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Kosten

Ist der Bierpreis noch zu bremsen?

Während die Oktoberfestwirte wegen der möglichen Bierpreisbremse vor Wut schäumen, bleibt man im Landkreis gelassen.
von Benjamin Neumaier

Eine juristische Deckelung des Bierpreises kommt laut den Veranstaltern für Volksfeste oder Jahrmärkte im Landkreis nicht infrage.
Eine juristische Deckelung des Bierpreises kommt laut den Veranstaltern für Volksfeste oder Jahrmärkte im Landkreis nicht infrage. Foto: Archiv-Pieknik

Kelheim. Am Oktoberfest soll der Bierpreis juristisch geregelt werden. Zweiter Münchner Bürgermeister Josef Schmid will eine Bierpreisbremse durchsetzen, den Preis für die Maß auf 10,70 Euro deckeln – für die folgenden drei Jahre. Die Landeskartellbehörde Bayern beurteilt die Pläne als rechtlich zulässig. Schmid wolle verhindern, dass die Wirte die gestiegenen Sicherheitsausgaben auf den Bierpreis umschlagen. Letztlich entscheiden wird der Wirtschaftsausschuss der Landeshauptstadt im Mai.

Der Markt regelt den Preis

Dass es im Landkreis Kelheim auch zu solch einer juristischen Entscheidung kommen könne, ist unwahrscheinlich: Von einer Bierpreisbremse halten die Organisatoren, Festwirte und Brauer nichts und teilen das auch über verbände und Gewerkschaften mit. Steigende Kosten –unter anderem für Sicherheit – gebe es auch bei den Volksfesten und Jahrmärkten und denen müsse Rechnung getragen werden. Georg Schneider, Präsident des bayerischen Brauerbundes, wird deutlich: „Ein politisches Eingreifen in den Bierpreis ist populistische Augenwischerei im Hinblick auf die Wahl. Es ist ein Eingriff in die soziale Marktwirtschaft.“ Auch Ottenbräu Robert Neumaier, der am Gillamoos als Bräu und am Neustädter Pfingstvolksfest als Festwirt vertreten ist, stößt ins selbe Horn: „Der Markt regelt den Preis.“ Das sieht auch Rudi Halbritter von der Stadt Neustadt so: „Mit einer Bierpreisbremse greifen wir in den Wettbewerb ein, das kann es nicht ein. Zudem deckeln wir, in Absprache mit den Festwirten, den Bierpreis oft sowieso für zwei Jahre – mit diesen Gesprächen sind wir bisher gut gefahren.“ Und auch die Stadt Riedenburg distanziert sich: „Eine Bierpreisbremse ist bei uns nicht nötig, da sich der Bierpreis in einem adäquaten Rahmen bewegt, zum anderen immer auch ein Resultat aus gestiegenen Kosten für den Festwirt ist.“ Und „Festwirt und Brauer möchten auch etwas verdienen“, fügt Franziska Ipfelkofer von der Stadt Kelheim an.

Teuerste Maß am Gillamoos

Am dortigen Volksfest kostet die Maß heuer 7,80 Euro, alle anderen haben sich noch nicht auf einen Preis für 2017 festgelegt. Am Gillamoos kostete die Maß in den vergangenen beiden Jahren 8,90 Euro – die teuerste Maß im Landkreis. Geht man nach dem Turnus – der Bierpreis wurde seit 2004 im Zweijahresrhythmus stets um 50 Cent erhöht – zahlt man für den Liter Gerstensaft heuer 9,40 Euro. Wenn es nach Robert Neumaier geht, „dann kann ich mir aber auch vorstellen, dass wir heuer wieder eine Nullrunde einlegen“. Der Ottenbräu wolle damit aber nicht der Brauer- und Festwirteversammlung, die den Bierpreis für den Gillamoos festlegt, vorgreifen. Platzmiete, Zeltaufbau, Personalkosten, Versicherungen, Bands, Bedienungen oder Sicherheitsdienste – das alles will bezahlt werden. Das Sicherheitskonzept für das Jungbräufestzelt von Marco Härteis, habe „einen unteren fünfstelligen Betrag gekostet. Dazu kommen gestiegene Kosten für den Sicherheitsdienst“, sagt Benni Schmid vom Härteis-Festzelt. Die Ausgaben dafür hätten sich nahezu verdoppelt. „Auch die Einführung des Mindestlohns vor einigen Jahren hat hohe Mehrkosten verursacht und die Platzmiete ist erheblich gestiegen“, beschreibt der Ottenbräu die Lage am Gillamoos.

Etwa 20 000 Euro Platzmiete, nach oben offene 40 000 Euro für das Programm im Zelt sowie Personal- oder Materialkosten summieren sich auf etwa 120 000 Euro für den Festwirt; „bevor es losgeht“, sagt Neumaier. „Das muss erstmal verdient werden, Haupteinnahmequelle ist das Bier. Wenn ich, über die fünf Gillamoostage betrachtet, zwei Liter im Schnitt pro Sitzplatz verkaufe, dann bin ich sehr zufrieden.“

Die Erwartungshaltung steigt

Neumaier jammert keineswegs, „denn das Geschäft am Gillamoos läuft, aber am Ende muss auch für alle Beteiligten etwas übrigbleiben“. Schmid stimmt ein: „Die Erwartungshaltung der Leute steigt, alles wird professioneller – und damit teurer. Das unternehmerische Risiko tragen alleine wir. Danach fragt keiner.“

An der Maß verdienen nicht nur Festwirt und Brauer, auch die laufenden Kosten müssen bezahlt werden. Von den 8,90 Euro pro Gillamoosbier bleiben dem Festwirt, „nach Abzug der Mehrwertsteuer und dem Bedienungsgeld, 6,63 Euro“, rechnet der Ottenbräu vor. Abzüglich der Anschaffungskosten. Diesen sogenannten Wirteeinstandspreis beziffert Rudi Halbritter „mit etwa 2,50 Euro pro Liter“. Dem Festwirt blieben dann pro Maß Bier etwa 4,50 Euro.

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Geht man von den Kosten von 120 000 Euro aus, die Neumaier veranschlagt, müsste der Ottenbräu-Festwirt, der die Küche im Festzelt vergeben hat, rund 26 000 Maß Bier verkaufen, um auf eine schwarze Null zu kommen. Nimmt man die 2700 Sitzplätze des Ottenbräuzelts und die von Neumaier veranschlagten zwei Liter pro Nase und Tag, kommt man auf 27 000 Maß Bier. Das zeigt: Das Geld nachgeworfen bekommen die Verantwortlichen auch nicht unbedingt. Natürlich ist das eine Milchmädchenrechnung, nicht werthaltig, spielen doch zu viele weitere Rechengrößen ein Rolle.

Der Bierpreis im Landkreis

  • Gillamoos:

    Der Bierpreis am Abensberger Jahrmarkt ist seit 1987 von 5,90 DM, respektive 3,02 Euro, auf 8,90 Euro im Jahr 2016 gestiegen. In den vergangenen zehn Jahren stieg der Bierpreis um 39,1 Prozent. Seit 2004 stieg der Preis pro Maß im Turnus von zwei Jahren jeweils um 50 Cent.

  • Pfingstvolksfest Neustadt:

    Der Bierpreis Am Neustädter Pfingstvolksfest betrug im vergangenen Jahr 7,30 Euro. 2006 bekam man eine maß noch für 5,40 Euro – eine Steigerung um 35.2 Prozent. Allerdings wurde der Preis in Neustadt zuletzt nur alle drei Jahre erhöht.

  • Gallimarkt:

    Am Mainburger Gallimarkt hat sich der Preis für die Maß Bier in zehn Jahren von 5,80 Euro auf 7,70 Euro erhöht – eine Preissteigerung um 32,8 Prozent. 2013 kostete die Maß 6,90 Euro, 2015 dann 7,40 Euro und 2016 eben 7,70 Euro. Für 2017 ist noch kein Preis festgelegt.

  • Kelheimer Volksfest:

    Am Kelheimer Pflegespitz mussten de Gäste seit 2007 eine Preissteigerung von 36,7 Prozent hinnehmen. Der Bierpreis stieg von 5,70 Euro (2007) auf 7,80 Euro (2017). Der Preis für die Maß in Kelheim stieg seit 2005 um durchschnittlich 20 Cent pro Jahr.

  • Riedenburger Volksfest:

    1994 zahlte man in Riedenburg für die Maß Bier 7,40 DM, also umgerechnet 3,78 Euro. 2016 kostete ein Liter Bier 7,20 Euro. In den vergangenen zehn Jahren stieg der Bierpreis um 35,8 Prozent. Erhöhungen fanden seit 2009 immer im Zwei-Jahres-Rhythmus statt. (nb)

Die unalkoholischen Getränke beispielsweise. Die Maß Spezi, Limo oder Wasser liegen preislich mit dem Bier gleichauf, für Halbritter weit mehr diskutabel: „Bei Wasser liegt der Preisaufschlag bei 1000 Prozent. Auch beim Hendl juckt es keinen, dass es knappe zehn Euro kostet. Thema ist immer der Bierpreis.“ Neumaier hält das für einen „urbayerischen Reflex, wobei mir schon klar ist, dass ein Volksfestbesuch keine billige Angelegenheit ist. Komischerweise wissen aber die Leute, wenn ich sie nach dem Bierpreis vom vergangenen Gillamoos frage, meist gar nicht mehr, was die Maß gekostet hat.“ Diese Erfahrung hat auch Halbritter gemacht: „Von 100 Befragten sagen mir 98 Leute was anderes. Und scheinbar juckt die Erhöhung nach ein paar Tagen niemand mehr – der Bierkonsum am Pfingstvolksfest hält sich über die Jahre meist die Waage.“

Das könnte erst beim Erreichen oder Überschreiten des „Schwellenpreises von zehn Euro anders werden“, sagt Neumaier. „Das habe ich zu D-Mark-Zeiten erlebt. Das ist wohl eine psychologische Hürde.“ In der Tat wurde der Bierpreis am Gillamoos von 1995, als die Maß 9,40 DM kostete, bis ins Jahr 2000 in 20-Pfennig-Schritten auf 9,80 DM erhöht. 2001 kostete die Maß 10,80 DM – dann kam die Euroumstellung. Die magische Grenze ist im Gegensatz zu Mainburg, Riedenburg, Neustadt und Kelheim nur am Gillamoos in Sichtweite. Nimmt man den bisherigen Zwei-Jahres-Turnus als Maßstab, klettert der Bierpreis 2021 über die magische Grenze: 10,40 Euro. Vielleicht wird die Bierpreisbremse dann Thema.

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