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Die Kunst des richtigen Handtuch-Wedelns

Der dreifache Saunaweltmeister Rob Keijzer zeigte in der Römer-Sauna in Bad Gögging, worauf es beim Besuch wirklich ankommt.
Von Roswitha Priller

Der Weltmeister Rob Keijzer zeigt seine ausgezeichnete Wedel-Technik. Fotos: Priller, Dannenberg (Archiv)
Der Weltmeister Rob Keijzer zeigt seine ausgezeichnete Wedel-Technik. Fotos: Priller, Dannenberg (Archiv)

Bad Gögging. Im wahrsten Sinne des Wortes die Regie übernommen hat der dreifache Saunaweltmeister Rob Keijzer (52) am Samstag in der „Arena-Sauna“ der Römer-Sauna in Bad Gögging. Der gebürtige Niederländer führte mit spektakulären Show-Aufgüssen seine Saunagäste zu guter Entspannung und Wohlbefinden.

Bis zu 80 Personen haben in der aus Zedernholz gebauten „Arena“ Platz, deren Sitzreihen tribünenartig angeordnet sind. Mit drei ganz unterschiedlichen Aufguss-Geschichten entführte Keijzer die Gedanken der Schwitzenden in eine andere Welt. Unsere Zeitung hatte Gelegenheit, den Weltmeister vor seinen Auftritten zu befragen und bei seinen Vorbereitungen zu begleiten.

Unter einem Sauna-Aufguss-Weltmeister müsse man sich niemanden vorstellen, der möglichst lange in einer Sauna sitzt und schwitzt, sagt Keijzer. Bei der Show-Aufguss-Weltmeisterschaft werde die Gesamtperformance der Saunameister eingebettet in einer selbstgewählten Geschichte bewertet. „Wenn die Leute die Zeit vergessen und komplett in meiner Geschichte mitgehen, dann habe ich es richtiggemacht“, erklärt der dreifache Weltmeister.

Wedeltechnik im Detail

Im Detail beurteilt die Jury unter anderem die Wedeltechnik mit einem Handtuch. Hitze, Feuchtigkeit sowie die eingesetzten Aromen und Düfte müssen möglichst effektvoll und gezielt gesteuert in der Sauna verteilt werden. Als nächstes steht die Professionalität des Aufgusses an sich auf dem Prüfstand. Nur wer den klassischen Aufguss perfekt beherrscht, kann sich an Showelemente heranwagen. Keijzer und seine Wettbewerber arbeiten zusätzlich mit Licht und natürlich mit Musik und Geräuschen.

Der Niederländer beherrscht sein Metier perfekt und so hat er es geschafft, den Weltmeistertitel in den Jahren 2014 bis 2016 zu gewinnen. Mit seiner Story vom „Lumberjack Man“ (Holzfäller) hatte er 2013 eine Wild Card von der Jury bekommen. „Ich habe erzählt, wie der Holzfäller das besondere Keloholz für die Sauna geholt hat.“ Er schloss als Siebter im Finale ab. Normalerweise qualifizieren sich die WM-Teilnehmer über entsprechende Landeswettbewerbe.

„Ich habe ein paar Anfängerfehler bei meiner ersten WM gemacht“, schmunzelt Keijzer. Zeitüberschreitung und Wedeln mit seiner Holzfällerjacke gehörten dazu. Beim Wedeln ist die Jury streng, unter die Qualifikation fällt nur d ie Hitzeverteilung mit dem Handtuch.

Abschied von den Wettbewerben

Für die „Arena-Sauna“ hatte er seine eigene Licht- und Soundanlage dabei. „Licht- und Soundanlagen für Saunas sind mein zweites Standbein“, erklärte der ehemalige IT-Spezialist. Viele Techniker wüssten nicht mit der Hitze und der Feuchtigkeit in einer Sauna umzugehen. Keijzer weiß genau, wo er die elektronischen Module in einer Schwitz-Location einbauen muss, ohne dass sie Schaden nehmen. Seinen Hauptverdienst erhält er als selbstständiger Trainer und Ausbilder von Aufguss-Meistern.

So ist auch Saunameisterin Carina Edelmann von der Römer-Sauna auf den Weltmeister aufmerksam geworden. „Ich war so begeistert von einer Weiterbildung bei Rob Keijzer, dass ich meinen Chef schnell überzeugt habe, ihn auch mal zu uns in die Römersauna zu holen“, sagt sie.

Keijzer hat für 2017 beschlossen, sich aus dem Aktivenbereich der WM zurückzuziehen. „Ich werde nicht noch mal antreten. Man muss an seinem Höhepunkt aufhören“, ist die feste Überzeugung des Niederländers. Trotzdem bleibt er mit dem Wettkampf in Kontakt. „Ich bin Jury-Mitglied für die Landesmeisterschaften in Dänemark und Belgien.“

Aber im Augenblick will er vor allem seinen Bad Gögginger Saunagästen einen Abend voller Entspannung bereiten. „Für mich ist das Schönste, wie das Publikum reagiert. Ich möchte die Leute begeistern. Sie sollen sich richtig gut entspannen.“ Sehr spannend sei für ihn, dass er den ersten Show-Aufguss in der Römersauna bereite. „Die Leute hier sind es noch nicht gewöhnt. Ich muss schauen, wie weit ich gehen kann.“ Geübte Show-Saunagänger stünden durchaus auch mal auf den Bänken oder machten beim ihm eine Welle mit. Den Abend begann er mit einem orientalischen Aufguss, dazu trug er selbstverständlich auch die entsprechende Kleidung.

Mit welchen Aromen und Düften er arbeitet, entscheidet er spontan. Auf jeden Fall kommen nur natürliche Essenzen und ätherische Öle zum Einsatz. Bei seiner zweiten Story hat er sich von der US-Rocker-Serie „Sons of Anarchy“ inspirieren lassen. „Ich erzähle kurz vorher, worum es in meiner Show geht. Aber eigentlich sollten meine Gäste die Geschichte einfach so verstehen. Sie sollen aufgehen in der Story und die Zeit vergessen.“

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