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Bier

Spucke im Bier – und das mit Absicht...

Georg Schneider ist seit Mai Brauer-Präsident. Im Interview spricht er über’s Reinheitsgebot und mit Spucke vergorenes Bier.
von Benjamin Neumaier

Georg Schneider hat als Präsident des Bayerischen Brauerbundes feste Ziele.
Georg Schneider hat als Präsident des Bayerischen Brauerbundes feste Ziele. Foto: Schneider Weisse

Kelheim. Georg VI. Schneider ist geschäftsführender Gesellschafter von Schneider Weisse und seit Kurzem auch Präsident des Bayerischen Brauerbundes e.V.. Die Mitgliederversammlung des Spitzenverbandes der bayerischen Brauwirtschaft wählte ihn am 12. Mai 2016 einstimmig an dessen Spitze. Im Interview mit MZ-Redakteur Benjamin Neumaier spricht Schneider über seine Ziele als Brauer-Präsident, wie sich die Brauwirtschaft verändert hat oder noch verändert sowie über das Reinheitsgebot.

Herr Schneider, 2016 feiert die Brauwirtschaft 500 Jahre Reinheitsgebot. Ist es auch heute noch wichtig für die Brauereien oder schlicht ein Marketing-Werkzeug?

Das Reinheitsgebot ist beileibe nicht nur Marketing, es ist der Geist, in dem unser Lebensmittel hergestellt wird. Gerade in einer Zeit, in der die Wirtschaft auf Gewinnmaximierung ausgelegt ist und wegen ein paar Cent mehr Profit zum Beispiel Pferdefleisch in Lasagne landet, schreien viele Wirtschaftszweige nach Reinheitsgeboten. Bei uns ist das Gang und Gebe und ein positives Beispiel, beides zu vereinen: Wirtschaft und Reinheit.

Nun gibt es aber kritische Stimmen, die behaupten, das Reinheitsgebot sei kein Qualitätssiegel – es gelangten schließlich trotzdem etwa Pestizide ins Bier.

Diese Kritiker weise ich in die Schranken, denn natürlich bürgt das Reinheitsgebot für Qualität. Wenn dem nicht so wäre, dann wäre unser bayerisches Bier nicht so ein begehrtes und weltweit oft kopiertes Gut. Natürlich gibt es seltenst Fälle, wo Pestizide ins Bier gelangen – schließlich ist Landwirtschaft nicht nur biologisch. Und wir beziehen eben unsere Rohstoffe aus der Landwirtschaft. Am Beispiel Glyphosat wurde dann eben geschaut, wo könnte das überall drin sein – Bier lag nahe und ist ein dankbares Thema. Das kennt schließlich jeder. Es ist ein leichter Angriffspunkt, mit dem gerne Politik gemacht wird. Bier ist heutzutage, was etwa Haltbarkeit, Sauberkeit oder geschmackliche Qualität betrifft aber von einer Güte, wie es sie bisher noch nie gab.

Kennen Sie noch andere Zeiten?

Mein Opa hat immer gesagt, wenn das Bier nicht so schmeckte, wie es sollte: „Leute, trinkt’s mehr, dann gibt’s morgen wieder ein gscheids Bier.“ Vor 100 Jahren gab es kein Edelstahl in der Bierproduktion – da wurde Bier in gepechten Holzfässern vergoren und gelagert. Das hat man alles mitgetrunken. Vieles hat sich zum Positiven verändert.

Auch was die Branche betrifft?

Ja. Es gibt viele junge, kreative Brauer, Neugründungen von Brauereien, die sich in Rekordzeit entwickeln, die Craft-Bier-Szene nimmt auch in Deutschland und Bayern immer stärker zu. Das hält uns gewissermaßen den Spiegel vor: Es ist eine inspirierende , wohltuende Dynamik, die auch etablierte Brauereien zwingt, sich ein Stück weit neu zu erfinden. Es ist wie bei einem Baum: Der ist tief verwurzelt, treibt aber jedes Jahr neu aus, auch wenn klar ist, dass er seine Blätter im Herbst wieder verliert. Unsere Wurzel ist das Reinheitsgebot, unsre Blätter unser Bier.

Sie sprechen von wohltuenden, inspirierenden Neugründungen. Andererseits sind viele kleine Brauereien ausgestorben – Seitz oder Ehrnthaller in Kelheim, Jungbräu oder Betzlbräu in Abensberg.

Das bringt der Wandel leider mit sich, aber dafür gibt es viele Gründe. Es wurde lange nicht in den Betrieb investiert, es findet sich kein Nachfolger für die Brauerei oder der Markt ist für eine kleine Brauerei zu unattraktiv. Manche passen sich gut an, andere müssen zusperren. Es geht darum, sich zu spezialisieren. Das geht über Vertriebswege, Produktarten oder die Preisstruktur. Nehmen wir Oettinger, die gehen über die Preisstruktur, beliefern Supermärkte. Es funktioniert. Wir haben uns auf Weißbier spezialisiert, kleinere Kollegen setzen auf kurze regionale Vertriebswege – alles kann, muss aber nicht funktionieren.

Ist der fallende Bierkonsum auch ein Grund?

Das Konsumverhalten hat sich verändert, klar. Das Volumen geht herunter. Wir sind eine immer mobiler werdende Gesellschaft, viel Berufe sind hoch technisiert, Bier am Arbeitsplatz gibt es quasi nicht mehr. Früher rissen sich Brauereien um Baustellen – da war Umsatz garantiert, heute gibt es höchstens noch eine Feierabendhalbe. So ist das in vielen Bereichen. Das ist aber eine durchaus positive Entwicklung.

Seit zehn Jahren im Präsidium

  • Wahl:

    Georg Schneider, geschäftsführender Gesellschafter der Schneider Weiße G. Schneider & Sohn GmbH, ist Präsident des Bayerischen Brauerbundes e.V.. Die Mitgliederversammlung des Spitzenverbandes der bayerischen Brauwirtschaft wählte ihn am 12. Mai einstimmig an seine Spitze. Georg Schneider gehört bereits seit zehn Jahren dem Verbandspräsidium an und war viele Jahre der bayerische Vertreter bei den „Brewers of Europe“. Seit 2005 ist Georg Schneider der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft mittelständischer Privatbrauereien im Deutschen Brauer-Bund e.V..

  • Mitglieder:

    In das Präsidium wurden zudem gewählt: Dr. Michael Möller, Staatliches Hofbräuhaus, München, der das Amt des Schatzmeisters bekleidet, Karl-Heinz Pritzl, Kauzen-Bräu GmbH & Co. KG, Ochsenfurt, Georg Reichert, Gräfl. Brauerei Arco-Valley GmbH, Eichendorf-Adldorf, Bernhard Sailer, Hofbräuhaus Traunstein Josef Sailer KG, Traunstein sowie Andreas Steinfatt, Hacker-Pschorr-Bräu GmbH in München.

  • (Quelle: Bayerischer Brauerbund)

Dann ist Bier in Bayern mittlerweile nicht mehr Grundnahrungsmittel, sondern Genussmittel?

Auf jeden Fall. Ein lustvoller Umgang mit Bier ist wichtig. Das kann aber ein Gläschen Double IPA am Abend genauso sein, wie die Maß Bier am Volksfest. Es geht darum, Bier gerne und bewusst zu trinken.

Wie steuert die Brauwirtschaft den Trend? Muss man neue Kundengruppen erschließen – etwa Frauen?

Frauen waren schon immer im Fokus der Brauer. (schmunzelt) Ich habe aber gelernt, dass man alle Vorurteile über Bord werfen muss. Unsere Hopfenweisse ist mit 50 Bittereinheiten bitterer als jedes Pils wird aber gerne von Frauen getrunken. Dabei hieß es immer, Frauen mögen kein bitteres Bier. Mein Motto ist deshalb: Vergiss alles was du weißt und schau einfach, wem was schmeckt.“

Nun haben Sie als Präsident des Brauerbundes mehr Möglichkeiten, steuernd einzugreifen. Was sind ihre Ziele?

Ich habe drei Hauptanliegen. Ganz oben steht, das ungeborene Kind vor Alkoholmissbrauch zu schützen. Da hilft es aber nichts, ein Piktogramm mit einer Schwangeren auf das Etikett zu drucken – man muss bei den Menschen ansetzen. Außerdem möchte ich bayerisches Bier noch mehr als Genussmittel etablieren und die geografische Herkunftsbezeichnung schützen. Das betrifft auch die Verhandlungen bezüglich TTIP und CETA, die als dritter Punkt auf meiner Agenda stehen. Es geht darum, dass der Markenbegriff bayerisches Bier nicht ausgehöhlt wird. Wenn es als Gattung in TTIP eingetragen ist, kann man es auch in Louisiana brauen – ein Schmarrn. Bayerisches Bier muss aus Bayern kommen. Punkt!

Ist ihr Posten Ehre, Verpflichtung oder einfach nur mehr Arbeit?

Ehre hätte ich vor 25 Jahren gesagt. mehr Arbeit ist es natürlich, eine Verpflichtung gegenüber meinen Kollegen natürlich auch, aber vor allem bietet es mir Möglichkeiten. Möglichkeiten mitzureden und zwar mit den wichtigen Personen: Frau Merkel oder den betreffenden Ministern – und zwar auf Augenhöhe.

Eine Frage zum Abschluss: Welche Biere trinken sie gerne – außer ihren eigenen?

Da gibt es nur eins: Freibier. Nein, Spaß beiseite. Ich probiere alles, freue mich schon auf meinen Besuch in Kürze in Afrika. Da gibt es Biere, die mit Spucke vergoren werden. Auch das werde ich probieren – und in meinem Kopf die Spucke ausblenden. Mit Reinheitsgebot ist es da dann nicht weit her...

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