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Hopfen

Neue Sorten für das spezielle Bier

Bad Gögging beherbergte den Deutschen Hopfentag. Im Mittelpunkt stand die noch relativ junge Craft-Bier-Szene.
von Wolfgang Abeltshauser

  • Die Craft-Biere wollen ganz besondere Aromastoffe sehen.Fotos: dpa, Abeltshauser

Neustadt.Zum zweiten Mal binnen 15 Monaten traf sich die Hopfenwelt in Bad Gögging. War im Vorjahr der Internationale Hopfenbaukongress das Ziel, luden heuer der Deutsche Pflanzerverband und die Hopfenverwertungsgenossenschaft zum Deutschen Hopfentag. Rund 150 Experten aus Deutschland und weiteren 14 Ländern lauschten zwei Tage lang im Convention Center Fachvorträgen über das grüne Gold. Im Mittelpunkt dabei stand das Thema Craft-Bier. Das auch zum Probieren für die Gäste bereitstand.

Unter diesem Begriff verstehen Experten spezielle Biere, die sich oft durch außergewöhnliche Geschmacksnoten auszeichnen. Und für die der Brauer schon Mal mehr Hopfen verwendet als es in der Branche üblich ist. Noch sind es vor allem kleinere, mittelständische Brauer, die sich diesem Bereich verschrieben haben. Das englische Wort „craft“ steht für handwerkliches Arbeiten. Und bezeichnet die Tatsache, dass diesen Trend vor allem kleinere Brauereien, in denen eben noch mit der Hand und nicht so sehr mit der Maschine gearbeitet wird, begründet haben. Er stammt ursprünglich aus den USA, hat aber Europa längst erreicht.

Brauer erkennen die Vielfalt

Auch deshalb stellte der Präsident des Deutschen Pflanzerverbandes Dr. Johann Pichlmaier in seinen einführenden Worten fest: „Hopfen war noch nie so spannend wie in diesen Jahren.“ Denn die Brauer würden mittlerweile die Vielfalt der Inhaltsstoffe des grünen Goldes erkennen. Was sich dann auch in neuen Biersorten niederschlage.

Allerdings haben die Brauer, die sich den neuen Sorten verschrieben haben, auch spezielle Wünsche. Die wollen die Hopfenpflanzer und -forscher aus der Hallertau auch erfüllen. Die Wissenschaftler aus dem Institut in Hüll halfen mit, dass mittlerweile einige dieser im Fachbegriff „Flavor-Hopfen“ genannten Sorten aus der Hallertau stammen.

Bereits im Vorjahr durften die Teilnehmer des Internationalen Hopfenbaukongresses auf einer Exkursion in Biburg den Mandarina Bavaria in Augenschein nehmen. In den Veranstaltungsunterlagen weisen die Hallertauer ihre Gäste auf weitere Sorten hin: Huell Mellon, Hallertau Blanc und Polaris.

Und pünktlich zum Hopfentag präsentierte die Hallertau die nächsten beiden Spezialsorten aus den Hüller Laboren, die vor der Markteinführung stehen. Callista und Ariana sind die fantasievollen Namen. Was ganz typisch für dieses Sortenspektrum ist. Es hat bereits erste Brauversuche gegeben. Die Biergenießer dürfen sich auf Aromen wie Aprikose, Maracuja, Waldfrüchte oder Pfirsich freuen. Weitere Sorten aus dem Aromabereich – an denen die Forscher arbeiten und für die es noch keine Namen gibt – bekamen die Teilnehmer unter die Nase gehalten.

Beeindruckende Steigerungen

Den Hallertauern ist der Duft der neuen Sorten erstmals 2012 um die Nase geweht. Seither hat sich dieser Bereich beeindruckend weiterentwickelt. So sagt es Otmar Weingarten, Geschäftsführer des hiesigen Pflanzerverbandes im Gespräch mit der MZ. Landwirte können es sich in seinen Augen nicht leisten, nicht auf diese Entwicklungen zu reagieren. Das belegen auch interessante Zahlen aus dem Ausland. Die deutsche Hopfengemeinde hatte sich zwei Experten aus Brasilien und den USA als Redner an Bord geholt.

Samuel Cabral betreibt in Südamerika eine eigene Brauerei. Er geht davon aus, dass sich in seinem Land der Bierausstoß im Craftbereich bis ins Jahr 2020 verdoppeln wird. Thomas Nielsen ist für eine amerikanische Brauerei tätig. Dort habe sich die Zahl der entsprechenden Brauereien in wenigen Jahren mehr als verdoppelt.

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Cabral ist das typische Beispiel für seine Branche. Ganz klein daheim bei sich zu Hause habe er angefangen. 2009 schließlich seinen Betrieb in der jetzigen Form gegründet. Seine Produkte sind Beleg dafür, dass Biere aus diesem Sortiment schon etwas besonderes sind. Der Brasilianer berichtete von Inhaltsstoffen wie Kakao und roter Pfeffer. Und Nielsen experimentiert schon Mal mit ungetrocknetem Hopfen. Er und seine Kollegen sind durchaus anspruchsvoll. So wies der Amerikaner darauf hin, dass die so genannten Flavor-Hopfen ganz bestimmte Lagertemperaturen benötigen. Um das Aroma zu bewahren.

Philosophie ist erwünscht

Carsten Eger sprach über die Situation in Deutschland. Er ist für eine Bremer Brauerei tätig, die seit einigen Jahren in der Craft-Bier-Sparte mitmischt. Er sieht in unserem Land gute Voraussetzungen. Denn deren Philosophie passe in seinen Augen zu Entwicklungen in der gesamten deutschen Lebensmittelbranche.

Verstärkt würden Verbraucher in der Bundesrepublik auf regionale Produkte schielen. Und sehr wohl höhere Preise in Kauf nehmen, sofern die Qualität stimme. Und mit beiden Tugenden können gerade die kleineren deutschen Brauereien, die sich in diesem Sortiment tummeln, laut Eger schon wuchern.

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