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Freizeit & Tourismus
Sonntag, 25. Februar 2018 -3° 1

Einzeldenkmal

Der Schwan ist fast 300 Jahre alt

Einst war das Wirtshaus gesellschaftlicher Mittelpunkt der früheren Kelheimer Fischersiedlung – nun erzählt es Geschichte.

Der Gasthof zum Schwan beim Hochwasser im Jahr 1940 Foto: Stadtarchiv/Fotosammlung

Kelheim.Ein Juwel zwischen Donau und Michelsberg im Kelheimer Fischerdörfl: das Gasthaus zum Schwan. Das große Gebäude wurde 1719 an der Fischergasse erbaut. Seit 1992 ist das historische Objekt im Eigentum des Bad Abbachers Markus Aumer. Seinen Angaben nach ist der Gasthof zum Schwan 2016 als Einzeldenkmal in der Denkmalliste Bayern eingetragen worden. Und seit diesem Jahr ist der Tourismusbetrieb, der sich zur Frühstückspension entwickelte, mit dem Siegel „Zu Gast im Denkmal – Häuser, die Geschichte(n) erzählen“ des Naturparks Altmühltal ausgezeichnet. Ob Flur, Saal oder Gästezimmer – alles ist ansprechend mit historischen Möbeln eingerichtet. Wer ein Nostalgiefan ist, der ist sofort begeistert, wenn er durch das Haus geführt wird – alles ist sehr gepflegt.

„Liebe auf den ersten Blick“

Im Gespräch mit dem Eigentümer im Aufenthaltsraum mit den freigelegten Deckenbalken – „aus einer Winterfällung von 1718/1719 – ist ziemlich schnell festzustellen, dass ihm sein Gasthaus zum Schwan, das unterhalb der Befreiungshalle liegt, ans Herz gewachsen ist.

Das Gasthaus zum Schwan 2018 von der Fischergasse aus Foto: Bachmeier-Fausten

Was hatte ihn denn vor Jahren an dem Haus, das von der Natur umgeben ist, so fasziniert? „Ich denke, dass es auch bei einem Gebäude so etwas wie Liebe auf den ersten Blick gibt“, antwortet Markus Aumer. Durch einen Blick vom Nachbarhaus aus auf den Saal habe er das Objekt kennengelernt. Sein Vater und er hätten Fürstin Gloria von Thurn und Taxis das Gasthaus im Fischerdörfl abgekauft.

Eigentümer Markus Aumer gewährt auch einen Einblick in den Garten. Foto: Bachmeier-Fausten

Markus Aumer war damals 20. Mit einem Regenburger Architekten sei das Gebäude saniert worden. Es sei anfangs als Gasthaus und Frühstückspension verpachtet worden. Jetzt ist es eine „reine Frühstückspension“, die von Markus Aumers Mutter Burgl geführt wird. Der Gasthausbetrieb sei aufgegeben worden, „weil eine ruhige Stimmung für die Gäste im Haus herrschen soll“. Elf Gästezimmer und insgesamt 20 Betten gibt es beim Schwan.

Auch die Gästezimmer sind mit historischen Möbeln eingerichtet. Foto: Bachmeier-Fausten

Auf die Nachfrage durch Gäste angesprochen, sagt Markus Aumer: „Wir haben sehr viele Buchungen und Stammgäste, die immer wieder kommen.“ Die Gäste schätzten die Historie und die Ausstattung der Zimmer mit Antiquitäten.

Ein Blick in den Saal des Gasthauses zum Schwan Foto: Bachmeier-Fausten

Wie Kelheims früherer Stadtarchivar Erich Hafner herausgefunden und dem Eigentümer, auf dessen Anfrage vor zehn Jahren mitteilte, „ist urkundlich belegbar zum ersten Male um 1742 ein ,Schwanenwirth’ namens Adam Schardt, der neben seiner Wirtschaft auch ,Getreide anbaute’.“ Um 1795 gehörte die Wirtschaft „Zum Schwanen“ und die dazugehörige Landwirtschaft einem Adam Schart. Um 1853 war Schiffermeister Sebastian Rieder Schwanenwirt. Um 1910 waren die Eigentümer des „Schwanen“ Otto Hamp und seine Frau Kreszenz. Dort gab es um 1911 dann drei Fremdenzimmer mit fünf Betten. „Der Preis pro Nacht und pro Bett lag zwischen 70 Pfennig und 1,50 Mark, der Mittagstisch kostete zwischen 70 Pfennig und 1,20 Mark“, wie in dem Schreiben des führen Stadtarchivars steht.

Jugendstiltreppe noch vorhanden

In der Begründung der Denkmaleigenschaft durch das Landesamt für Denkmalpflege in München für das Objekt im Fischerdörfl steht: „Das ehemalige Gasthaus zum Schwan hat geschichtliche Bedeutung. Nachweislich im früheren 18. Jahrhundert entstanden, war das Wirtshaus der gesellschaftliche Mittelpunkt der früheren Fischersiedlung. Heute stellt es eines der wenigen gut ablesbaren baulichen Zeugnisse dieser durch Überformungen, Abrisse und Neubauten tiefgreifend veränderten historischen Ansiedlung dar.“ Erwähnt sind auch die Jugendstiltreppe und der „mit scharfkantigem, symmetrischem Stuck“ versehene Saalanbau, dessen Rundbogenfenster noch original erhalten sind.

Die Rundbogenfenster im Saal sind von 1926 Foto: Bachmeier-Fausten

Markus Aumer findet es gut, dass sein Objekt im Fischerdörfl ein Einzeldenkmal ist und „das Landesamt für Denkmalpflege ein Auge auf das Gebäude hat“.

Die Zusammenarbeit mit der unteren Denkmalbehörde am Landratsamt Kelheim und dem Landesamt für Denkmalpflege „ist großartig“. Man sei „im engen Dialog. Es geht darum, was 2019 mit dem Gebäude passiert. Im nächsten Jahr hat der Schwan 300. Geburtstag. „Bis 2019 wird’s sicherlich ein neues Konzept geben. „Dieser Ort ist durch die Nähe zur Donau, zur Stadt und der Natur in vielerlei Hinsicht nutzbar“, sagt der Eigentümer.

Eine Jury wählte aus

  • Bewerbungen

    Im Jahr 2014 ist das Projekt „Zu Gast im Denkmal“ laut Benjamin Hübel, Mitarbeiter des Naturparks Altmühltal, der das Projekt betreut, gestartet worden. Auf den Aufruf zur zweiten Bewerbungsphase im vergangenen Sommer habe es 15 Neubewerbungen gegeben. Auch das Gasthaus zum Schwan war darunter.

  • Die Bewertung und Auswahl ist Benjamin Hübel zufolge durch eine externe Jury, der jeweils ein Mitarbeiter der Bayern Tourismus Marketing GmbH, des Lehrstuhls für Tourismus der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und der Geschäftsführer des Fränkischen Seenlandes angehörten.

  • Denkmalcharakter

    Nach den Richtlinien, die „wir haben“, habe man sich orientiert. „Uns ist wichtig“, dass der Denkmalcharakter an der Außenfassade beziehungsweise im Gebäude zu erkennen sei, so Hübel. In Kelheim sei zum Turmhotel „Zum Erasmus“ und dem Archäologischen Museum das Gasthaus zum Schwan hinzugekommen.

Aber es soll sich heuer bereits auf dem Gelände etwas tun. Beim jetzigen Biergarten stand laut Markus Aumer früher ein Nebengebäude, das vor 1926 abgebrochen wurde.

Im Jahr 1967 ist eine Kegelbahn östlich des Gasthauses gebaut worden. Der Abbruchantrag für die Kegelbahn sei vom Bauausschuss genehmigt. Auf diesem Grundstücksteil entsteht ein baubiologisches Niedrigst-Energiehaus, so Architekt Aumer, der an der Universität Weimar studierte und einen Masterstudiengang für Denkmalpflege in Bamberg absolvierte. Der geplante Neubau soll sich in die historische Nachbarschaft des Gasthauses zum Schwan einfügen.

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