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Bier

Weißwurst rot-weiß und „Selbstgedrehte“

Importeure von Schneider-Weisse aus Israel bis Korea waren hier und erzählten, warum sich Bayerns Biere überall gut trinken.
von Benjamin Neumaier

Weißwurstdrehen schien bei Michael Sturm noch so einfach –als der Kandidat aus Singapur sich traute, war es das plötzlich nicht mehr.
Weißwurstdrehen schien bei Michael Sturm noch so einfach –als der Kandidat aus Singapur sich traute, war es das plötzlich nicht mehr. Foto: Neumaier

Randeck.Die Burg Randeck, Weißwurst und Brezen, dazu Weißbier – Tradition pur. Nicht ganz, denn am Ende wurden die Weißwürste in Ketchup, Mayo oder gleich beides getaucht, bevor sie in den Weg Richtung Magen antraten. Dazu wurde auch nicht unbedingt ein Bierchen gezischt, auch Grüner Tee oder ein Tässchen Milchkaffee passen scheinbar bestens zur bayerischen Spezialität.

Es ging auch ums Geschäft

Verbrochen hatten diesen Frevel einige der Importeure der Kelheimer Brauerei Schneider, die aus Singapur, Indien, Israel, Südkorea, Holland, Österreich oder Russland nach Randeck gekommen waren. Unter anderem um zu lernen, wie man Weißwürste und Brezen herstellt. Darum schauten sie Metzgermeister und Koch Max Sturm sowie Bäckermeister Daniel Frank aus Riedenburg genauestens über die Schulter. Das Gelernte durfte die internationale Truppe dann auch gleich selbst ausprobieren – mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg, aber auf jeden Fall mit viel Spaß.

Die Gäste aus aller Welt ließen sich die vorher selbst gemachten Weißwürste schmecken – mit Ketchup...
Die Gäste aus aller Welt ließen sich die vorher selbst gemachten Weißwürste schmecken – mit Ketchup... Foto: Neumaier

Nur wegen des Spaßes waren die Geschäftsleute aber nicht in Randeck. Es ging auch ums Geschäft: Marketing, Vertriebswege oder Ansprechpartner. Für Enwoo Cha aus Südkorea ein „sehr schöner und auch wichtiger Termin, weil ich zum einen die Leute kennenlerne, die hinter dem Bier stehen, das ich importiere, und zum anderen das Land kennenlernen darf, aus dem es kommt.“ Cha ist Vorstand der BTR-Commerce, importiert allerhand Waren nach Südkorea und seit knapp eineinhalb Jahren auch Schneider Weisse. „Unsere Firma hatte sich eigentlich hauptsächlich auf Weine spezialisiert, aber der Markt für Bier, gerade importiertes, wird immer größer. Dabei geht es nicht nur um Craftbiere, sondern auch Biere mit Tradition, mit Geschichte.“

In Russland ein Premium-Produkt

Darum geht es auch Maarten Tegenbosch, der das Kelheimer Weißbier nach Holland importiert: „Die Brauerei hat eine lange Tradition, jedes Bier hat eine eigene Geschichte – das ist beim Verkauf mitunter sehr wichtig.“ Tegenbosch arbeitet etwa seit 2008 mit dem Kelheimer Unternehmen zusammen. Bereits seit 1995 importiert „First Federation Beer“ aus Russland die bekannte Kelheimer Marke, sagt Ivan Shishkin: „Es hat einige Zeit gedauert, bis wir Schneider Weisse auf dem Markt etabliert hatten, jetzt ist es eine bekannte Marke. Nicht ganz so groß wie Erdinger oder Franziskaner, aber dennoch bekannt.“

Russland sei ein „traditionelles Bierland, aber gerade Deutschland steht an der Spitze, was Qualität und Nachhaltigkeit betrifft“, sagt Shishkin. Außerdem seien die russischen Einfuhrauflagen sehr streng, „nur Premiumprodukte von hoher Qualität kommen in russische Supermärkte. Bayerische Bier ist ein Premium-Produkt“, sagt Shishkin.

Der Markt sei indes noch überschaubar, 400 000 Liter importiert Shishkin jährlich, „aber der Markt wächst. Deutsches und insbesondere Bayerisches Bier nimmt schon heute etwa die Hälfte importierten Bieres ein.“

In Israel ist der Ausstoß weit geringer. Andrew von Enoteca G.D.C. spricht von etwa 6000 Kästen Bier im Jahr. „Weißbier ist zwar sehr bekannt in Israel, aber es ist für ein Weizen einfach zu heiß bei uns. Es ist zu stark – aber gerade bei Genießern wird es immer beliebter.“

Von Genießern spricht auch Maarten Tegenbosch, der zahlreiche Sorten der Kelheimer Brauerei nach Holland importiert – hauptsächlich für Bars und Restaurants. „Denn der Privatmann kauft nur über den Preis und dann doch lieber Pilsener – Heineken, Amstel, Grolsch – das wird am meisten getrunken. Recht beliebt war aber die Heimat-Weiße, die es nur kurzfristig gab.“ Es gebe zwar auch heimische Weißbiere, „aber die schmecken im Gegensatz zu bayerischen eher flach“, sagt Tegenbosch, der 1200 Hektoliter pro Jahr importiert.

Voller Eifer beim Brezen machen – die meisten wurden ganz gut.
Voller Eifer beim Brezen machen – die meisten wurden ganz gut.

In Südkorea trinke man hauptsächlich Lager, sagt Enwoo Cha. Hite oder OB sind die meistverkauften einheimischen Marken. Einheimisch scheint Trumpf – zumindest haben diese Biere 90 Prozent Marktanteil. „An der Spitze importierten Bieres steht das chinesische Tsingtao, gefolgt von Heineken und dem japanischen Asahi. Deutsche Biere – wir unterscheiden wenig zwischen deutsch und bayerisch – machen etwa 30 Prozent des Importmarktes aus.“ Cha selbst bestellt in Kelheim pro Jahr etwa 1700 Hektoliter –er hat das Monopol im kleinen asiatischen Staat.

Dass das bayerische Reinheitsgebot, das in diesem Jahr seinen 500. Geburtstag feiert, beim Verkauf und Genuss eine große Rolle spiele, glaubt der Südkoreaner nicht: „Das ist nur für Bierliebhaber relevant. Sonst geht es rein über den Geschmack – und natürlich den Preis.“ Shishkin berichtet aus Russland anderes: „Das Reinheitsgebot alleine bürgt für Qualität. Es hat zwar anfangs beinahe niemand verstanden, was damit gemeint ist, aber unsere Kunden sind jetzt sozusagen gut erzogen.“

In Israel diene das Reinheitsgebot lediglich zu Marketingzwecken und auch in den Niederlanden lege man nicht unbedingt Wert darauf, sagt Tegenbosch: „Klar ist es ein Thema und immer mehr kleine Craft-Brauer rühmen sich, nach deutschem oder bayerischem Reinheitsgebot zu brauen, aber wirklich wichtig ist es dem Kunden nicht.“

Sagte es, nahm einen Schluck Weißbier, prostete seinen Kollegen zu und tunkte die Weißwurst in – ja, süßen Senf...

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