier
Maschinenbau-Ingenieur und Hobby-Brauer Armin Pillmeier eröffnet in Langquaid eine Brauerei – Schwiegervater Willi Mitter (im Bild), selbst studierter Brauer, hilft beim Aufbau. Foto: Neumaier

Langquaid.Armin Pillmeier ist gelernter Landschaftsgärtner, studierter Maschinenbau-Ingenieur und stand als Torhüter im Zweitligakader des SSV Jahn Regensburg –jetzt eröffnet er eine Brauerei in Langquaid.

Als Armin Pillmeier vor zehn Jahren seine ersten Gehversuche im Bierbrauen machte, „da hätte ich jeden für verrückt erklärt, der mir prophezeit hätte, dass ich 2018 eine professionelle Brauerei eröffne.“ Denn am Anfang stand ein Fauxpas. Zwar habe das Dunkle, das er 2007 in einer Studentenbude in Regensburg mit simpelsten Utensilien fabriziert hatte, „meinen Studienkollegen gut geschmeckt, aber ich habe beim Brauen die Küche demoliert“. Der heute 32-Jährige hatte beim Brauprozess mit einem heißen Topf einen „riesigen Brandfleck in unseren Küchentisch gebrannt“. Dem Brauen blieb er ob des Geschmackserfolgs aber treu. „Wenn auch nur noch auf der Terrasse.“

Viehstall wird zur Brauerei

Nun tauscht er die Terrasse in Kürze gegen eine professionell eingerichtete Brauerei – seine eigene. Auf dem Grundstück seiner Großeltern in Langquaid haben der gebürtige Offenstettener und seine Frau Karin nicht nur das dortige Wohnhaus renoviert und bezogen, sondern basteln seit knapp eineinhalb Jahren auch am Umbau des ehemaligen Kuhstalls in eine Brauerei. Einen nicht unerheblichen sechsstelligen Betrag hat das junge Paar in ihren Traum investiert.

Armin Pillmeier und Karin Pillmeier eröffnen in Langquaid ihre eigene Brauerei. Foto: Pillmeier
Armin Pillmeier und Karin Pillmeier eröffnen in Langquaid ihre eigene Brauerei. Foto: Pillmeier

„Meine Frau steht voll hinter mir, wir eröffnen die Brauerei zusammen“, sagt Pillmeier. Dass Karin Pillmeier hinter den Brauereiplänen ihres Armin steht, ist schon alleine aus familiärer Verpflichtung heraus logisch. Denn ihr Vater war es, der den Schwiegersohn in spe 2007 überhaupt erst auf den Brautrip brachte. „Ich habe während der Semesterferien einen Job gesucht und mein Schwiegervater Willi hat mir einen vermittelt“, sagt Armin Pillmeier. Willi Mitter ist seines Zeichens Technischer Direktor bei Hopfenveredler Hopsteiner in Mainburg. Pillmeier musste damals Proben der Hopfenernte von den Bauernhöfen abholen. „Die waren so stolz darauf, dass ihr Hopfen ins Bier kommt und haben mir vorgeschwärmt, was ihr Hopfen mit dem Bier machen würde. Das wollte ich selbst ausprobieren.“ Schwiegervater Willi, selbst studierter Brauer, stellte also das Equipment und es kam zu besagtem Fauxpas. „Ich habe aber weitergebraut, meine Ausrüstung stetig aufgerüstet und mir viel Wissen angelesen“, sagt Pillmeier, für den das Brauhandwerk beruflich aber noch kein Thema war.

hobby-Brauer eröffnet Brauerei in Langquaid

Der gelernte Landschaftgärtner – sein Vater hat einen Betrieb in Offenstetten – wollte nach seinem Maschinenbaustudium in die Luftfahrttechnik. Für seine Bachelor-Arbeit verdingte er sich deswegen als Werkstudent bei Eurocopter in Donauwörth. „Ich war hin und weg. Ich konnte den Hangar vom Büro aus sehen, war ganz nahe an der Materie dran. Ein Traum wurde wahr.“ Der Zauber verblasste aber schnell. Denn waren es anfangs während der Zugfahrt von Regensburg nach Donauwörth noch Fachzeitschriften zur Luftfahrt, schmökerte Pillmeier schon nach einigen Wochen nur noch in Brauer-Fachblättern. „Dann habe ich mir auf der Braumesse in Nürnberg angeschaut, was mal als Maschinenbauer im Brausektor beruflich möglich ist.“ Dort traf er auf das Ingenieurbüro Banke, das sich zusammen mit der Firma Braukon auf Brauereianlagen, Sudhaus-, Hopfen- oder Hefetechnologie spezialisiert hat.

Über mehrere Praktikas kam Pillmeier auch dort zur Werksstudentenstelle, schrieb in der Firma seine Masterarbeit und wurde schließlich fester Mitarbeiter. „Ich war in meinem Traumberuf angekommen. Der Traum der eigenen Brauerei war da zwar im Hinterkopf, aber einfach völlig unrealistisch“, sagt Pillmeier.

Maschinenbau-Ingenieur und Hobby-Brauer baut in Langquaid den Viehstall seiner Großeltern in eine Brauerei um. Foto: Neumaier
Maschinenbau-Ingenieur und Hobby-Brauer baut in Langquaid den Viehstall seiner Großeltern in eine Brauerei um. Foto: Neumaier

Doch die Anstöße, es doch zu versuchen, sollten kommen. Zum einen durch Langquaids Bürgermeister Herbert Blaschek. Der hatte gehört, dass Pillmeier privat Bier braue und auch beruflich damit zu tun habe. „Es hat ihn interessiert, er hat mich 2012 nach unserem Umzug nach Langquaid besucht, mein Bier probiert und mir jede Unterstützung zugesagt, falls wir in Langquaid etwas auf die Beine stellen wollte“, sagt Pillmeier. „Dann reifte die Idee immer mehr.“

Finanzierung auch übers Internet

Der 32-Jährige erstellte einen Businessplan –Vertrieb, Fixkosten, Herstellungskosten, Investitionsvolumen etc. – und stellte sich bei Banken vor. „Ich hätte nie gedacht, dass es klappt, aber schon beim ersten Termin klappte es mit einem Kredit“, sagt Pillmeier. Die beiden künftigen Braureibesitzer schlugen aber zudem andere Finanzierungswege ein. Über die Facebook-Plattform Pillmeier-Bräu stellten sie zehn Jahre laufende Genusscheine zum Verkauf. „Die erste Welle von 500 Stück zu je 100 Euro war nach knapp acht Wochen komplett weg. Es war ein Selbstläufer, das hätte ich nie erwartet“, sagt er. Mittlerweile hat das Paar eine weitere Charge von 250 Stück aufgelegt – nur zehn sind noch zu haben.

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Die Brauanlage, eine auf seine Raumverhältnisse angepasste Sonderanfertigung aus Sudkessel, Läuterbottich, Whirlpool, offenem Gärbottich und Lagertanks, Heiß- oder Eiswasseraufbereiter hat er selbst entwickelt. „Mittlerweile habe ich ja genügend Know-how in meinem Beruf gesammelt – und mein Schwiegervater ist mein Ass im Ärmel“, sagt er. Im Berufsleben tritt er nun allerdings etwas kürzer. Ich habe meine Arbeitszeit auf vier Tage die Woche verkürzt, der Freitag ist für die Brauerei da. Mein Chef steht voll hinter mir.“

Nun leben Armin und Karin Pillmeier also ihren Traum von der eigenen (Nebenerwerbs)-Brauerei – inklusive Bierstüberl „Hätte ich Brauer gelernt oder Brauwesen studiert, würde ich wohl in irgendeiner Brauerei arbeiten. Jetzt bin ich – zusammen mit Karin – mein eigener Herr. Es ist genau richtig gelaufen“. Und das trotz des Fauxpas zum Einstieg in die Brauerkarriere.

Mehrere Sorten

  • Brauerei:

    Armin Pillmeier eröffnet im Sommer 2018 offiziell seine Brauerei in Langquaid. Er bietet dort auch Führungen und Live-Brauen an und auch das Bierstüberl kann man für Veranstaltungen buchen.

  • Biere:

    Helles, Weißbier, Dunkels und Pils sollen zum festen Grundstock der Brauerei gehören, stets vorrätig sein – in Flaschen und Fässern erhältlich. Zudem solle s saisonale Biere wie einen Bock oder auch ein Sommerweißbier geben. Alle Biere sind unfiltriert und unbehandelt. „Ich will ein Frischeprodukt liefern“, sagt Pillmeier. Die frische Milch vom bauern schmeckt auch am besten“. Alle Biere sollen aus regionalen Zutaten hergestellt werden.

  • Informationen:

    Informationsmaterial gibt es im Internet unter www.pillmeier-braeu.jimdo.com

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