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Reinheitsgebot

Riedenburg feiert seine Brauereien

Die Premiere des Riedenburger Bierfests bleibt trocken und ist feucht zugleich – Bier-Olympiade kommt gut an.
Von Petra Kolbinger

Ein Prosit auf ein gelungenes Bierfest 2016. Bürgermeister Siegfried Lösch (grauer Anzug) war zufrieden.
Ein Prosit auf ein gelungenes Bierfest 2016. Bürgermeister Siegfried Lösch (grauer Anzug) war zufrieden. Foto: Kolbinger

Riedenburg.Zwei Tage lang hat Riedenburg ein buntes Fest rund um das Bier und mit dem süffigen Gerstensaft gefeiert. „Hopfen und Malz – Gott erhalt’s!“ Der fromme Wunsch schallte des öfteren über den Marktplatz und zum großen Glück der Riedenburger hatte der liebe Gott ein Einsehen und ging zumindest in der Kernstadt sparsam mit der weiteren Zutat für’s Bier – dem Wasser, sparsam um. Vor allem am Samstag folgten des öfteren die bangen Blicke der Festgäste den drohenden dunklen Wolken, aber es blieb trocken. Und so feierten sie bei angenehm milden Temperaturen bis spät in die Nacht.

Auftakt mit einer Ausstellung

Der Startschuss zum Bierfest war am Samstag um 14 Uhr gefallen, als der Stadtarchivar Maximilian Halbritter im Haus des Gastes die von ihm zusammengestellte Ausstellung rund um das Riedenburger Bier und die Wirtshäuser der Dreiburgenstadt eröffnete und den Blick freigab auf die liebevoll arrangierten Exponate und den Blick auf längst vergangene Zeiten.

Hahn im Korb: Stadtarchivar Maximilian Halbritter zwischen der Bayerischen Bierkönigin 2013/14, Maria Krieger aus Riedenburg (li.), und deren frisch gewählter Nachfolgerin 2016/17, Sabine-AnnaUllrich
Hahn im Korb: Stadtarchivar Maximilian Halbritter zwischen der Bayerischen Bierkönigin 2013/14, Maria Krieger aus Riedenburg (li.), und deren frisch gewählter Nachfolgerin 2016/17, Sabine-AnnaUllrich Foto: Kolbinger

Dabei kam so manches bis dato unbekannte Detail ans Tageslicht, etwa, dass das Kommunbrauhaus am 2. Oktober 1805 nicht ohne Grund verkauft wurde. Nach den Napoleonischen Kriegen waren die Finanzen der damaligen Marktgemeinde derart klamm, dass sie auch die Tortürme und den Gefängnisturm veräußern musste. Auch, dass die damals rund 500 Einwohner „zum Erstaunen des Rates“, wie es in der alten Chronik heißt, 529 Eimer Sommerbier konsumiert haben, von denen in Bayern ein jeder 64 Maß beinhaltete, wissen wir seit Samstag. Und dass Bier recht teuer war. Vieles mehr ist nachzulesen im letzten noch erhältlichen Buch aus der Feder von Max Halbritter, dessen Reinerlös gemeinnützigen Zwecken zufließt.

Die Stadtkapelle unter Florian Aschenbrenner schickte schmissige Klänge über den vollbesetzten Marktplatz.
Die Stadtkapelle unter Florian Aschenbrenner schickte schmissige Klänge über den vollbesetzten Marktplatz. Foto: Kolbinger

Bürgermeister Siegfried Lösch gab sich alle Mühe, seinen Archivar zum Verfassen eines Nachfolgewerkes für „Alte Häuser in Riedenburg“ zu motivieren. Die Riedenburger wären sicher glücklich, wenn der dem Appell folgen und weitere spannende Einblicke in die ihre Geschichte gewähren würde. Ein ganzer Tross folgte Halbritter auch auf der anschließenden Tour durch die Altstadt, zu den Originalschauplätzen Riedenburger Biergeschichte, wo auch so manche Anekdote Erwähnung fand – und Lausbubenstreiche vergangener Tage, etwa, wenn der Sprössling zum Feierabend mit Vaters Bierkrug zur Gassenschenke geschickt wurde. „Mia ham dann an g’scheiten Schluck genommen und den Krug am Marienbrunnen wieder aufgefüllt“, erinnerte sich einer, der namentlich nicht genannt werden soll, auch wenn das schändliche Vergehen mittlerweile wohl verjährt sein dürfte.

Die Brunnenmadonna blickte am Wochenende festlich geschmückt auf die Menge zu ihren Füßen und kleine Bierpanscher erblickte sie da ganz sicher nicht. Vielmehr sah sie viele Ehrengäste, allen voran Altlandrat Franz Lang, intensiv ins Gespräch vertieft mit der neu gewählten Bayerischen Bierkönigin, Sabine-Anna Ullrich, Größen aus Politik und Wirtschaft, vielen Festköniginnen aus der Region, und – was ihr sicher gefallen hat – ganz viele Riedenburger aus der Kernstadt und den Ortsteilen, die zum Saisonauftakt ihr gemeinsames Bierfest feierten. Sie folgten dem Motto, das die Vertreter der beiden Riedenburger Brauereien, Friedrich Riemhofer und Maximilian Krieger vom Riedenburger Brauhaus schon lange verinnerlicht haben: der Wertschöpfung vor Ort halten. Was mit dem Bezug der Rohstoffe für’s Bierbrauen in der Region beginnt, endete mit dem Genuss des fertigen Produktes gleich vor Ort.

Bier in allen Geschmacksrichtungen

Dass man Bier „nicht nicht mögen“ kann, sondern allenfalls noch nicht die richtige Geschmacksrichtung für sich entdeckt hat, war eine der Erkenntnisse, die die Verkostung von sechs Riedenburger Biersorten mit Biersommelière Sandra Schmid zu Tage förderte. Auch ein Trupp Festköniginnen machte so Bekanntschaft mit Bananen- und Kaffeenoten und war begeistert. Ein wenig mehr Begeisterung hätten sich die Künstler Günter Schinn und Fabian Helmich gewünscht, die im „entlegenes“ eine Installation zum Thema „Glyphosat“ präsentierten und Freibier dazu.

Die neun Mannschaften beim Maßkrugstemmen schlugen sich bemerkenswert wacker!
Die neun Mannschaften beim Maßkrugstemmen schlugen sich bemerkenswert wacker! Foto: Kolbinger

Dafür bordete die Stimmung phasenweise regelrecht über bei der von TVA-Moderator Christian Sauer schwungvoll moderierten Bierolympiade. Beim Bierkistlstaffeln, Maßkrugstemmen und beim Staffellauf mit gefülltem Bierkrug machten auch die Damenmannschaft vom Frauenbund Jachenhausen und die spontan gegründete Königinnen-Riege eine gute Figur und lieferten vor dem begeistert applaudierenden Publikum beeindruckende Ergebnisse ab.

Fazit daraus: Bier ist keine Männerdomäne. Und: Man sollte nicht zwingend bis zum 600. Geburtstag des Bayerischen Reinheitsgebotes warten, um das Bierfest in Riedenburg zu wiederholen.

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